Grundsätzlich bin ich ein großer Freund von Wettbewerb. Besonders dann, wenn der Wettbewerb dazu führt, dass alle Beteiligten am Ende ein höheres Niveau erreichen. Als ich im vergangenen Sommer davon hörte, dass der Hamburg-Köln-Express auf der Strecke von Köln nach Hamburg pendeln würde, nahm ich mir vor, bei der nächsten Gelegenheit einmal mit dieser Bahn zu fahren, um mir selbst einen Eindruck von diesem Bahn-Konkurrenten zu verschaffen. Denn gerade unsere träge Deutsche Bahn kann in meinen Augen ein bisschen Wettbewerb gebrauchen.

Über HKX hatte ich zuvor in dem einen oder anderen Blog bereits ein paar fremde Erfahrungen gelesen. Doch mit der Fahrt zur „Bremen Classic Motorshow“ ergab sich am vergangenen Freitag endlich eine Gelegenheit für einen eigenen Erfahrungsbericht. Schon bei der Buchung, Tickets können vorab nur im Internet oder telefonisch erworben werden, stelle ich fest, dass der Hamburg-Köln-Express nicht in Bremen hält. Aus Zeitgründen umfährt man die Hansestadt auf einer Güterstrecke. Den dabei ursprünglich geplanten Halt in Sagehorn, wo dann ein Anschluss mit der metronom Eisenbahngesellschaft zum Bremer Hauptbahnhof bestehen würde, konnte das Bahnunternehmen HKX bisher nicht realisieren.

Wer also wie ich nach Bremen will, der muss in Osnabrück umsteigen, um die Reise mit der Bahn fortzusetzen. Trotzdem kann sich das Umsteigen aus Kostengründen lohnen. Denn mit jeweils 13€ für die Strecke Gelsenkirchen-Osnabrück und 22€ für das einen Tag lang – und damit für Hin- und Rückfahrt – gültige Niedersachsenticket kommt man für 48 € vom Ruhrgebiet in die Hansestadt und zurück.

Ungewöhnlich ist, dass der Hamburg-Köln-Express keinen Rabatt gewährt, wenn man beide Fahrstrecken zusammen bucht. Mit der Aufteilung der Strecke kann man im Vergleich zu der Bahn, die für eine Direktverbindung hin und zurück ohne Bahncard in Normalpreis 112 € verlangt, deutlich sparen, muss aber auch etwas mehr Zeit kalkulieren. Ein Ärgernis beim Buchen ist in meinen Augen, dass die Deutsche Bahn eine Vertriebskooperation verweigern darf und der Kunde sich deshalb mit unterschiedlichen Buchungssystemen rumschlagen muss.

You get what you pay for?

Nein, denn das eigentliche Reiseerlebnis unterschied sich nicht besonders von der Bahn. Auf der Hinfahrt fehlte einer der eingeplanten Waggons. Ich hatte meine Tickets zwei Tage vor der Reise erworben und dabei einen Platz in Waggon drei zugewiesen bekommen. Ausgerechnet an diesem Freitagmorgen fehlte nun dieser Waggon. Der Zug, der so nur aus zwei Waggons bestand, wirkte dadurch sehr voll; doch da das Personal recht souverän mit dem Missstand umging und den Kunden neue Plätze zuwies, gab es in meinen Augen eigentlich keine Probleme.

Da habe ich in deutlich längeren Zügen der Bahn schon ein deutlich größeres Chaos erlebt, wenn ein Waggon fehlt. Und anders als mein Folgezug der Bahn, der auf der Strecke von Osnabrück nach Bremen rund 10 Minuten für mein Verspätungskonto einfuhr, erreichte der Hamburg-Köln-Express mein Ziel in Osnabrück absolut pünktlich. Insofern kann ich hier an der Leistung von HKX nichts aussetzen. Im Gegenteil im Umgang mit den Kunden erwies sich das Unternehmen als sehr souverän; das Personal konnte dank der Tablet-Rechner jederzeit Auskunft zu freien Plätzen geben und – so war mein Eindruck – zugewiesene Plätze sofort als belegt verbuchen.

Die Rückreise lief nicht so flüssig, denn als ich mit dem Regionalexpress aus Bremen in Osnabrück eintraf, hatte ich – dank einer erneuten Verspätung der Bahn – deutlich weniger Zeit als geplant, um den Bahnsteig zu wechseln. Auf dem richtigen Bahnsteig angekommen, wies das Bahnhofsmanagement der Bahn mehrfach auf einen verspäteten Zug der Bahn hin.

