Mazda bietet seinen 1,5 Liter großen Dieselmotor jetzt auch im kompakten Mazda3 an. In Juni steht der 105 PS starke Selbstzünder bei den Händlern. Ich hatte bereits jetzt Gelegenheit zum Test des Mazda 3 SKYACTIV-D-105.

Mazda ist anders. Das wissen Auto-Fans seit vielen Jahren. Hinter der Abgrenzung von den Wettbewerbern steckt viel Kalkül. Denn der kleinste japanische Autobauer will wachsen, um seine Unabhängigkeit zu bewahren. Zurzeit gelingt das weltweit. Im Autoland Deutschland peilt Mazda inzwischen einen Marktanteil von zwei Prozent an.

Einer der Bausteine, um dieses Ziel zuerreichen, ist der selbstentwickelte 1,5 Liter große Dieselmotor der Japaner. Ihn gab es bisher bereits im Kleinwagen Mazda2 sowie dem SUV Mazda CX-3. Jetzt ist das 105 PS starke Aggregat auch im kompakten Mazda3 verfügbar. Ich war mit dem Selbstzünder zwei Tage auf Probefahrt.

Ein Diesel? Ein kleiner Diesel? Ja, bitte!

Die Vorstellung eines neuen Dieselmodells sorgt in diesen Tagen immer für ein gewisses Ziehen in den Augenbrauen. Der Abgasskandal des Marktführers sowie Diskussionen um die Größe der Temperaturfenster, in denen Abgase tatsächlich gereinigt werden, nagen am Image des Selbstzünders.

Mazda stellt sich diesem Thema selbstbewusst. Denn die modernen Dieselmotoren des japanischen Herstellers arbeiten mit einer im Vergleich zu den Wettbewerbern ungewöhnlich geringen Verdichtung. Der 1,5 Liter große Diesel verdichtet seinen Kraftstoff im Verhältnis 14,8 zu 1. Der Vorteil dieser Lösung ist, dass der Verbrennungsprozess bei geringeren Temperaturen verbrennt.

Das reduziert Wärmeverluste und senkt die Schadstoffemissionen. Mazda kann so die Grenzwerte der Abgasnorm Euro 6 ohne eine Stickoxid-Abgasnachbehandlung erfüllen. Damit gibt es im Mazda3 SKYACTIV-D 105 weder eine SCR-Abgasreinigung noch einen NOX-Speicherkatalysator. Das spart Kosten und macht hier neben bei eine Diskussion über Temperaturfenster überflüssig.

Unter Druck setzt den Motor ein Turbolader mit variabler Turbinengeometrie. Ein in den Ansaugtrakt integrierter wassergekühlter Ladeluftkühler steigert die Effizienz des Laders. Das Ergebnis ist eine Spitzenleistung von 105 PS, die der Vierzylinder bei einer Drehzahl von 4.000 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung stellt. Zwischen 1.600 und 2.500 Umdrehungen erreicht der Vierzylinder sein maximales Drehmoment von 270 Newtonmetern.

Der kombinierte Normverbrauch des Aggregats liegt bei 3,8 Litern pro 100 Kilometer. Aber das ist ein Laborwert, den – hoffentlich – kein Kunde – bei keinem Hersteller – für bare Münze nimmt. Denn die vom Gesetzgeber definierten Messverfahren bilden nicht die Realität ab. Sie dienen dem Vergleich unter klar definierten Umständen.

4,2 Liter für 100 Kilometer sind ein guter Wert!

Und so sind die 4,2 Liter für 100 Kilometer, die im Test des Mazda3 D-105 erziele, in meinen Augen ein guter Wert. Insbesondere auch, weil bei Außentemperaturen von mehr als 20 Grad Celsius die zugfreie Klimaanlage des Mazda3 dafür sorgte, dass der Tester einen kühlen Kopf behielt.

Unterwegs im Mazda3 D-105 fällt mir schnell auf, wie ruhig das Triebwerk ist. Im Innenraum gibt es fast keine typischen Dieselgeräusche. Wenn ich es nicht besser wüsste, die Geräuschkulisse erinnert mehr an einen Benziner als an einen Selbstzünder. Auch der Blick auf den Drehzahlmesser lässt mich zeitweise daran zweifeln, mit einem Diesel unterwegs zu sein. Denn die Drehzahlgrenze dieses Dieselmotors liegt bei 5.500 Umdrehungen pro Minute.

