Mit dem neuen Audi TT RS ist die TT-Familie komplett. Fast zwei Jahre nach dem Debüt der dritten TT-Generation gibt es zur Freude der TT-Fans jetzt endlich wieder einen TT mit Fünfzylinder. Zum Kennenlernen war ich mit dem 400 PS starken Sportcoupé auf der Rennstrecke von Jarama unterwegs.

Für den Test des neuen Audi TT RS hat Audi sich den Circuito Permanente del Jarama im Norden von Madrid ausgesucht. Auf der 3,3 Kilometer langen Rennstrecke fand zwischen 1968 und 1981 neunmal der Große Preis von Spanien statt. Im Club-Haus der Anlage hängen zahlreiche Fotos von den Piloten, die auf der von Hans Hugenholtz entworfenen Strecke siegten. Ich finde Fotos von Graham Hill, Emerson Fittipaldi und den unvergessenen Patrick Depailler und Gilles Villeneuve. Ausnahmekönner deren Namen darauf hindeuten, dass Jarama eine Fahrerstrecke ist. Denn viele der Gewinner saßen bei ihrem Erfolg vor den Toren der spanischen Hauptstadt nicht im besten Auto.

Nach Hockenheim, wo Hugenholtz das Motodrom entwarf, sowie Zolder und Zandvoort ist Jarama meine vierte Begegnung mit einer seiner Strecken. Fehlt nur noch ein Ausflug nach Suzuka, dem Meisterstück des Niederländers, dann ist meine Hugenholtz-Sammlung komplett. Bereits auf der ersten Runde verfalle ich dem Circuito Permanente del Jarama. Denn die Strecke verfügt über 13 teilweise enge Kurven. Typisch für eine Hugenholtz-Strecke sind sie zum Teil leicht überhöht. Das ist Quattro-Land und sorgt auch jetzt, beim Schreiben dieses Fahrberichts, noch für ein breites Grinsen in meinem Gesicht.

Audi TT RS
Lenkrad im Audi TT RS (2016) (Foto: Audi)

Fünfzylinder haben bei Audi eine lange Tradition

Zum Starten des Fünfzylinders im TT RS drücke ich den großen roten Knopf, der direkt am Lenkrad angebracht ist. Der Fünfzylinder ist ein völlig neu konstruiertes Aggregat. Schön, dass sich ein Hersteller das in den Zeiten von Downsizing noch traut und seiner Tradition folgt. Schon 1976 präsentierte Audi im legendären Audi 100 5E seinen ersten Fünfender. Vier Jahre später folgte im Audi 200 5T eine turboaufgeladene Version des 2,1 Liter großen Aggregats. Zunächst war ich entsetzt, als meine Tante ihren Jaguar durch diese „Spießerkarre“ ersetzte. Doch als ich das erste Mal den Klang der Zündfolge 1-2-4-5-3 genoß, änderte ich meine Meinung.

Fünfzylinder im Audi TT RS (2016)
Der Fünfzylinder im Audi TT RS (2016)

Als der Fünfzylinder kurze Zeit später auch den heute legendären Audi Quattro antrieb, teilten bald auch meine Freunde die Ansicht, dass Fünfzylinder eine coole Sache sind. 1983 folgte der Sport Quattro, dem Audi im Serienmodell einen 306 PS starken Vierventil-Fünfzylinder aus Leichtmetall spendierte. Damit war der Sport Quattro bei seiner Vorstellung das bisher stärkste von einem deutschen Autobauer angebotene Serienfahrzeug. Elf Jahre später folgte der Audi RS 2 mit einem 315 PS starken Fünfzylinder, der als kraftvoller Kombinationskraftwagen ein neues Fahrzeugsegment etablierte. 1997 verabschiedete sich Audi vorübergehend vom Fünfzylinder.

Comeback im Audi TT RS

Doch in den Herzen der Fans lebte das Konzept weiter. Weshalb die Begeisterung groß war, als der Fünfzylinder 2009 mit dem ersten Audi TT RS ins Programm zurückkehrte. Dessen mit Turboaufladung und Benzindirekteinspritzung ausgerüstetes Aggregat leistete schon beim Debüt 340 PS. Im TT RS plus von 2012 waren es sogar schon 360 PS. Mit inzwischen 367 PS treibt der „alte“ Motor bis auf Weiteres den Audi RS3 Sportback und Audi RS Q3 an. Zum Start des neuen Audi TT RS (2016) konstruierte Audi jedoch einen vollständig neuen Motor. Der unverändert 2.480 ccm große Fünfzylinder bringt 26 Kilogramm weniger Gewicht auf die Waage als sein Vorgänger. 18 Kilogramm Gewichtsabnahme steuert das neue Kurbelgehäuse aus Aluminium bei. Ein weiteres Kilogramm Gewicht spart die hohlgebohrte Kurbelwelle.

400 PS und 480 Newtonmeter Drehmoment sind aufregend!

400 PS leistet der neue Motor. Die Literleistung liegt damit bei mehr als 161 PS. Das ist eine Zahl, die mich beeindruckt. Genauso wie der Leistungsverlauf. Denn die Spitzenleistung steht zwischen 5.850 und 7.000 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung. Das maximale Drehmoment liegt bei 480 Newtonmetern. Wobei dieser Maximalwert von 1.700 bis 5.850 Umdrehungen pro Minute konstant zur Verfügung steht. In Jarama nutze ich das, um aus den zahlreichen engen Kurven herauszubeschleunigen. Dabei harmonisiert die Kombination von Allradantrieb und den auf der Rennstrecke eingesetzten Testwagen montierten optionalen Sportreifen Pirelli P ZERO CORSA extrem gut.

