Meinung und Kommentar

Enttäuschungen des Autojahrs 2014: Porsche Macan, VW e-Golf und Mercedes-Benz GLE Coupé

Der anstehende Jahreswechsel ist eine gute Gelegenheit, um auf das Autojahr 2014 zurückzublicken. Stammleser wissen, die Auto-Natives verstehen sich nicht als Claqueure oder Jubelperser. Wir schreiben auch über Dinge, die uns nicht gefallen. Der vorletzte Tag des Jahres gehört daher den Enttäuschungen des Autojahrs 2014. Silvester folgen dann die positiven Eindrücke.

Drei Autos sind mir im zurückliegenden Jahr besonders negativ aufgefallen. Der VW e-Golf, über den ich bereits ausführlich geschrieben habe, gehört dazu. VW hat sich bei seinem Einstieg in die Welt des Elektroautos dafür entschieden, ein klassisches Auto „nachträglich“ zu elektrifizieren. Sorry, Wolfsburg aber das ist irgendwie Stand der 1990er-Jahre. Sicherlich gibt es auch im e-Golf Fortschritte bei der Motorsteuerung und der Ladetechnik, aber der Grundaufbau ist nicht innovativ. Der e-Golf ignoriert alle Vorteile, die mit der konsequenten Konstruktion eines Elektrofahrzeugs möglich sind. Ich könnte die Entscheidung nachvollziehen, wenn sich dadurch wenigstens Vorteile für den Kunden ergeben. Doch ich sehe keinen. Nicht einmal auf der Kostenseite ist der e-Golf von Volkswagen besser als der oft als teuer bezeichnete BMW i3.

Ebenfalls zu meinen Flops gehört der Mercedes-Benz GLE Coupé. Mit diesem SUV schafft der gute Stern auf allen Straßen eine unverhohlene Kopie des BMW X6. Anders als vor 30 Jahren, als die Stuttgarter mit dem 190er den 3er von BMW herausforderten, hebt Mercedes diesmal den Markt nicht auf ein neues Niveau. Stattdessen orientiert sich der gute Stern auf allen Wegen nur sklavisch am „Marktführer“. Mit der Kopie geht der Verzicht einher, neue Standards zu setzen. Wer das vor 15 oder 20 Jahren in seiner Glaskugel gesehen hätte, wäre an jedem Autostammtisch für völlig verrückt erklärt worden. Dieser Mercedes ist der endgültige Bruch mit der großartigen Tradition des Unternehmens. Das Beste oder Nichts, das Leitmotiv des Hauses verkommt bei solchen Autos zum inhaltsleeren Werbespruch.

Der Porsche Macan toppt das!

Harte Worte, ich weiß. Trotzdem, weder der VW e-Golf noch der Mercedes-Benz GLE Coupé waren meine größten Auto-Enttäuschungen des Autojahrs 2014. Der entstand bei Porsche. Um das zu erklären, muss ich weit ausholen. Porsche fasziniert mich seit der frühsten Jugend. Vermutlich ist meine Tante schuld. Sie fuhr in den späten 1970er-Jahren plötzlich mit ihrem roten Porsche 911 Targa vor. Ich höre heute noch dem Klang des Boxermotors, habe den legendären Schwanenhals des Blaupunktradios an Bord nie vergessen. Mir war bei der ersten Mitfahrt klar, dass ich gerade das automobile Nonplusultra erlebt hatte.

Ich kannte jetzt mein persönliches Auto-Paradies. Selbst der Porsche 924, den meine Freunde wegen seiner Geschichte gern als Audi Coupe verspotteten, konnte mein Porschebild nicht zerstören. Dabei war es als Fan der Marke nicht immer leicht. Zeitweilig hatte ich sogar Angst um das Unternehmen. Denn finanziell war Porsche nicht immer erfolgreich. Besonders als Ende der 1980er Jahre der Dollar auf Talfahrt ging, schrieb Porsche Verluste. Bis plötzlich Wendelin Wiedeking das Unternehmen ab 1992 in unbekannte Höhen führte. Unter der Leitung von Wiedeking erschloss die Marke Porsche neue Kunden. Bis 2006 baute der Vorstandschef den Absatz auf 97.000 Fahrzeuge aus. Bei seinem Amtsantritt verkaufte Porsche nur rund ein Drittel dieser Menge.