Ein Wert, den ich auf meiner Testfahrt durchaus erreiche. Denn wer mit dem kleinen Diesel im Mazda3 einen Zwischensprint einlegt, um beispielsweise auf der Autobahn einen Lastwagen zu überholen, muss den Vierzylinder drehen lassen und regelmäßig zum Schalthebel des manuellen Sechsganggetriebes greifen. Denn Agilität erfordert in diesem Mazda3 Schaltarbeit.

Schaltarbeit ist der Preis für Agilität

Denn im Mazda3 sind die Gänge recht lang übersetzt. Das machen inzwischen fast alle Hersteller, um sich Vorteile bei den Messungen der Verbrauchszyklen zu sichern. Eine – wie ich finde – schlechte Angewohnheit, die gerade dem Drehmoment des Diesels oft nicht gerecht wird. Denn ein kräftiger Diesel lässt sich, die richtige Getriebeabstimmung vorausgesetzt, sehr schaltfaul fahren. Im 105 PS starken Diesel-Mazda3 geht das nicht, wenn die Fahrt sportlich sein soll.

Denn bereits der vierte Gang knackt mit 0,916 das Verhältnis einer direkten Übersetzung. Im fünften Gang beträgt das Übersetzungsverhältnis schon 0,717. Und der sechste Gang ist mit 0,580 extrem lang übersetzt. Das nimmt auch die kurze Achsübersetzung kaum zurück. Der Testwagen rollt auf Reifen im Format 215/45 R18. Mit der Maximaldrehzahl von 5.500 Umdrehungen pro Minute wäre der Mazda3 damit – theoretisch – im sechsten Gang 290 Kilometer pro Stunde schnell.

Ein – ich wiederhole mich – theoretischer Wert. Tatsächlich endet der Vortrieb bei 185 Kilometern pro Stunde. Ich erreiche dieses Tempo mit rund 4.400 Umdrehungen im fünften Gang. Aber ich gebe zu, dass das letztlich gar nicht wichtig und im Alltag auch nicht besonders relevant ist. Denn ein Tempo deutlich über der Autobahnrichtgeschwindigkeit ist auf unseren dicht befahrenen Autobahnen in der Regel gar nicht möglich. Und außerhalb unseres Landes gar nicht erlaubt.

Der D-105 ist als Gleiter am Besten!

Im Alltag ist wichtiger, wie der Mazda3 D-105 im Verkehr mitschwimmt. Und da weiß der Kompakte von Mazda auch mit dem kleinen Diesel durchaus zu überzeugen. Denn mit gut 2.000 Umdrehungen pro Minute bin ich im sechsten Gang schon 105 Kilometer pro Stunde schnell. Angesichts der Ruhe im Fahrzeug gleite ich so entspannt dem Ziel entgegen.

Wenn ich auf der Autobahn mit dieser Geschwindigkeit auf einen Laster auflaufe und zum Überholen das Tempo erhöhe, ist Schaltarbeit erforderlich. Denn ich habe zuvor gemessen, dass der Mazda die klassische Elastizitätsübung der Beschleunigung von 90 auf 120 Kilometer pro Stunde im vierten Gang in gut 7 ½ Sekunden bewältigt. Im sechsten Gang benötigt der Mazda bei der gleichen Übung mit gut zwölf Sekunden deutlich mehr Zeit.

Daher lege ich, wenn es ans Überholen geht, für den Zwischenspurt die vierte Welle ein. Starte durch und kehre nach dem Einscheren direkt in den sechsten Gang zurück. Es spricht für den Motor, dass das Überspringen des fünften Gangs ohne Probleme möglich ist. Mit dieser Vorgehensweise lässt sich der Mazda3 auch mit dem kleinen Diesel, der so gar nicht nach Diesel klingt, agil bewegen.

Fazit zum Mazda3 D-105

Mazda beweist mit seinem kleinen Dieselmotor, dass der Diesel eine Zukunft hat. Ich war im Test alles andere als im Energiesparmodus unterwegs. Der Test der Höchstgeschwindigkeit, die Elastizitätsmessungen, mehrere Staus und zahlreiche Foto-Stopps schlagen einfach auf den Kraftstoffbedarf durch. Trotzdem liegt der Verbrauch am Ende nur bei 4,2 Litern. Angesicht der Umstände meiner Testfahrt ist das ein überzeugender Real-Life-Wert.

Positiv gefällt mir auch, dass der Mazda bauartbedingt ohne Stickoxid-Abgasnachbehandlung auskommt. Denn bei den Diskussionen um die Temperaturfenster haben wir in den vergangenen Wochen gelernt, dass solche aufwändigen Systeme oft zwar an Bord sind, aber nur in bestimmten Situationen zum Einsatz kommen. Mazda macht es anders. Der Test des Mazda3 D-105 zeigt, dass anders besser sein kann.

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