Im ersten Teil dieser Serie über Porsche und die CanAm blickten wir darauf zurück, wie Porsche den Sportwagen 917 für den Einsatz im „Canadian-American Challenge Cup“ (CanAm) anpasste. Im zweiten Teil dieser Serie stellen wir die Geschichte von einem Piloten vor, der vom Ersatzmann zum Meister reift.

Für den offiziellen Angriff auf die Meisterschaft arbeitete Porsche vom Projektbeginn eng mit dem Team von Roger Penske zusammen. Der ehemalige Rennfahrer gründete 1967 sein heute umfangreiches Motorsport-Imperium. Penske war von Anfang an auch als Teamchef erfolgreich. Denn mit Mark Donohue am Steuer gewann Penske bereits im Debütjahr in der Trans-Am den Titel. 1969 sorgte die Auszeichnung „Rookie of the Year“, die Donohue beim Indianapolis 500 gewann, für weitere Aufmerksamkeit.

Kein Wunder, dass Teamchef Roger Penske und Pilot Mark Donohue auch das Abenteuer CanAm gemeinsam angingen. Interessantes Detail am Rande, Penske, Donohue und Porsche 917 Projektleiter Ferdinand Piëch sind alle Jahrgang 1937. Das Projekt CanAm war also ein Projekt damals fast noch jugendlicher Männer. Mark Donohue war als ausgebildeter Ingenieur der geborene Testpilot. In seinen Händen reifte der Porsche 917/10 TC mit großem Tempo zu einem Erfolg versprechenden Rennwagen heran.

Der Turbo beflügelt den Porsche 917

Gleichzeitig begannen die Motorenbauer zu begreifen, was mit dem Turbo alles möglich ist. Nach einer Entscheidung, den Hubraum des Turbo-Motors auf fünf Liter zu vergrößern, standen im Laufe der Saison 1972 bereits bis zu 1.000 PS zur Verfügung. Bereits beim Saisonauftakt der CanAm 1972 stellte Donohue den Porsche auf den besten Startplatz. Im Rennen behielt zwar noch Denny Hulme im McLaren M20 Chevrolet die Oberhand und fuhr zum Sieg. Doch mit einem zweiten Platz deutete Mark Donohue das Potenzial des Porsche 917/10 TC an.

Pedantisch trieben Porsche und Penske die Entwicklung des Rennwagens auch zwischen den Rennen mit umfangreichen Testfahrten voran. Bei einem dieser Tests verunglückte Donohue  noch vor dem zweiten Saisonlauf in Road Atlanta schwer. Der Porsche 917/10 TC verlor bei einem Tempo von rund 250 km/h Teile der Karosserie. Ohne den Anpressdruck der ausladenden Frontpartie hob der Porsche ab. Bei der Landung des Porsche gerieten die Füße des Piloten zwischen Fahrzeug und Strecke. Mark Donohue brach sich ein Bein und fiel aus. Der Amerikaner sollte schließlich erst beim sechsten Saisonlauf auf dem Donnybrooke Speedway in Brainerd, Minnesota wieder ins Geschehen eingreifen können.

Ersatzmann George Follmer

Statt Mark Donohue fuhr so Ersatzmann George Follmer mit dem Porsche 917/10 TC zum ersten Sieg. Follmer gewann bei seinem ersten Einsatz das Rennen in Road Atlanta. Das überraschte auch, weil der Pilot aus Arizona nicht als Überflieger galt. In der Vita von Follmer stand der Gewinn der „United States Road Racing Championship 1965“ des „Sports Car Club of America“. Doch anschließend hatte sich Follmer ohne großen Erfolg in den Nudeltöpfen der „USAC Championship Car Serie“ – einem der Vorläufer der heutigen IndyCars – versucht. Nur in den Tourenwagen der „Trans-Am-Serie“ konnte Follmer immerhin einige Siege herausfahren.

