Chris Amon galt als der personifizierte Pechvogel des Motorsports. Mario Andretti sagte über Amon einmal: „Wenn Chris Bestatter geworden wäre, würden die Leute aufhören zu sterben.“ 1974 wagte der Neuseeländer das Abenteuer, als Teamchef mit dem eigenen Auto, dem Amon F101, in der Formel 1 zu starten.

Bis heute halten Beobachter den Neuseeländer für einen der besten Rennfahrer, die nie einen Grand Prix gewinnen konnten. Amon war Werksfahrer bei Ferrari und Matra. Durchaus veritable Teams zu dieser Zeit. Doch als die Erfolge ausblieben, folgte 1973 der Abstieg zu Techno. Als sich das Team zum Ende der Europasaison vorzeitig aus der Königsklasse verabschiedete, sprang Amon für zwei Rennen in einen dritten Tyrrell. Gleichzeitig reifte der Entschluss, sich selbst als Rennstallbesitzer zu versuchen.

Wie schon Jack Brabham, Bruce McLaren und John Surtees wollte auch Chris Amon in einem Fahrzeug sitzen, das seinen Namen trug. Später wagten auch Emerson Fittipaldi und Arturo Merzario diesen Schritt. Mit einem Startkapital von 100.000 britischen Pfund gründete Amon im November 1973 die Firma Chris Amon Racing. Zunächst plante der Teamchef den Aufbau eines Autos für die Formel 5000. Dahinter stand die Idee, mit dem Verkauf einiger Chassis für diese Serie, Geld für einen Start in der Formel 1 zu verdienen.

Ein ehrgeiziges Projekt, denn der Markt der Formel 5000 wurde von großen Rennwagenbauern wie Lola, March und Chevron dominiert. Zudem boten auch Surtees und McLaren von ihren Formel-1-Fahrzeugen abgeleitete Fahrzeuge für die Formel 5000 an. Amon erkannte, dass die Idee die Möglichkeiten seines jungen Unternehmens übersteigen würde. So konzentrierte sich das Team schnell auf die Formel 1. Gordon Fowell, den Amon bei Techno kennenlernte, entwarf das passende Auto. T.C. PROTOTYPES LIMITED, die Werkstatt von John Thompson, in der später spezielle Chassis für die Gruppe C entstehen sollten, übernahm den Aufbau. Chris Amon Racing sollte sich auf den Einsatz beschränken.

So eine Arbeitsteilung ist in der Formel 1 bis heute durchaus üblich. Und in den 1970er-Jahren machten der Quasistandard, bestehend aus einem Ford-Cosworth DFV und einem Getriebe von Hewland, die Sache – zumindest gedanklich – noch etwas einfacher. Gordon Fowell entwarf ein Monocoque aus Aluminium. Offensichtlich spielte die Idee „Formel 5000“ bei den Planungen noch eine Rolle. Denn der Wagen fiel – im Vergleich zu seinen Wettbewerbern – sehr massiv aus.

Eine echte Innovation war die Lage des Fahrzeugstanks. Fowell positionierte ihn als erster Designer zwischen dem Fahrer und dem Motor, um den Schwerpunkt abzusenken. Zuvor verfügten die Rennwagen oft über eine Batterie von Tanks, die rund um den Fahrer positioniert waren. Das Konzept wurde schnell von anderen Teams kopiert. Weniger erfolgreich war die Idee eines doppelten Frontflügels. Das Team verwarf diese Idee bereits nach den ersten Testfahrten. Der Frontflügel blieb jedoch, bis zum Ende des Teams, eine Achillesverse. Denn die Struktur des Wagen war für den doppelten Flügel ausgelegt.

Doch der Amon F101 hatte mehr Schwachstellen. Der Rennwagen litt unter Vibrationen. Schon beim ersten Test in Goodwood verlor Amon ein Rad. Später wiederholte sich dieses Malheur mehrmals. Zudem fehlte dem Team die Zeit. Zum Saisonauftakt im Januar war der F101 nicht einsatzbereit. Erst im April tauchte Amon mit seinem Rennwagen bei Rennen auf. Bei einem nicht zur WM zählenden Rennen in Silverstone verzichtete der Neuseeländer jedoch nach der Qualifikation auf den Start.

Beim Großen Preis von Spanien nahm der Amon F101 dann tatsächlich an einem Rennen teil, um nach 22 Runden mit einem Defekt auszufallen. Offiziell wird heute ein Bremsdefekt angegeben. Augenzeugen sprachen damals davon, dass der F101 ein Rad verloren habe. Beim Rennen in Monaco schaffte Amon die Qualifikation und verzichtete jedoch auf einen Start. Amon hielt die Probleme mit dem Verlust der Räder nicht für ausreichend gelöst.

Bei den Rennen in Deutschland und Italien verpassten Amon und Larry Perkins, der nach einer Erkrankung des Teamchefs das Cockpit am Nürburgring übernahm, den Sprung ins Starterfeld. Anschließend war das Startkapital aufgebraucht und die Geschichte des Teams endete nach weniger als einem Jahr. Rückblickend sagte Chris Amon später „Mein Auto war der einzige Rennwagen, der nie einen Cent Start- oder Preisgeld eingefahren hat.“. Heute taucht der restaurierte Amon F101 gelegentlich bei historischen Formel-1-Rennen auf.


AutoNatives.de ist auch bei Facebook. Wir freuen und über ein Like.


Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Der Amon F101 von 1974 am Nürburgring.

Der Amon F101 von 1974 am Nürburgring.

Ähnliche Arikel:

Author

Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

Write A Comment