Der Eagle Mk 1 rannte lange vor meiner Zeit. Trotzdem zählt er zu den Rennwagen, die für mich eine gewisse Bedeutung haben. Schuld daran war die Computersimulation Grand Prix Legends. Denn das legendäre Rennspiel der 1990er-Jahre spielte in der Formel-1-Saison 1967, und dort fuhr ich am liebsten den Eagle. Denn mit dem nervösen Lotus 49 kam ich nicht klar. Der Eagle lag deutlich ruhiger. Dazu kam, dass der Lotus in der Realität erst im Juni sein Debüt feierte, man ihn im Spiel aber schon im Januar fahren konnte. Nerd, der ich damals schon war, störte mich das.
Dan Gurneys Traum vom amerikanischen Grand-Prix-Sieger
Doch zurück in die Gegenwart: Der jetzt angebotene Eagle Mk 1, der damals auch Eagle T1G hieß, mit der Fahrgestellnummer 103 war 1967 das dritte von lediglich vier Formel-1-Eagle, die bei Dan Gurneys Rennstall All American Racers (AAR) entstanden. Und während Dan Gurney den ersten Eagle 1966, den Eagle T1F, noch mit einem 2,75 Liter großen Vierzylinder von Climax ausrüstete, bekamen die drei 1967 gebauten Exemplare (T1G) den heute legendären, 2.997 cm³ großen Gurney-Weslake-V12. Der Vierventil-DOHC-Motor leistete rund 390 PS bei 10.500 Umdrehungen pro Minute.
Bis heute gilt der Eagle nicht nur als einer der bedeutendsten amerikanischen Rennwagen überhaupt, sondern auch als das einzige in den USA entwickelte Formel-1-Auto, das jemals einen Grand Prix gewann. Die Geschichte des Eagle begann 1964 mit einer Idee von Dan Gurney und Carroll Shelby. Gemeinsam wollten sie beweisen, dass ein amerikanisches Team auch in der Formel 1 erfolgreich sein konnte. Wobei All American Racers zunächst IndyCars entwickelte. Erst mit dem 1966 neu eingeführten Drei-Liter-Reglement wagten sich die Amerikaner auch nach Europa.
Erfolgreicher Saisonstart 1967
Die Konstruktion des Chassis stammte von Len Terry, dem Schöpfer des siegreichen Lotus 38 für Indianapolis. Das Debüt 1966 mit Teamchef Dan Gurney im Cockpit verlief unauffällig. Wobei schon beim zweiten Einsatz, als der Grand Prix von Frankreich letztmals in Reims stattfand, als Fünfter erstmals WM-Punkte heraussprangen. Doch bei weiteren Einsätzen stoppten immer wieder Kleinigkeiten die Fahrt. Erst im Herbst 1966 stand der eigens entwickelte Weslake-V12 zur Verfügung. Doch auch das neue Triebwerk litt unter erheblichen Zuverlässigkeitsproblemen.
Das jetzt angebotene Chassis 103 debütierte am 12. März 1967 beim Race of Champions in Brands Hatch. Richie Ginther pilotierte den Wagen, während Dan Gurney das Schwesterauto steuerte. Gurney dominierte beide Vorläufe und gewann anschließend auch das Finale. Für Eagle war dies der erste Sieg eines V12-Fahrzeugs überhaupt. Ginther belegte zunächst die Plätze drei und zwei, ehe ihn im Finale kurz vor Schluss Bremsprobleme stoppten.
Historischer Erfolg und verpasste Chancen
Beim Großen Preis von Monaco im Mai 1967 übernahm Gurney das Chassis 103, weil ihm dessen Gasannahme besser gefiel. Das Rennen endete jedoch bereits nach vier Runden mit einem Defekt an der Einspritzanlage. Anschließend wechselte der Teamchef wieder in einen Schwesterwagen. Mit dem Chassis 104 gewann der Amerikaner wenige Wochen später den Großen Preis von Belgien. Dieser Erfolg ist bis heute der einzige Formel-1-Sieg eines amerikanischen Konstrukteurs.