Eigentlich hätte dieser Fernzug bereits um 18:37 Uhr abfahren sollen, nun wurde er erst gegen 19:00 Uhr erwartet. Eine Information zu meinem Zug, der um 18:44 Uhr Osnabrück verlassen sollte, unterblieb. Statt einer Ankündigung des Hamburg-Köln-Express zeigte man weiter eine Information zum verspäteten Zug an, um dann gegen 18:45 die Anzeige kommentarlos durch einen Hinweis zu einem ICE, der um 18:54 abfahren sollte, auszutauschen.

Ratlosigkeit machte sich breit

Der Weg zum Infoschalter in der Bahnhofshalle erschien mir bei dieser Informationslage als zu riskant, ich wollte den gebuchten Zug ja nicht verpassen. Also versuchte ich es mit einem Anruf bei der Telefonhotline, die HKX auf dem Ticket nennt. Doch alle Anrufversuche wurden immer sofort abgeworfen – ohne jeden Hinweis („Alle Plätze sind belegt“) finde ich das nicht sehr kundenfreundlich.

Die Unsicherheit stieg, auch bei den anderen Fahrgästen, die auf den Hamburg-Köln-Express warteten. Zumal der ICE der Bahn, der um 18:54 planmäßig abfuhr, dieselbe Strecke wie der Hamburg-Köln-Express nutzt. Auch dieser Zug hätte mich nach Gelsenkirchen gebracht. Doch wer dort verzweifelt einsteigt, weil die Informationslage dürftig ist und er einfach nur nach Hause will, benötigt ein neues Ticket der Bahn und hat, wenn der Hamburg-Köln-Express doch verkehrt, keinen Erstattungsanspruch gegenüber HKX.

Ich entschied mich, zu warten. Und tatsächlich, nach dem auch der zuvor verspätete Zug abgefahren war, kam die Auflösung:

Wie bereits angekündigt, der Hamburg-Köln-Express verkehrt heute mit 30 Minuten Verspätung!

Wo immer die Deutsche Bahn das angekündigt haben will, auf dem Bahnsteig, wo üblicherweise die Fahrgäste auf einen Zug warten, jedenfalls nicht.

Natürlich hat die Bahn kein Interesse daran, die Konkurrenz zu unterstützen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass für die Bahn als marktbeherrschendes Unternehmen nicht mit den üblichen Maßstäben beurteilt werden darf. Daher ist so ist eine Desinformation der Kunden, die an einem Bahnsteig auf einen Zug warten, einfach eine Frechheit. Aber, das habe ich auf der Fahrt gelernt, das kann die Bahn noch viel besser.

An der Fahrt mit dem Hamburg-Köln-Express selbst hatte ich nicht auszusetzen. Anders als am Morgen war der Zug diesmal vollständig. Die eingesetzten Fahrzeuge waren trotzdem gut gefüllt, ohne Enge aufkommen zu lassen. Während der Zug morgens aus einem alten Rheingold-Waggon mit Abteilen und einem doppelstöckigen Großraumwagen der Nord-Ostsee-Bahn bestand, was etwas zusammengewürfelt wirkte, kam nun angesichts des Zugmaterials tatsächlich ein gewisses Fernbahngefühl auf.

Einen hatte die Bahn noch!

Denn in Münster angekommen, versuchte ich auf dem Infosystem am Bahnsteig eine Information zur aktuellen Verspätung abzulesen, um Karla informieren zu können. Dabei sah ich, dass dort nicht der Hamburg-Köln-Express, sondern einen Zug der Bahn – IMHO war es ICE 1529 nach Köln Hbf – angezeigt wurde, der wohl ebenfalls in Kürze von diesem Bahnsteig abfahren sollte.

Tatsächlich stiegen Fahrgäste, die mit dem angezeigten Zug fahren wollten, in den Hamburg-Köln-Express ein. Im Hamburg-Köln-Express freute sich über diese zusätzlichen Fahrgäste; betonte aber bei der Lautsprecherdurchsage, dass die Fahrscheine der Bahn in diesem Zug leider keine Gültigkeit besitzen würden. Daher sollten sich die Fahrgäste bitte beim Servicepersonal melden, um gültige Fahrscheine zu erwerben.

Aber soll man HKX das wirklich vorwerfen?

Informationen zu den genutzten Zügen:
01.02.2013 08:05 Uhr Gelsenkirchen Hbf -> Osnabrück Hbf 09:12 Uhr
01.02.2013 09:38 Uhr Osnabrück Hbf -> Bremen Hbf 10:50 Uhr
01.02.2013 18:44 Uhr Osnabrück Hbf Gelsenkirchen Hbf 19:49 Uhr
01.02.2013 17:06 Uhr Bremen Hbf -> Osnabrück Hbf 18:20 Uhr

Alle Tickets wurden von mir selbst bezahlt und nicht von den Verkehrsunternehmen gestellt.


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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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