Spa ist eines der Highlights im Formel 1 Kalender. Spa-Francorchamps ist Geschwindigkeit pur. Allenfalls in Monza kann der Zuschauer sonst noch so deutlich die unglaubliche Geschwindigkeit der Formel 1 genießen. Doch während Monza mitten in der Stadt liegt und die Strecke von Anfang an als Rennstrecke gebaut wurde, ist in Spa-Francorchamps überall zu spüren, dass die Strecke aus ehemaligen Landstraßen besteht.

Zu den Zeiten als hier Fangio und Ascari oder auch von Trips und Clark rannten, fuhren am nächsten Tage wieder Lastwagen und Alltagsfahrzeuge über die Strecke. Heute, wo Rennstrecken strategisch geplant werden, ist Spa-Francorchamps damit wie Monaco und eben Monza eine Rennstrecke von anderem Schrot und Korn. Selbst die Umbauten, die die Strecke in den vergangenen zehn Jahren zeitgemäß gemacht haben, haben den wesentlichen Charakter der Strecke nicht verändert.

Denn seit 2001 endlich eine Umgehungsstraße fertiggestellt wurde, ist auch Spa-Francorchamps eine permanente Rennstrecke. Nach genau 80 Jahren wurde der Kurs damit zwar nicht gewöhnlich, gewann aber Luft, um überhaupt weiter den Rennbetrieb zu ermöglichen. Denn nun konnten die Verantwortlichen den Kurs so modernisieren, dass die Formel 1 und andere Rennserien weiter in den Ardennen zu Gast sein können.

Spa-Francorchamps ist die letzte Naturrennstrecke der Formel 1 (Foto: Caterham F1 Team)
Spa-Francorchamps ist die letzte Naturrennstrecke der Formel 1 (Foto: Caterham F1 Team)

Radikal ist der Umbau bei der Bus Stop-Schikane ausgefallen. Bis 2006 wurden die Rennwagen kurz vor der Start- und Ziel-Linie mit einer Schikane gebremst, die aus der Haltebucht einer Bushaltestelle bestand. Die Strecke bestand hier ursprünglich aus einer Landstraße, die Francorchamps mit Malmedy und Stavelot verband. Um die Geschwindigkeiten vor der Boxeneinfahrt zu bremsen, sperrte man hier während der Rennen die eigentliche Landstraße einfach mit ein paar Reifenstapeln ab und führte die Rennstrecke über die Bushaltestelle.

Das war keine optimale Lösung. Denn wenn ein anderer Teilnehmer sich bei der Einfahrt in die Schikane vertat und zu stark über die Randsteine räuberte, wurde sein Fahrzeug auch schon mal ausgehebelt und stand anschließend quer in der Schikane. Das war für die Nachfolgenden meist nicht gut zu sehen, was die Einfahrt in die Schikane immer zu einem gewissen Glücksspiel machte. Die heutige Lösung ist besser, auch wenn sie mit dem Namen „Bus Stop“ nichts mehr gemeinsam hat. Heute ist die „Bus Stop“ eine Schikane, die auch in Hockenheim oder Silverstone sein könnte.

Ebenfalls geändert wurde die Kurvenkombination aus „Eau Rouge“ und „Raidillon“. Anders als 1985, als Stefan Bellof in der „Eau Rouge“ tödlich verunglückte, gibt es in der Senke und der folgenden Mutkurve nun halbwegs vernünftige Auslaufzonen. Trotzdem bleibt dieser Streckenabschnitt eine der Schlüsselstellen der aktuell 7,004 km lange Strecke. Beim Fahrerlager-Bier geht diese Kurvenkombination immer voll. Wer an der Strecke steht, hört, dass die Realität anders ist.

Zur Strecke von Spa-Francorchamps gehört das oft unberechenbare Wetter.

In Spa-Francorchamps kann es ganz plötzlich wolkenbruchartig regnen. Die Formel 1 erlebte das 1998 beim „legendären“ Chaosrennen. Kurz nach dem Start kollidierten auf der Anfahrt zur Eau Rouge 13 Autos. McLaren-Pilot David Coulthard hatte im Regen die Kontrolle über seinen Wagen verloren. Im dichten Regen prallten zahlreiche weitere Fahrer in das Fahrzeug von Coulthard, bis die Strecke völlig versperrt war.

Das Rennen wurde abgebrochen. Die Aufräumarbeiten dauerten mehr als eine Stunde. Nach dem Neustart sah Michael Schumacher lange wie der sichere Sieger aus, führte mit deutlichem Vorsprung das Rennen an. Doch beim Überrunden fuhr Schumacher im dichten Regen dem McLaren des auf Position acht liegenden David Coulthard ins Heck.

Spa-Francorchamps im Regen (Foto: Caterham F1 Team)
Spa-Francorchamps im Regen (Foto: Caterham F1 Team)

Auch beim Qualifikationstraining zum Großen Preis von Belgien regnete es gestern zeitweise heftig. Fast hätte Pauli di Resta mit dem Force India die Bedingungen genutzt, um sich überraschend die Pole-Position zu sichern. Der Schotte ging als einziger der zehn schnellsten Piloten mit Intermediates in den dritten Abschnitt der Qualifikation, in dem um den besten Startplatz gefahren wird.

Dadurch konnte di Resta zunächst die schnellste Runde drehen, während die Kontrahenten an der Box neue Reifen auffassen mussten. Weil der Regen währenddessen sogar noch zunahm, sah di Resta wie der sichere Sieger der Qualifikation aus. Doch das Wetter-Roulette von Spa-Francorchamps war noch nicht zu Ende. In den letzten fünf Minuten trocknete die Strecke doch noch so stark ab, dass noch vier Piloten schneller als zuvor di Resta fahren konnten.

Auch für das Rennen am Nachmittag sagen die Wetterfrösche Regen voraus. Das wird für zusätzliche Spannung sorgen und dem Klassiker Spa-Francorchamps ein weiteres Kapitel hinzufügen.

Medientipp: 25. August 2013 – 14 Uhr Großen Preis von Belgien, zu sehen zum Beispiel bei Sky und RTL.

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