Am 7. Oktober 1948 – heute vor 65 Jahren – stellte Citroën in Paris mit dem Citroën 2CV einen echten Langläufer vor. Niemand hätte bei der Vorstellung erwartet, dass die Neuvorstellung schließlich mehr als 41 Jahre lang gebaut werden sollte. Denn erst am 27. Juli 1990 sollte die Produktion des von den Fans liebevoll „Ente“ gerufenen Kleinwagens auslaufen.

Was benötigt ein französischer Bauer, um in Stiefeln einen Zentner Kartoffeln, ein Fässchen Wein und einen Korb Eier auf schlechten Wegen zum nächsten Markt zu transportieren? 1934 stellte Citroën-Direktor Pierre-Jules Boulanger diese Frage seinem Konstrukteur André Lefèbvre. Lefèbvre, der kurz zuvor mit dem Citroën Traction Avant („Traction avant“ = Frontantrieb) das so genannte „Gangsterauto“ entwickelte hatte, schuf die automobile Antwort auf die Frage.

Toute Petite Voiture
Der Prototyp des Citroën 2CV, das Toute Petite Voiture, zu deutsch ganz kleines Auto, wurde 250 mal gebaut. (Foto: Citroën)

Sein „Toute Petite Voiture“, zu deutsch ganz kleines Auto, stellte konsequent den Nutzwert in den Mittelpunkt. Die 250 Prototypen des TPV, die 1939 entstanden, besaßen nur einen Frontscheinwerfer und ein Rücklicht. Auch auf einen Anlasser verzichtete Lefèbvre. Sein Chef, Citroën-Direktor Pierre-Jules Boulanger hatte klare Vorstellungen von der Zielgruppe:

„Das Auto ist für Bauern gedacht, und die sind alle verheiratet und haben eine Frau, die die Kurbel betätigen kann.“

Als Antrieb wählte Lefèbvre einen wassergekühlten Zwei-Zylinder-Boxermotor, der die Vorderräder antrieb. Während des Zweiten Weltkriegs geriet das Projekt in Vergessenheit. Die meisten Prototypen des TPV vernichteten die Entwickler aus Angst vor den Deutschen. Nur fünf Exemplare sind – nach heutigem Stand – erhalten geblieben.

Aus dem TPV wird der Citroën 2CV

Trotzdem stand der TPV nach dem Zweiten Weltkrieg bei Citroën Pate, um endlich einen Kleinwagen für französische Bauern auf den Markt zu bringen. Dabei half, dass Citroën-Designer Flaminio Bertoni, der später auch den DS gestaltete, bereits 1939 ungefragt mit Entwürfen für ein gefälligeres Aussehen TPV begonnen hatte. Chefkonstrukteur André Lefèbvre ersetzte den Motor durch einen luftgekühlten Boxermotor.

Trotzdem blieb die Ente ein einfaches Auto, das am 7. Oktober 1948 auf dem Autosalon von Paris als Citroën 2CV der Öffentlichkeit präsentiert wurde. In den schwierigen Nachkriegsjahren, als Rohstoffe in Frankreich knapp waren, belieferte Citroën nach dem Start der Serienproduktion 1949 zunächst bevorzugt Bauern und Gewerbetreibende. Erst mit der Erholung der Wirtschaft nahm auch die Produktion des Citroën 2CV Fahrt auf.

Citroën 2CV, 1959
In den 1950er-Jahren wurde der Citroën 2CV der Volkswagen der Franzosen. (Foto: Citroën)

In den nächsten Jahren wir die Ente sanft weiterentwickelt. Bald gibt es auch einen zweiten Scheinwerfer und ein zweites Rücklicht. 1951 gibt es sogar ein Zündschloss und eine abschließbare Fahrertür. 1954 folgt eine Tachobeleuchtung, ein Jahr später weichen die Winker elektrischen Blinkern. Ab 1957 ist sogar eine Heizung verfügbar und an die Stelle einer Stoffplane tritt eine richtige Heckklappe. Und irgendwann gab es sogar einen Anlasser.

Besonders in Deutschland halfen der günstige Verkaufspreis und die vergleichsweise günstigen Anschaffungskosten bei der Erschließung einer anderen Zielgruppe. Denn mit der Anschaffung der Ente konnte sich der Automobilist dem Einheitsbrei von Käfer und Kadett entziehen. Das Fahren einer Ente wurde besonders bei Studenten zum Ausdruck einer nonkonformistischen Lebenshaltung. Der blieben Entenfahrer – zum Leidwesen ihrer heute Autobloggenden Kinder – oft sogar treu, wenn sie zu Bankdirektoren „mutiert“ waren.

Anfang der 1980er-Jahre wurde der Verkauf der Ente schwierig.

Citroën reagierte mit Sondermodellen, die die Laufzeit des 2CV verlängerten. Ob „Charleston“, „Dolly“ oder „I fly bleifrei“, der Trick funktionierte. Trotzdem konnten auch die Sondermodelle das Ende nicht verhindern. Während Citroën in den 1960er-Jahren jährlich bis zu 160.000 Enten verkaufen konnte, waren es Ende der 1980er-Jahre nur noch weniger als 20.000 Stück.

Citroën 2CV Charleston
In den 1980er-Jahren versuchte Citroën das Interesse mit Sondermodellen wie de, „Citroën 2CV Charleston“ am Leben zu halten. (Foto: Citroën)

Besonders auf dem Heimatmarkt in Frankreich war der 2CV fast unverkäuflich. Gleichzeitig stellten neue Abgasvorschriften und Crashtests die 40 Jahre alte Konstruktion vor große Herausforderungen. 1988 endete die Produktion im Citroën-Werk Levallois in Norden von Paris. Zwei Jahre später stellte Citroën auch in Portugal die Produktion der Ente ein.

Ähnlich wie der legendäre britische Mini, der seinen Nachfolger Metro überlebte, wurde auch die Ente länger als ihre Nachfolger Dyane, Citroën LN und Visa gebaut. Insgesamt entstehen rund 5.114.966 Exemplare des 2CV. Besonders die begehrt sind die 694 gebauten Exemplare des 2 CV 4×4 Sahara. Bei diesem 2CV „bimoteur“ gibt es eine zusätzliche Motor-Getriebe-Einheit im Heck, die umgekehrt montiert ist und die Hinterräder antreibt.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Citroën 2CV

Der Citroën 2CV, in Deutschland meist als Ente bezeichnet, wurde besonders in den 1960er und 1970er Jahren oft zum Ausdruck nonkonformistischen Lebensformen. (Foto: Citroën)

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

4 Comments

  1. Cooler Spruch, ich spare mir wegen meiner Frau das elektrische Garagentor. Das kann die doch auch öffnen, hat ja sonst nur wenig zu tun, die Gute.

  2. Dietrich Reckers Reply

    Hallo,

    eine schöne Kurzfassung der Entenhistorie, mit einigen kleinen Fehlern.
    Der 2CV wurde ursprünglich sofort mit 2 Scheinwerfern ausgeliefert. Nach 1952 kam dann der Fahrtrichtungsanzeiger in England als Winker, in restlichen Ländern schon mit Blinker an der C-Säule. Eine Heizung hatte die Ente auch früher, ab 1957 wurde die warme Luft zusätzlich auch zur Frontscheibe geleitet. Grüße D. Reckers

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