Im Winter 1976/1977 wurde Walter Wolf vom Sponsor bei Williams zum Teambesitzer. Dr. Harvey Postlethwaite konstruierte mit dem Wolf WR1 den ersten eigenen Rennwagen des Teams. Mit Jody Scheckter verpflichtete Wolf einen Grand Prix Sieger. Die neue Strategie ging auf. Denn schon beim Debüt in Australien gewann Scheckter mit dem neuen Wolf den Grand Prix.

Es war der Auftakt zu einer – zumindest kurzen – Erfolgsserie. Denn der Südafrikaner, der 1977 als einziger Pilot für das Team Walter Wolf Racing antrat, gewann anschließend auch in Monaco und Kanada. Dazu holte der ehemalige Tyrrell-Pilot noch einige Podestplätze. Am Saisonende war Scheckter hinter Niki Lauda im Ferrari Vize-Weltmeister. Erst 32 Jahre später gelang Brawn GP als „neues Team“ eine ähnliche Erfolgsgeschichte.

Wobei das mit dem neuen Team in beiden Fällen so eine Sache ist. Brawn GP ging aus den Resten des Honda-Werksteams hervor. Die Japaner hatten auf dem Höhepunkt der Finanzkrise die Lust am teuren Spielzeug Formel 1 verloren. Ross Brawn übernahm das Team auf dem Wege des Management-Buy-Outs. Mercedes lieferte Motoren und fuhr dank eines von Honda ausgetüftelten Aerodynamik-Tricks 2009 zum Titel.

Bei Walter Wolf Racing war die Geschichte durchaus ähnlich!

Der gebürtige Österreicher Walter Wolf hatte im Ölgeschäft ein Vermögen gemacht. Mitte der 1970er-Jahre entdeckte der Unternehmer die Glitzerwelt der Formel 1. Wolf übernahm einen Teil des Materials von Hesketh Racing. Lord Alexander Hesketh hatte die Lust an der Formel 1 verloren. Mit einem Verkauf der Fahrzeuge sicherte Hesketh-Teammanager Bubbles Horsley – zumindest vorübergehend – den Fortbestand von Hesketh.

Wolf lies die übernommenen Chassis des Hesketh 308C aus der Saison 1975 bei Giampaolo Dallara überarbeiten. Dallara, vor der Selbständigkeit F1-Konstrukteur bei De Tomaso, stellte Walter Wolf im Oktober 1975 Frank Williams vor. Dessen Team Frank Williams Racing Cars stand nach dem Verlust wichtiger Sponsoren vor dem Aus. Der teilweise exzentrische Walter Wolf übernahm das Team und übertrug die Leitung an Frank Williams.

Podium beim GP der Niederlande 1977
Jody Scheckter (links) wird in den Niederlanden für Wolf Zweiter. (Foto Nationaal Archief, CC3.0)

Dessen Mitarbeiter Patrick Head machte aus dem Hesketh 308C den Williams FW05. Nach wenigen Rennen benannte Wolf das Team von Frank Williams Racing Cars in Walter Wolf Racing um. Der Rennstall trat allerdings weiterhin mit Rennwagen der Marke Williams an. Erfolge feierte das Team nicht. Selbst Jacky Ickx hatte Schwierigkeiten, den FW05 regelmäßig zu qualifizieren und suchte bald das Weite.

Es folgten Piloten wie Arturo Merzario, Michel Leclère, Warwick Brown oder Hans Binder – allesamt nicht gerade Top-Piloten. Walter Wolf sah in Frank Williams den Verantwortlichen für den ausbleibenden sportlichen Erfolg. Wolf und Williams trennten sich. Für 1977 verpflichtete Wolf den ehemaligen Lotus-Teammanager Peter Warr als neuen Geschäftsführer. Harvey Postlethwaite begann mit dem Bau eines eigenen Rennwagens.

Wegen des WR1 gilt heute 1977 als Debütjahr des Teams!

Als Piloten für den Wolf WR1 verpflichtete Walter Wolf Racing mit viel Geld Jody Scheckter. Der Südafrikaner war froh, nach dem ungewöhnlichen Tyrrell P34 wieder in einem normalen Rennwagen zu sitzen. 1977 wurde eine Erfolgsgeschichte. Ein Jahr später kündigte das Team den Kampf um die Weltmeisterschaft an. Doch gegen den Lotus 78 mit Ground Effect war der WR1 chancenlos.

Wolf reagierte und stellte bereits Anfang Juni mit dem Wolf WR5 ebenfalls ein Wing-Car vor. Doch das Einzelstück wies ein problematisches Handling auf. Trotzdem gelang es Scheckter, in Deutschland auf den zweiten Platz zu fahren. Innerhalb weniger Wochen stellte Postlethwaite mit dem WR6 das zweite Wing-Car des Teams auf die Räder. Trotzdem gelang Wolf 1978 kein Sieg.

Walter Wolf und Jody Scheckter in Monza 1978
1978 ist das Team chancenlos. Walter Wolf (2. von Links) und sein Pilot begutachten den WR6 in Monza. (Foto: giussano CC2.0)

Scheckter zog am Ende des Jahres zu Ferrari weiter. Sein ehemaliges Team verpflichtete James Hunt als Ersatz. Doch auch das neue Auto war unzuverlässig und nicht schnell genug. Ex-Weltmeister Hunt warf nach wenigen Rennen das Handtuch und trat vom Motorsport zurück. Nachfolger Keke Rosberg, dem Wolf ein Comeback in der Königsklasse ermöglichte, mühte sich redlich und blieb trotzdem ohne Punkte.

Walter Wolf verlor die Lust am Rennsport und verkaufte das Team an Emerson und Wilson Fittipaldi. Die Brasilianer verlagerten damit ihr Copersucar Team von Brasilien nach England. Wer die ganze Geschichte heute betrachtet, kommt leicht zum Ergebnis, dass der Erfolg ist ersten Rennen eine Legende ist. Ganz neu war das Team Walter Wolf Racing 1977 wohl nicht. Das Debüt war eher ein Neustart mit neuer Leitung, neuem Personal und einem neuen Auto.

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