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„Mi chiamo Fiat 124“: Turin zeigt die vielen Gesichter des Fiat 124

Es gibt wenige Autos, die in so vielen unterschiedlichen Varianten angeboten wurden. Der Fiat 124 war biedere Familienlimousine, eleganter Spider, sportliches Coupé, Rallyeauto und so etwas wie ein früher Weltauto-Baukasten. Eine Sonderausstellung im Heritage Hub in Turin erinnert jetzt an diese erstaunlich vielseitige Modellfamilie.

16. Oktober 2026 3 Minuten Lesezeit
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Der Fiat 124 hatte viele Gesichter
Der Fiat 124 hatte viele Gesichter. Die Ausstellung „Mi chiamo Fiat 124“ in Turin zeigt Limousine, Sportwagen und Rallye-Versionen. (Foto: Fiat)

Auf Deutsch heißt „Mi chiamo Fiat 124“ schlicht „Ich heiße Fiat 124“, nennen die Macher ihre Ausstellung, die noch bis Ende November 2026 zu sehen ist. Gezeigt werden fünf unterschiedliche Varianten des Fiat 124 sowie historische Originalbroschüren und Werbematerial, das Fiat zu dem vor 60 Jahren vorgestellten Fahrzeug der unteren Mittelklasse im Laufe der Zeit auflegte. Dass sich aus einer eher kantigen viertürigen Limousine einmal eine derart große Familie entwickeln würde, war beim Debüt 1966 vermutlich nicht jedem sofort klar.

Vom Familienauto zum Rallyegerät

Dabei bot die Konstruktion beste Voraussetzungen dafür. Der etwas mehr als vier Meter lange Fiat 124 war geräumig, leicht und technisch durchaus ambitioniert. Sein 1,2-Liter-Vierzylinder leistete zunächst 60 PS, hatte bei nur 855 Kilogramm allerdings kein allzu schweres Spiel. Zum Paket gehörten auch Scheibenbremsen an allen vier Rädern. Das war vor sechs Jahrzehnten alles andere als selbstverständlich. Der Fiat 124 verschob damit den Maßstab der unteren Mittelklasse.

1967 wurde der Fiat zum „Auto des Jahres“ gewählt. Die Turiner Ausstellung zeigt allerdings eindrucksvoll, dass die Geschichte damit erst anfing. Denn zu den Exponaten gehört beispielsweise eine speziell vorbereitete Limousine, die 1970 an der spektakulären Langstreckenfahrt vom Nordkap bis nach Kapstadt teilnahm. Fiat schickte drei 124er auf die Strecke, die innerhalb von 51 Tagen mehr als 40.000 Kilometer zurücklegten. Wüsten, schlechte Straßen und marode Brücken inklusive.

Und dann wurde der Fiat 124 richtig schön

Für uns wird die Familiengeschichte spätestens beim Fiat 124 Sport Spider interessant. Denn die Karosseriebau- und Design-Legende Pininfarina verwandelte die technische Basis der Limousine in einen offenen Sportwagen, den wir in diesem Onlinemagazin erst vor ein paar Tagen ausführlich würdigten. Spannend, wie etwa zeitgleich das Centro Stile Fiat mit dem Fiat 124 Sport Coupé eine weitere attraktive Variante schuf.

Fiat 124, Teilnehmer der Langstreckenfahrt vom Nordkap bis nach Kapstadt 1970

So nahmen die Fiat 124 an der Langstreckenfahrt 1970 vom Nordkap bis nach Kapstadt teil. (Foto: Fiat)

Noch wilder wurde es mit Abarth. Der Fiat 124 Sport Abarth vertrat Fiat auf internationalen Rallyepisten. Spätere Gruppe-4-Versionen des Fiat Abarth 124 Rallye leisteten bis zu 210 PS und waren in nationalen wie internationalen Rallye-Meisterschaften erfolgreich. Damit erzählt die Ausstellung eigentlich eine Geschichte, die weit interessanter ist als irgendein runder Geburtstag: Aus einem einzigen Grundentwurf entstanden Autos für vollkommen unterschiedliche Aufgaben.

Ein Italiener, der um die Welt ging

Der 124 brachte Familien zum Einkaufen, ließ Sonnenanbeter offen durch Italien fahren und Rallyefahrer über Schotterpisten fliegen. Und selbst damit ist die Geschichte noch nicht vollständig erzählt. Der Fiat 124 wurde zu einem frühen „Global Car“. SEAT baute ihn in Spanien, Lada-VAZ in der Sowjetunion, Tofaş in der Türkei und Premier in Indien. Über rund vier Jahrzehnte entstanden weltweit mehr als 20 Millionen Fahrzeuge der verschiedenen 124-Varianten und ihrer Ableger.

Wer also verstehen möchte, warum der Fiat 124 weit mehr war als eine italienische Mittelklasselimousine der 1960er-Jahre, bekommt dazu derzeit in Turin eine ziemlich gute Gelegenheit. „Mi chiamo Fiat 124“ läuft im Heritage Hub noch bis Ende November. Unter der Woche sind individuelle Besichtigungen möglich, am Wochenende werden Führungen angeboten.


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