Das Motorenwerk im nordwestfranzösischen Douvrin entstand 1969 unter dem Namen Française de Mécanique als Joint Venture zwischen Peugeot und Renault. Beide trugen die Bau- und Gründungskosten zu 50 Prozent und hielten anschließend auch jeweils die Hälfte der Geschäftsanteile an der Betreibergesellschaft des Werks. Ziel war es, mit dem Joint Venture Entwicklungs- und Fertigungskosten zu teilen, um moderne und leistungsfähige Motoren für die Modellpalette beider Konzerne in Großserie zu produzieren.
Douvrin war die Heimat des PRV-V6
Zum Start lief in Douvrin der Renault Cléon-Alu vom Band. Doch seinen wohl größten Bekanntheitsgrad erreichte das Werk gleich zu Beginn mit dem PRV-V6-Motor. Denn 1971 entstand parallel zum Werk ebenfalls in Douvrin die Projektgesellschaft „Société Franco-Suédoise de Moteurs PRV“. An ihr beteiligte sich neben Peugeot und Renault auch Volvo mit einem Drittel. Sie beauftragte die Française de Mécanique mit der Fertigung ihres Motors.
Ursprünglich als V8 für die Idee französischer Oberklasse-Limousinen wie dem Projekt H konzipiert, zwang die Ölkrise Anfang der 1970er-Jahre die Ingenieure zu einer grundlegenden Überarbeitung. So entstand ein V6 mit einem ungewöhnlichen Bankwinkel von 90 Grad. Der PRV-Motor wurde von 1974 bis Ende der 1990er-Jahre in unterschiedlichsten Konfigurationen gefertigt. Der PRV kam zunächst in zahlreichen Modellen von Peugeot, Renault und Volvo zum Einsatz.
Internationale Bekanntheit erlangte der PRV auch durch den DeLorean DMC-12, der mit der Filmreihe „Zurück in die Zukunft“ Kultstatus erreichte. Losgelöst davon erhielt der PRV während seiner Bauzeit zahlreiche technische Überarbeitungen. Die anfänglichen Vergaser wichen modernen Einspritzanlagen, später folgten Vierventil-Zylinderköpfe und sogar Turbovarianten, die in Le Mans Rekorde jagen sollten, sowie eine DTM-Version.
Mehr als nur der PRV
Auch nach dem Ende der PRV-Produktion lief in Douvrin die Produktion weiter. Insgesamt entstanden dort mehr als 40 Millionen Motoren. Auf den PRV folgten zahlreiche Benzin- und Dieselmotoren für PSA und Renault, die das Werk bis 2013 gemeinsam betrieben. Allerdings verlagerte sich mit der Jahrtausendwende die Auslastung zunehmend in Richtung der PSA-Marken Peugeot und Citroën.
So kam es 2013, nach 44 Jahren, zur Trennung. PSA kaufte Renault dessen 50-Prozent-Anteil an der Française de Mécanique ab und übernahm das Werk in Douvrin damit vollständig. Im Gegenzug übernahm Renault gleichzeitig das gemeinsame Getriebewerk Société de Transmissions Automatiques (STA) im nahegelegenen Ruitz komplett. In den vergangenen Jahren stand Douvrin vor allem für die PureTech-Dreizylinder, die Stellantis vor allem in Modellen von Peugeot, Citroën, DS Automobiles und Opel nutzt.
Die Produktion dieser Motoren endet nun ebenfalls. Stellantis richtet seine Antriebsstrategie neu aus und konzentriert sich künftig auf andere Motorenfamilien sowie elektrifizierte Antriebe. Parallel dazu entstand am Standort bereits vor gut 20 Jahren eine Batteriefertigung, sodass Douvrin auch künftig Teil der französischen Automobilindustrie bleibt, wenn auch mit einer völlig anderen Aufgabe.
Diese Motoren entstanden im Motorenwerk in Douvrin bei der Française de Mécanique:
In den mehr als 55 Jahren seines Bestehens entsprangen den Fertigungshallen in Douvrin diverse wegweisende Motorengenerationen:
- Renault Cléon-Alu / A-Motor (1969–1984): Der 1965 bei Renault vorgestellt Motor aus Vollaluminium mit nassen Laufbuchsen, der u. a. im Renault 16, 12 Gordini, Fuego Turbo sowie in der Alpine A110 verbaut wurde, war das erste Produkt, das die Française de Mécanique fertigte.
- PRV-V6 (1974–1998): Der legendäre Sechszylinder von Peugeot, Renault und Volvo, der auch bei DeLorean, Alpine und Venturi zum Einsatz kam.
- X-Motor (1972–1988): Der sogenannte „Flachmotor“, der schräg eingebaut wurde und im Peugeot 104, Citroën Visa und Renault 14 zum Einsatz kam.
- Douvrin-Motor / J-Block (1977–1996): Ein robuster Vierzylinder-Benziner und -Diesel, entwickelt von PSA und Renault, der u. a. im Renault 18, 20, 25, Espace sowie im Citroën CX verbaut wurde.
- Renault F-Motorenfamilie (1982–2010er): Modulare Benzin- und Diesel-Familie mit Graugussblock, bekannt als Kraftquelle im Clio Williams (F7R) sowie als weit verbreiteter 1.9 dCi (F9Q) im Mégane, Scénic und Volvo S40/V40.
- ES9 / L7X-V6 (1997–2010): Moderner 24-Ventil-Sechszylinder als Nachfolger des PRV, gemeinsam von PSA und Renault entwickelt. Er kam unter anderem im Peugeot 406 Coupé, Peugeot 607, Citroën C5 und C6, Renault Laguna, Safrane, Vel Satis, Espace sowie im Clio V6 zum Einsatz.
- TU- / TUD-Motoren: Kleinere Vierzylinder-Benzin- und Dieselmotoren der PSA-Gruppe für Dauerläufer wie den Peugeot 205, 106, 206 oder Citroën AX und Saxo.
- Prince- / EP-Motoren: In Kooperation zwischen PSA und der BMW Group entwickelte 1,6-Liter-Turbo-Vierzylinder, die unter anderem in Mini-Modellen, der BMW 1er-Reihe sowie verschiedenen Peugeot- und Citroën-Sportmodellen liefen.
- DV- bzw. DW-Dieselmotoren: Effiziente 1,4- und 1,6-Liter-HDi-Motoren (später BlueHDi), die in in Kooperation mit Ford entstanden und millionenfach in Kompaktwagen verbaut wurden.
- PureTech (EB-Familie): Die dreizylindrigen 1,2-Liter-Turbobenziner, die bis zuletzt die moderne Ära des Standorts prägten.
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