Chassis 103, das jetzt zum Verkauf steht, kehrte erst Ende August beim Großen Preis von Kanada ins Rampenlicht zurück. Auf der regennassen Strecke im Mosport Park, dem heutigen Canadian Tire Motorsport Park, fuhr Gurney nach einer fehlerfreien Vorstellung auf den dritten Platz und bescherte dem Wagen damit sein bestes Grand-Prix-Ergebnis. Beim anschließenden Italien-Grand-Prix in Monza saß Ludovico Scarfiotti am Steuer des Eagle Mk 1/103. Die schnellen Geraden schienen wie geschaffen für den kraftvollen V12.
Doch erneut schlug die mangelnde Zuverlässigkeit zu. Dan Gurney schied im Schwesterwagen auf einem aussichtsreichen Platz liegend mit Motorschaden aus. Ludovico Scarfiotti folgte nur eine Runde später mit demselben Defekt. Das Rennen in Monza war ein typisches Beispiel dafür, welches Potenzial im Eagle steckte und wie selten er es ausschöpfen konnte. Da half auch die beeindruckende Leistung seines V12 nicht.
Verkauf an Danny Ongais
Nach dem Ende des Formel-1-Projekts nach dem Finale der Saison 1968 verkaufte All American Racers das Chassis 103 im Oktober 1969 an den späteren IndyCar-Star Danny Ongais. Der frühere Drag-Racing-Champion plante, den Eagle für die amerikanische SCCA Formula A umzubauen. Dazu kam es jedoch nie. Stattdessen wechselte der Wagen in den folgenden Jahrzehnten mehrfach den Besitzer und gehörte unter anderem zeitweise der späteren IMSA-Legende Dick Barbour.
1998 kam der Eagle nach Großbritannien. Seitdem wurde er regelmäßig bei historischen Rennveranstaltungen eingesetzt. Zu den Höhepunkten gehörten das Goodwood Revival 1999, das Goodwood Festival of Speed 2000 sowie der Historische Grand Prix von Monaco 2002. Dort gewann der Wagen sogar seine Klasse. Seit 2002 befindet sich Chassis 103 in einer Privatsammlung. Sein letzter öffentlicher Auftritt erfolgte 2006 beim Goodwood Festival of Speed.
Seltene Gelegenheit für Sammler
Nach Angaben von RM Sotheby's handelt es sich um einen von nur zwei Eagle Mk 1 mit Gurney-Weslake-V12 in privater Hand. Nach einer technischen Durchsicht empfehlen die Spezialisten von Hall & Hall vor einem erneuten Renneinsatz lediglich eine gründliche Vorbereitung. Anschließend wäre der Eagle wieder bei den bedeutendsten historischen Motorsportveranstaltungen wie dem Grand Prix de Monaco Historique oder der Rolex Monterey Motorsports Reunion startberechtigt.
Bis Anfang August war der Rennwagen in den New Yorker Galerien von Sotheby's im Rahmen der Ausstellung 250 Years of American Art & Culture zu sehen. Anschließend reiste er zur Monterey Car Week vom 7. bis 16. August 2026 nach Kalifornien, wo der Bolide zurzeit zu sehen ist. Die eigentliche Auktion findet dann vom 23. bis 30. September auf der Dialogplattform RM Sotheby's Sealed statt. Für Sammler historischer Grand-Prix-Rennwagen dürfte sich damit eine der seltensten Kaufgelegenheiten der vergangenen Jahre bieten.
Und bei vielen Fans von Grand Prix Legends dürfte der Eagle dieselben Erinnerungen wecken wie bei mir: an den vielleicht schönsten und faszinierendsten Formel-1-Rennwagen der Saison 1967.
Mehr zu der Auktion gibt es auf der Webseite von RM Sotheby’s
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