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Tom Schwede, bewegt alles, was vier Räder hat Hallo, ich bin Tom — zusammen mit der Auto Blogger Crew mit viel Benzin im Blut blogge ich hier im Auto-Blog für Auto-Natives über Autos. Seit 2007 gibt es in diesem Blog regelmäßig Reportagen, Tests und Meinungen rund ums Auto. Dazu zählen auch Beiträge über Oldtimer oder Youngtimer sowie über Motorsport.

 


Nein, heute geht es im Auto-Blog für echte Auto-Natives nicht um einen Cognac – zumal dem ein „e“ fehlt. Statt nach Frankreich und zu Hennessy blicken wir in die USA und zu Hennessey. Genauer zur Firma „Hennessey Performance Engineering“ (HPE). Einem Tuner, der seinen Sitz in der Nähe von Huston, Texas hat.

In Texas ist, wie ich selbst 1997 erleben konnte, alles ein Stück größer. Offensichtlich auch das Selbstvertrauen. Denn HPE rühmt sich, mit dem „Hennessey Venom GT“ das schnellste Serienfahrzeug der Welt zu bauen. Wobei das mit dem Serienfahrzeug schon so eine Sache ist. Genauso wie mit dem Geschwindigkeitsrekord. Doch der Reihe nach.

Fangen wir mal mit dem Geschwindigkeitsrekord an

Zugegeben, ob ein Auto 431 km/h oder 435 km/h schnell unterwegs sein kann, das ist am Ende fast nur noch eine akademische Frage. Die Regeln für die Anerkennung einer Rekordfahrt sind eigentlich ganz einfach. Der Kandidat muss die Messstrecke innerhalb einer bestimmten Zeit zweimal durchfahren – je einmal pro Richtung.

Als Rekordgeschwindigkeit wird die Durchschnittsgeschwindigkeit aus beiden Versuchen gewertet. Insofern ist, wenn man diesen Regeln folgt, der „Bugatti Veyron 16.4 Super Sport“ mit 431,02 km/h das schnellste Auto mit Serienzulassung. Denn der 1.200 PS starke Sportwagen hat auf dem VW-Testgelände in Ehra-Lessien die notwendigen Voraussetzungen für die Anerkennung des Rekords erfüllt. Inzwischen sogar auch offen, wobei der Bugatti immer noch freundliche 408,8 km/h schnell war.

Vom Hennessey Venom GT kann das niemand behaupten!

Denn der 1.217 PS starke Sportwagen erreichte auf der Rollbahn des Kennedy Space Centers in Florida seine Spitzengeschwindigkeit von 435,31 km/h nur einmal. Aus Sicherheitsgründen darf die Rollbahn des NASA-Geländes nur in einer Richtung befahren werden. Testfahrer Brian Smith, der den Hennessey Venom GT steuerte, konnte also nicht zur notwendigen Gegenprobe antreten. Rekordträger kann der Hennessey so nicht werden. Trotzdem macht das Video von der vermeidlichen „Rekordfahrt“ Spaß:

Ist der Hennessey Venom GT überhaupt ein Serienfahrzeug?

Auch die Beantwortung dieser Frage kann schnell philosophisch werden. Denn Grundlage des Sportwagens ist ein Lotus Exige. Keine schlechte Wahl. Aber damit eben immer eher ein Umbau als eine Eigenentwicklung. Auch wenn die Amerikaner das Aluchassis des kleinen sportlichen Briten erheblich modifizieren. Übrigens nicht in der eigenen Heimat, sondern in einer Werkstatt an der Rennstrecke von Silverstone.

Der Grund für die Überarbeitung ist einfach, denn typisch amerikanisch treibt ein V8-Motor den Hennessey Venom GT an. Das setzt Platz voraus. Denn entstanden ist der Exige ursprünglich für einen Vierzylinder-Motor von Rover (K-Serie). Seit der Rover-Pleite bestückt Lotus den Motorraum mit Toyota-Motoren. Zunächst ebenfalls mit vier Zylindern. In jüngster Vergangenheit auch mit dem V6, der auch im Lotus Evora S zum Einsatz kommt.

Der Motorraum des Hennessey Venom GT (Foto: Supermac1961)
Der Motorraum des Hennessey Venom GT (Foto: Supermac1961)

Der Sieben-Liter große Aluminium-V8, für den Platz geschaffen wird, entsteht bei Hennessey in den USA, rund 50 Kilometer westlich von Houston. Grundlage ist der Motor der Chevrolet Corvette. Von Hennessey stammt im Wesentlichen die Programmierung der Einspritzlange und die Steuerung der Turbos. Drei Leistungsstufen mit 811PS, 1.014PS und 1.217PS sind verfügbar. Per Luftfracht gehen die Motoren anschließend nach Silverstone, um dort mit dem modifizierten Lotus Chassis verheiratet zu werden.

Eine Fertigungskette über den Atlantik zu betreiben, das erinnert an den unglücklichen Cadillac Allanté. Doch während Cadillac und Pininfarina von dem Allanté rund 3.000 Fahrzeuge pro Jahr fertigten, plant Hennessey nur mit zehn Fahrzeugen pro Jahr. Seit 2012 sollen elf Fahrzeuge entstanden sein. Zu einem Preis von mindestens 600.000 US-$ für die Version mit 811 PS. Für die 1.200 PS-Version ruft Hennessey zurzeit 1.000.000 US-$ auf. Wobei Kunden aus Europa einen Rabatt von 25.000 US-$ erhalten, weil das Fahrzeug nicht per Luftfracht in die USA geliefert werden muss.

Trotzdem tue ich mich schwer, den Hennessey Venom GT als Serienfahrzeug zu bezeichnen. Im Prinzip ist und bleibt der „Amerikaner“ ein „gepimpter“ Lotus Exige. Die Situation ist ähnlich, wie sie lange bei Ruf war. Auch die Allgäuer modifizieren – wenn auch auf Basis von Rohkarosserien – Porsche-Fahrzeuge. Erst mit dem CTR3 Clubsport stellte Ruf eine Eigenentwicklung vor – die vom Porsche GT 2 (immer noch) Lenkung und Vorderwagen übernahm.

Rechtlich gilt Ruf als eigener Hersteller. Doch ohne Porsche hätten auch die Fahrzeuge von Ruf ein anderes Gesicht. Und ohne den Lotus Exige gäbe es wohl auch keinen Hennessey Venom GT. Als Serienfahrzeug würde ich den Vonom deshalb nicht bezeichnen. Eher als Umbau eines Tuners. Oder wie seht Ihr das?


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Der Prototyp des Hennessey Venom GT (Foto: Mystfire)

Der Prototyp des Hennessey Venom GT (Foto: Mystfire)

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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