Zum Wachstum gehörten auch neue Modelle. Den Boxster hätte ich mir selbst fast 1999 neu gekauft, entschied mich dann aber für einen Audi. Seit 2002 gehört mit dem Cayenne ein SUV zum Programm der Marke. Schon dieses Angebot war für echte Porsche-Fans ein Sakrileg. Trotzdem verdiente Porsche prächtig. Denn der Ingenieur Wiedeking hatte die Kosten im Griff und realisierte hohe Stückerlöse. Zeitweise verdiente Porsche angeblich fast 22.000 Euro pro Auto. Die Kunden zahlten das, auch weil sie die Alleinstellungsmerkmale der Produkte nachvollziehen konnten.

Doch die hohen Gewinne ließen die Verantwortlichen nach dem Unmöglichen streben. Im Porsche-Vorstand entstand die Idee zum Kauf von Volkswagen. Der verwegene Plan ging nicht auf. Am Ende verlor Porsche seine Unabhängigkeit. Die neuen Herren im Hause Porsche kommen aus Wolfsburg. Gut, irgendwie schloss sich damit auch ein Kreis. Schließlich entstand der Käfer einst im Ingenieurbüro von Ferdinand Porsche. Dessen Sohn Ferry griff, als er mit dem Porsche 356 den ersten echten Porsche baute, auf Teile des Käfers zurück. Doch spätestens mit dem Porsche 911 trat das Unternehmen aus dem Schatten Volkswagens.

Die heutige Konzernzugehörigkeit bietet neue Möglichkeiten, die Marke Porsche ins Verdienen zu bringen. Der Porsche Macan zeigt, wie das geht. Er ist ein Symbol für die neuen Machtverhältnisse. Damit wir uns richtig verstehen, technisch ist der Macan über jeden Zweifel erhaben. Schließlich ist der Porsche Macan ein Ableger des Audi Q5, übernimmt sogar dessen Typzulassung. Badge-Engineering nennen Fachleute das. Wirtschaftlich ist das nachvollziehbar. Schließlich will Volkswagen auch in Zukunft mit Porsche gutes Geld verdienen. Der Macan ist der Versuch, die Marke für noch mehr Kunden zu öffnen. Bis zu 60.000 Exemplare möchte Porsche in Zukunft pro Jahr verkaufen.

Doch die Manager übersehen für meinen Geschmack, dass ein Porsche mit dem Rückgriff auf so viele Konzernteile sein Alleinstellungsmerkmal verliert. Und so ist der Macan die heimliche Beerdigung der Marke Porsche, wie Fans sie einmal kannten. Er ist das Symbol der verlorenen Eigenständigkeit. Da ist es egal, wie gut und überzeugend die Basis ist. Mit dem Macan degradiert Volkswagen die Marke Porsche zu einer beliebigen Konzernmarke. Selbst die Freiheit, dass die Marken Audi und Porsche in Le Mans und der Sportwagen-Weltmeisterschaft gegeneinander kämpfen dürfen, ändert daran nur wenig. Denn mit dem Porsche Macan ist alles, was Kritiker einst dem Porsche 924 vorwarfen, Realität. Für Porsche-Fans ist das eine Enttäuschung!

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Als Kind der 1970er-Jahre hatte Tom das große Vergnügen, in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Das war der optimale Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Denn Tom Schwede moderiert seit 2010 bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland. So ist Tom unter anderem bei den Classic Days (früher Schloß Dyck, heute in Düsseldorf) oder dem 1.000 Kilometer-Rennen am Nürburgring zu hören. Wenn Sie also einen Moderator oder Streckensprecher für Ihre Oldtimer-Rallye oder Ihr Oldtimer-Treffen suchen, dann sind Sie bei Tom definitiv richtig!