Leo Kinnunen im Porsche 917/10
Wie in den USA sind die Porsche 917/10 auch in Europa überlegen. Leo Kinnunen gewinnt 1972 mit einem Porsche 917/10 die Interserie (Foto: Porsche)

Als Spitzenpilot galt George Follmer deshalb nicht. Trotzdem vertrauten Roger Penske und Porsche dem Amerikaner nach dem Ausfall von Mark Donohue den Porsche 917/10 TC an. Follmer zahlte das Vertrauen mit einer guten Leistung zurück. Nach dem Sieg in Road Atlanta folgte ein fünfter Platz beim Rennen in Watkins Glen. Anschließend übernahm Follmer mit Siegen in Mid-Ohio und bei einem weiteren Rennen in Road America die Führung in der Meisterschaft. Mark Donohue kommentierte die Erfolge des Ersatzmanns mit einer ehrlichen Aussage dazu, wie schwer die Erfolge des eigenen Autos zu ertragen seien.

Mark Donohue:

It just doesn’t feel right. Seeing another man driving your car, a car you know so well. I imagine it must feel like watching another man in bed with your wife.

Als Donohue beim sechsten Saisonlauf endlich wieder selbst mit dem geliebten Rennwagen ins Geschehen eingreifen konnte, stellte der Rückkehrer den Porsche 917/10 TC sofort auf den besten Startplatz. Doch im Rennen fiel Donohue mit einem geplatzten Reifen aus. Teamkollege George Follmer wahrte mit einem vierten Platz alle Meisterschaftschancen. Doch beim zweiten Lauf nach der Comeback feierte Mark Donohue im kanadischen Edmonton endlich seinen ersten Erfolg in der CanAm.

Doch George Follmer zeigte mit der Trainingsbestzeit, dass er den Porsche 917/10 TC inzwischen ebenfalls beherrschte. Mit einem dritten Platz im Rennen blieb Follmer zudem in der Meisterschaft deutlich in Führung. Der Vorsprung auf den Zweiten der Meisterschaft, Ex-Formel 1 Weltmeister Denny Hulme betrug bereits 25 Punkte. Bei noch zwei ausstehenden Saisonrennen konnte Hulme mit zwei Siegen maximal noch 40 Punkte einfahren. Somit fehlten Follmer nur 16 Punkte zum Titelgewinn. Damit war klar, Follmer reichen in den beiden ausstehenden Rennen zwei fünfte Plätze, um locker zum Titel zu fahren.

Follmer fährt mit Vollgas zum Titel

Mit jedem Sieg wurde deutlich, dass der Porsche 917/10 TC längst zum besten Rennwagen der Saison gereift war. Inzwischen konnten die Piloten George Follmer und Mark Donohue auch im Rennen bis zu 1.000 PS einsetzen. Follmer siegte Mitte Oktober beim Rennen in Laguna Seca und gewann somit bereits beim vorletzten Saisonlauf auch den Titel. Dem Amerikaner half, dass Denny Hulme seinen McLaren M20 Chevrolet mit einem Motorschaden nach Problemen an der Steuerkette bereits nach wenigen Runden am Streckenrand abstellen musste.

George Follmer gewann auch das Saisonfinale in Riverside. Damit hatte der CamAm-Sieger genau doppelt so viele Meisterschaftspunkte wie der Zweite Denny Hulme zusammengefahren. Follmer war als Ersatzmann für den verletzten Mark Donohue in den Porsche 917/10 TC eingestiegen und beendete die Saison als Meister. Da in der CanAm ordentliche Prämien zu verdienen waren, dürfte dies ein gutes Geschäft für Follmer, der parallel dazu auch den Titel in der TransAm gewann, gewesen sein.

Trotzdem verlies George Follmer das erfolgreiche Team von Roger Penske am Saisonende. Wahrscheinlich wusste Follmer, dass Mark Donohue in diesem Team auf Dauer nicht zu schlagen sein würde. Zudem lockte Don Nichols, dessen Shadow Mk III Chevrolet in der CanAm mit Jackie Oliver immerhin für Podiumsplätze gut war, mit einem Cockpit in der Formel 1. Im zarten Alter von 38 Jahren wurde George Follmer Formel 1 Pilot.

Lesen Sie im dritten Teil dieser Serie über Porsche und die CanAm wie Porsche mit dem 917/30 den absoluten Rennwagen baut und wie Mark Donohue seinen Auftrag vollendet.

2 Kommentare

  1. Great post. Very useful info specially the last part 🙂 I was looking for this particular info for a long time.

  2. Pingback: Vor 40 Jahren: Porsche und die CanAm Serie – Teil 3 » AutoNatives.de

Schreib einen Kommentar