von Wilhelm C. Droll am 10.03.2026

Haifischnase und Haltung: 50 Jahre BMW 6er im BMW Museum

Mit 847.000 Besuchern setzte das BMW Museum im vergangenen Jahr eine neue Rekordmarke. 2026 setzen die Münchener bewusst auf ein Modell, das wie kaum ein anderes für große Coupés mit Charakter steht: 50 Jahre BMW 6er.

BMW 628i im BMW Museum

Schon 2011 würdigte BMW in seinem Museum seine großen BMW Coupés und Cabrios. Selbstverständich gehörte damals auch ein 628i zur Ausstellung. Jetzt bekommt die Baureihe E24 eine eigene Ausstellung. (Foto: BMW)

Vom 17. März 2026 bis Ende Januar 2027 rückt die Baureihe E24 in der Rotunde des BMW Museums ins Zentrum. Ein schwebendes Karosseriemodell auf dem Vorplatz, ausgewählte Fahrzeuge im Baureihenturm und zwei Art Cars in der Galerie vervollständigen die Jubiläumsschau zum 50-jährigen Bestehen der BMW 6er-Reihe. Dabei inszeniert das Museum den „Sechser“ als Design-, Motorsport- und Kulturikone.

E24 und die neue Souveränität

Als BMW im Frühjahr 1976 den ersten 6er präsentierte, war das mehr als ein neues Coupé, als ein Nachfolger für den erfolgreichen BMW E9. Dieses noch von der „Neuen Klasse“ abstammende Coupé boten die Bayern seit 1968 an und ließen es bei Karmann in Rheine bauen. Der „Sechser“ positionierte sich oberhalb des 5ers, war gleichwohl technisch eng mit ihm verwandt, stilistisch jedoch deutlich eigenständig. Chefdesigner Paul Bracq verlieh dem Wagen die berühmte „Haifischnase“, die lange Motorhaube und die schlanke Glasfläche.

BMW M635CSi

Der BMW 635CSi, dessen Motor mit dem Triebwerk des BMW M1 verwandt war, war das Topmodell der Baureihe. Nur der M635CSi durfte das „M“ der BMW Motorsport GmbH im Kühler tragen (Foto: BMW)

Die Produktion übernahm zunächst die Wilhelm Karmann GmbH an ihrem Stammsitz in Osnabrück. Doch BMW war mit den aus Norddeutschland gelieferten Fahrzeugen nicht zufrieden. Die Qualität dieser frühen Fahrzeuge der Baureihe galt als schwankend. BMW reagierte, ließ sich ab 1977 aus Osnabrück nur noch die Rohkarossen liefern. Die Endmontage übernahm das BMW-Werk in Dingolfing. 1982, als der Vertrag mit Karmann auslief, entstanden die „Sechser“ vollständig in Bayern.

„Sechser“, das stand für Reihensechszylinder

Unter der Haube des Coupés arbeiteten ausschließlich Reihensechszylinder, vom 628CSi bis zum 635CSi. Die Krönung des Modells war der ab 1984 angebotene BMW M635CSi: 286 PS aus dem M88/3-Motor, verwandt mit dem Triebwerk des BMW M1, sorgten für mehr als 250 km/h Spitze. Damit war der BMW seinerzeit einer der schnellsten Viersitzer der Welt. 5.655 Exemplare entstanden bis 1989. Heute ist der M635CSi einer der begehrtesten klassischen BMW überhaupt.

Mit dem Vierventil-Triebwerk saß unter der Motorhaube des Luxus-Coupés ein echter Sportmotor. Es ist fast schon eine Ironie der Geschichte, dass der M635CSi kein Motorsportler war. Denn das hätte den Bau von 5.000 Exemplaren innerhalb von zwölf Monaten erfordert. Auf diese Stückzahlen kam BMW beim M635CSi nicht. Das lag wohl auch am Preis, denn er kostete bei seinem Debüt fast 100.000 D-Mark. Er war das Auto für Menschen, die sich bewusst für das Topmodell entschieden!

Der 6er war kein Showcar – er konnte auch rennen

Schon zum 1. Juli 1978 erhielt der BMW 633 CSi mit 3,2 Litern Hubraum eine Motorsportzulassung in der damaligen Gruppe 2. Die Einstufung als Tourenwagen war möglich, da der Innenraum die notwendige Größe aufwies. Knapp zwei Jahre später homologierten die Bayern den 635 CSi in der gleichen Klasse, was den Bau von 1.000 Fahrzeugen in zwölf Monaten erforderte. 1981 sicherten sich Umberto Grano und Helmut Kelleners mit dem 635 CSi die Tourenwagen-Europameisterschaft.

