Auf den großen Auto-Messen gehören Studien und Konzeptfahrzeuge zum guten Ton. Doch was war eigentlich das erste öffentlich präsentierte Konzeptfahrzeug? Die AutoNatives waren auf Spurensuche und fanden die Antwort.

Designer Harley Earl fuhr den Buick Y-Job im Alltag. (Foto: GM)
Designer Harley Earl fuhr den Buick Y-Job im Alltag. (Foto: GM)

Mit ihren Studien und Konzeptfahrzeugen geben die Autohersteller auf den großen Messen gern einen Ausblick auf die kommenden Entwicklungen. Die Präsentation eines Konzeptfahrzeugs, das nicht (sofort) für die Serie bestimmt ist, ermöglicht den Autobauern einen unmittelbaren Test. Wie reagieren Kunden und Medien auf neue Design- oder Modell-Ideen? Auf den großen Messen beobachten Marktforscher daher die Studien und Konzeptfahrzeuge genau und zeichnen die Reaktionen der Messebesucher auf.

Wer sich beispielsweise auf der IAA in Frankfurt schon mal länger mit einer Studie beschäftigte, der wurde vielleicht sogar gezielt angesprochen. Dieses Feedback ergänzen die Hersteller dann später in der Regel um eine Auswertung in Medien und sozialen Netzwerken.

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Würden Sie sich so ein Auto kaufen?

Missfällt eine Studie oder ein Konzeptfahrzeug, dann war das Ganze halt nur ein Versuchsträger oder gar eine blöde Idee der Marketing-Abteilung. Denn das mit Studien oder Konzeptfahrzeugen Erforschte geht oft über die Frage der Gestaltung hinaus.

Schließlich bietet ein Konzeptfahrzeug dem Hersteller auch die Möglichkeit zu testen, wie die Kunden über ein Auto in einem Segment denken, dass der Hersteller bisher nicht bedient. Als sich ein bayrischer Autobauer vor ein paar Jahren mit der Frage beschäftigte, sein Angebot um einen Mini-Van zu erweitern, lud er gezielt Kunden zu Workshops ein. Dort zeigte der Autobauer eine Konzeptstudie und befragte die Eingeladenen, ob sie sich ein Fahrzeug kaufen würden.

Früher prägten die USA das Auto-Design

Entstanden ist die Idee „Konzeptfahrzeug“ in Amerika. Im wunderbaren Buch „Car Design America – Myths, Brands, People“ zeigt Paolo Tumminelli eindrucksvoll, dass die USA früher der Hotspot der Autoindustrie waren. Die US-Hersteller erkannten früh, wie positiv sich Änderungen am Design der Fahrzeuge auf deren Absatz auswirken. Jahr für Jahr überarbeiteten die US-Autobauer daher ihre Entwürfe, um Kaufanreize zu setzen.

In diesem Wettbewerb der Ideen entstanden 1948 bei Cadillac die ersten Heckflossen. Sie beeinflussten bald weltweit das Automobil-Design. Auch französische, englische, italienische, deutsche, japanische und sogar russische Hersteller ließen ihren Fahrzeugen Heckflossen wachsen. Ähnlich war es 1959 bei der rundum verlaufende Karosseriefalz des Chevrolet Corvair. Diese Gürtellinie galt ebenfalls schnell als stilbildend und stand bei der Gestaltung von Fahrzeugen wie dem NSU Prinz 4, Fiat 1300 und dem sowjetischen Saporoshez Pate.

Als erstes Konzeptfahrzeug der Geschichte gilt der Buick Y-Job Concept!

Harley Earl entwarf und baute den Buick Y-Job Concept bereits 1938/39, um gleich mehrere Stylingdetails auf Gefallen zu testen. Neben pneumatisch betätigten Klappscheinwerfer verfügte der Y-Job Concept über um die Fahrzeugecken herum geführte Stoßfänger und ein vollversenkbares Verdeck. Daneben war die Studie das erste Fahrzeug mit elektrischen Fensterhebern. Bei der Gestaltung des Kühlergrills lies sich Harley Earl vom Silberpfeil Mercedes-Benz W 154 inspirieren. Übrigens eine Anleihe, die sich bis heute an der Front der Fahrzeuge der GM-Tochter Buick wiederfindet.

Um die Publikumsreaktionen täglich erfahren zu können, nutzte der Earl den Y-Job Concept nach der Präsentation als Privatwagen. Offensichtlich stieß das Konzeptfahrzeug dabei auf überwiegend positive Resonanz. Denn beim 1942 vorgestellten Buick Roadmaster nahm der legendäre Designer Earl die Motive des Y-Job Concept auf. Nebenbei orientierten sich auch andere Hersteller an dem Konzeptfahrzeug. Denn die Chrysler-Tochter DeSoto übernahm 1942 die Klappscheinwerfer der Studie. Etwas später kopierte Ford das vollversenkbare Cabrio-Dach des Y-Jobs.

Bis 1951 bewegte Designer Harley Earl den Prototypen Buick Y-Job Concept im Alltag. Später gehörte das Fahrzeug zum Bestand des Henry Ford Museums. 1993 fand das erste Konzeptfahrzeug der Geschichte den Weg zurück zu GM.

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