Rampa Begast im Circuito del Jarama
Unterwegs im Audi TT RS auf dem Circuito Permanente del Jarama – Die Rampa Pegaso hinauf (Foto Audi)

Der Audi TT RS (2016) bringt so seine Kraft jederzeit sicher auf die Straße. Bergauf zwischen dem Vollgasknick Pegaso und der Ascari-Kurve fliegt der TT RS dank seines Drehmoments geradezu die Rampa Pegaso den Hügel hinauf. Fast denke ich, dass ich auf einer ebenen Strecke unterwegs sei. Als ich beim Anbremsen der Pegio-Kurve einmal den Einlenkpunkt verpasse und auf den dreckigen Teil der Piste rutsche, wird es eng. Doch kurz vor dem Erreichen der Streckenbegrenzung kehrt der Grip zurück. Der Sportwagen zieht fast unbeeindruckt durch die Kurve. Die Lenkarbeit geht übrigens auch dank des griffigen Sportlenkrad des neuen Audi TT RS (2016) leicht von der Hand. Die Entwickler haben der sportlichen Sperrspitze der Familie TT das Lenkrad des Supersportlers Audi R8 spendiert.

Kurvengier liegt in der Familie

Wieder zurück auf der idealen Linie strebt das Coupé unverzüglich der nächsten Kurve entgegen. Dort angekommen bleibt der Audi TT RS selbst im Regelbereich des ABS vergleichsweise ruhig. Ich baue Geschwindigkeit ab, lenke ein und ziehe das Sportcoupé um die abfallende Monza-Kurve herum. Am Scheitelpunkt angekommen gebe ich Vollgas und beschleunige auf die Gerade heraus. Das macht jede Menge Spaß. Ich fühle mich sofort zu Hause, denn so ein Fahrverhalten gefällt mir. Frage mich jedoch, wie viel langsamer der von Karla und mir im Frühjahr gefahrene Audi TT Coupé 2.0 TFSI quattro S tronic hier wäre. Denn auch der „kleinere“ TT fiel mit einer großen Leidenschaft für Kurven auf.

Die Teststrecke für den Audi TT RS (2016) ist gut gewählt

In den teilweise engen Kurven des Circuito Permanente del Jarama kann der Audi TT RS eindrucksvoll demonstrieren, wie seine neue quattro-Fahrdynamiksoftware arbeitet. Besonders deutlich wird das in der Le Mans-Kurve der Strecke von Jarama. Die leicht hängende Linkskurve zieht sich zum Ende hin zu. Der Scheitelpunkt liegt vergleichsweise spät im Kurvenverlauf. Am schnellsten ist hier, sich weit heraustragen zulassen. Doch die folgende Farina-Kurve erfordert ein Anfahren auf der linken Seite. Dazwischen liegt nur eine kurze Gerade.

Anfahrt der Pegio-Kurve
Anfahrt der Pegio-Kurve, in der ich einmal den Einlenkpunkt verpasse. Doch die Kombination aus Allrad, Reifen und Technik bringt mich am Ende sicher um die Kurve im Tal. (Foto: Audi)

Glücklicherweise setzt die Fahrdynamiksoftware des neuen TT RS das Heck bewusst ein. Bereits beim Einlenken fließt ein großer Teil der Kraft an die Hinterachse. Das erzeugt ein Eindrehen des Hecks und unterstützt hier beim notwendigen Seitenwechsel. Wer will, der kann das auch für beherzte Drifts nutzen. Damit ist der TT RS deutlich anders ausgelegt als der Audi RS3 Sportback, bei dem Can Struck  bei seinem Test vor einem Jahr genau diese Leichtigkeit am Heck vermisste.

Fazit zum Audi TT RS (2016)

Die fünf Runden, die ich den neuen Audi TT RS (2016) auf dem Circuito Permanente del Jarama testen darf, vergehen wie im Flug. Überall auf der Strecke macht bemerkbar, dass nicht nur der Motor des neuen Audi TT RS Gewicht verlor. Auch beim Fahrwerk, der Kraftübertragung, zu im TT RS ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe gehört, sowie der Karosserie haben die Entwickler einige Kilogramm „gefunden“.

Nach Werksangaben ist das Coupé ohne Fahrer 1.440 Kilogramm schwer. Das liegt 35 Kilogramm unter dem Vorgänger und entspricht einem Leistungswicht von 3,6 Kilo pro PS. Auch damit unterstreicht der neue Audi TT RS den Anspruch, im Reigen der kompakten Sportwagen in Zukunft ein gewichtiges Wort mitzureden. Mein kurzer Tracktest zeigt, dass das funktionieren kann. Denn das Warten auf den Audi TT RS (2016) hat sich gelohnt.

Technische Daten:

Hubraum in ccm3 2.480
Maximale Leistung 400 PS (294 kW) – 5.850 bis 7.000 1/min
Maximales Drehmoment 480 Newtonmetern – 1.700 bis 5.850 1/min
Höchstgeschwindigkeit in km/h 250 (abgeregelt) – auf Wunsch liefert Audi den TT RS mit einer Höchstgeschwindigkeit von 280 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h 3,7 Sekunden
Grundpreis 66.400 Euro

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