Gruppe A-Tourenwagen BMW 635CSi

Wie bereits sein Vorgänger war auch der „Sechser“ ein erfolgreicher Motorsportler. Zwei Titel in der Tourenwagen-EM und ein Titel in der DTM belegen das. (Foto: BMW)

Der „Sechser“ trat damit in die erfolgreichen Fußstapfen seines Vorgängers, der sechsmal die Tourenwagen-Europameisterschaft gewann. Zur Saison 1982 musste ein Tourenwagen mindestens 5.000-mal in zwölf Monaten entstehen. BMW wies zum 1. März 1983 den Bau der notwendigen Fahrzeuge nach. Lohn der Mühe waren die EM-Titel 1983 mit Dieter Quester und 1986 mit Roberto Ravaglia. Dazu kam 1984 der Gewinn der Deutschen Produktionswagen-Meisterschaft – der späteren DTM.

Generation II und III: Neuinterpretation statt Retro

1989 übernahm der 8er (E31) bei BMW für zehn Jahre die Rolle des großen Coupés. Doch der 6er kehrte 2003 zurück. Der E63 interpretierte das Konzept neu: stärker, größer, extrovertierter. Designchef Chris Bangle setzte auf markante Flächen und ein polarisierendes Heck. 2011 folgte mit dem F12/F13 eine nochmals elegantere Generation. Technisch basierte sie auf der 5er-Architektur und bot bis zu 560 PS im M6. Das kombinierte Sportlichkeit mit ausgeprägtem Langstreckenkomfort.

Insofern war der F12/F13 eine Neuinterpretation ganz im Sinne der ursprünglichen Idee. Losgelöst davon blieb über alle Generationen hinweg der Kern gleich: Hinterradantrieb (später optional xDrive) und eine klare Positionierung als sportliches Oberklasse-Coupé mit Gran-Turismo-Qualitäten. Eine weitere Konstante waren die Reihensechszylinder – nur im 8er der Baureihe E31 gab es ausschließlich V8- oder V12-Motoren. Doch schon mit dem E63 besann sich BMW auf seine Tradition und pflegt sie bis heute.

Designikone, Art Car, Filmauto

Zum Jubiläum zeigt das Museum zwei Art Cars auf 6er-Basis: das von Ernst Fuchs gestaltete BMW Art Car #5 (1982) und das Werk von Robert Rauschenberg (1986). Beide basieren auf dem 635CSi und markieren einen besonderen Moment in der Geschichte der BMW Art Car Collection. Denn mit ihnen wurde erstmals ein Serienfahrzeug zur Leinwand.

BMW Art Car #5 von Ernst Fuchs.

Der österreichische Künstler Ernst Fuchs gestaltete das 5. BMW Art Car. Es war das erste offizielle BMW Art Car, das auf Basis eines Serienmodell entstand (Foto: BMW).

Hinzu kommt die filmische Karriere des 6ers. Das Coupé trat in Filmen wie „Feuer und Eis“ oder der Tatort-Folge „30 Liter Super“ auf. In „Zurück in die Zukunft II“ fährt Griff Tannen (ein Mitglied der Biff-Gang) vor einem Café in einem umgebauten BMW 633 CSi (E24) vor. Das Auto ist zwar futuristisch modifiziert, aber eindeutig als E24 zu erkennen. Dabei war der BMW erstaunlich oft das Auto der Bösewichte. So jagt im Spielfilm „Die Reise ins Ich“ ein Auftragskiller im E24 die Hauptperson.

Blick nach vorn: Kommt der 6er zurück?

Aktuell führt BMW keinen klassischen 6er als zweitüriges Coupé im Programm. Die Rolle des großen Gran Turismo übernehmen 8er, 5er und 7er – zunehmend elektrifiziert. Und genau hier wird das Jubiläum spannend. BMW positioniert sich strategisch klar in Richtung Elektromobilität und „Neue Klasse“. Ein elektrisches Luxus-Coupé mit der klaren Formsprache eines klassischen 6ers?

Das wäre mehr als nur Nostalgie. Es wäre die konsequente Fortschreibung der Idee: sportliche Eleganz, technologische Souveränität, Langstreckenkomfort. Doch zunächst blickt das Museum „nur“ zurück. Zwischen den Exponaten schwingt jedoch eine Frage mit: Hat BMW im Zeitalter der Antriebswende noch Platz für ein charakterstarkes, eigenständiges Coupé? Das Jubiläum „50 Jahre 6er“ liefert hervorragende Argumente dafür. Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment, sie neu zu interpretieren.


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