Als Moderator an der Rundstrecke des Grand Meeting bin ich sicherlich befangen. Schließlich verbringe ich das ganze Wochenende von morgens um 9 bis 18 Uhr in der „Dackelhütte“, wie wir Sprecher unsere kleine Sprecherkabine liebevoll nennen. Der Vorteil: Ich darf stundenlang über historische Automobile reden und bin ihnen dabei so nah, dass ich ihnen beim Vorbeifahren fast liebevoll aufs Dach tätscheln könnte – sofern sie eines haben. Der Nachteil: Vom übrigen Veranstaltungsgelände bekomme ich kaum etwas mit.
Denn das weitläufige Areal auf dem Rittergut Birkhof, das im Alltag eine Golfanlage ist, lässt sich zwischen den Moderationen kaum erkunden. Nur morgens auf dem Weg zur Strecke und abends beim Verlassen des Geländes erhasche ich einen kurzen Eindruck von dem, was das Grand Meeting abseits des Rundkurses noch zu bieten hat. Deshalb beschränkt sich mein persönlicher Rückblick auf die Fahrzeuge, die tatsächlich den Rundkurs unter die Räder genommen haben.
Auto Union Typ 52 – Wie ein Traum nach neun Jahrzehnten Wirklichkeit wurde
Mein erstes Highlight war der Auto Union Typ 52. Der legendäre Schnellsportwagen blieb fast neun Jahrzehnte lang ein Traum auf dem Reißbrett. Dann ließ die Audi Tradition den Entwurf nach historischen Plänen als fahrfähiges Einzelstück entstehen. Das Fahrzeug verbindet die Technik der legendären Silberpfeile mit einer eleganten Karosserie für drei Personen und zeigt eindrucksvoll, welche Visionen die Ingenieure der Auto Union bereits in den 1930er-Jahren hatten.

Ihn nicht nur im Stand, sondern tatsächlich fahrend zu erleben, war etwas ganz Besonderes. Zumal der Auftritt des Typ 52 beim Grand Meeting seit der Vorstellung 2024 in Goodwood erst der zweite fahrende Auftritt überhaupt war. Nach der viel umjubelten Weltpremiere vor zwei Jahren zeigte die Audi Tradition dieses Schmuckstück zunächst „nur“ statisch. Beim Grand Meeting wich die Audi Tradition von dieser Linie ab und zeigte, warum ein Auto ein Fahrzeug und kein Stehzeug ist.
Der Alamagny von 1948: Das wohl ungewöhnlichste Auto des Wochenendes
Fast genauso viel Aufmerksamkeit zog der Alamagny von 1948 auf sich. Wer ihn zum ersten Mal sieht, muss unwillkürlich zweimal hinschauen. Vorder- und Hinterwagen wirken nahezu identisch. Man fragt sich unweigerlich, in welche Richtung das Auto eigentlich fährt. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die ungewöhnliche Anordnung der vier Räder: Es gibt in der Mitte eine Achse mit zwei außen stehenden Rädern. Dazu gibt es – je nach Betrachtung – jeweils ein gelenktes und alleinstehendes Vorder- und Hinterrad.

Das verleiht dem Wagen eine eigenwillige Silhouette. Der Alamagny entstand, als Konstrukteure nach dem Zweiten Weltkrieg viele technische Wege neu dachten. Materialknappheit, Improvisation und Erfindergeist führten zu Fahrzeugen, die sich bewusst von den bekannten Konventionen lösten. Der Alamagny gehört zweifellos zu diesen automobilen Exoten. Er wirkt gleichzeitig skurril und faszinierend. Genau deshalb bildete sich an der Strecke immer wieder eine Menschentraube, sobald er seine Runden drehte.
Jaguar XJ220: Supersportwagen der 1990er
Mein drittes Highlight war der Jaguar XJ220. Er ist eine Zeitmaschine zurück in die frühen 1990er-Jahre. Damals war der XJ220 der Traumwagen einer ganzen Generation. Er schmückte Kinderzimmerwände als Poster, war Titelheld unzähliger Autozeitschriften und galt mit seiner Höchstgeschwindigkeit von über 340 km/h als schnellstes Serienauto der Welt. Damit war der Sportwagen, den Jaguar in Zusammenarbeit mit TWR, dem legendären Rennteam von Tom Walkinshaw, auf die Straße brachte, auf dem direkten Weg in den Sportwagenzenith.

Doch dass Jaguar den ursprünglich angekündigten V12 durch einen aufgeladenen V6 ersetzte, sorgte für Diskussionen und kratzte von Anfang an am Mythos. Darüber ging fast unter, welche Faszination der XJ220 versprüht. Noch heute besitzt der XJ220 eine unglaubliche Präsenz. Seine flache Karosserie wirkt selbst neben modernen Supersportwagen spektakulär, und wenn der Biturbo-V6 auf dem Rundkurs beschleunigt, klingt das immer noch nach einer Zeit, in der Supersportwagen keine Fahrmodi und riesigen Displays brauchten, um Eindruck zu hinterlassen.
Das Grand Meeting war großartig
Denn es sind genau solche Fahrzeuge, die Veranstaltungen so besonders machen. Sie erzählen Geschichten, die kaum jemand kennt, und erinnern daran, dass Automobilgeschichte weit mehr ist als Ferrari, Porsche oder Mercedes-Benz. Einen Supersportwagen wie den Jaguar XJ220 nicht in einem Museum oder auf einem Concours d'Elegance zu sehen, sondern in Bewegung zu erleben, ist Oldtimer-Faszination pur. Ich weiß, natürlich hatte das Grand Meeting weit mehr zu bieten als diese drei Fahrzeuge.
Doch da mein Platz den größten Teil des Tages in der „Dackelhütte“ war, sind genau diese Begegnungen die Eindrücke, die mir von einem erneut gelungenen Wochenende auf dem Rittergut Birkhof besonders in Erinnerung bleiben. Aber zum Glück war mit Fabian ein weiterer AutoNative auf dem Gelände unterwegs. Während ich in der „Dackelhütte“ saß, zog Fabian mit der Kamera über das Veranstaltungsgelände und fing Eindrücke ein, die mir verborgen blieben. Eine Auswahl seiner Bilder haben wir deshalb diesem Artikel als Galerie beigefügt.
Fotos: Fabian P. Wiedl
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