von Wilhelm C. Droll am 27.05.2026

Vor 50 Jahren: Als der Porsche 924 die Bühne betrat

1976 stellte Porsche mit dem 924 ein völlig neues Modell vor. Es war mehr als nur eine Ergänzung. Der 924 war ein Bruch mit vielem, was man bis dahin mit der Marke verband, und schrieb vermutlich genau deshalb seine ganz eigene Erfolgsgeschichte.

Porsche 924

Der Porsche 924 wurde 1976 vorgestellt und brach mit vielen Traditionen der Marke. Trotzdem wurde er zu einem wichtigen Meilenstein für Porsche, ob wohl ihn Porsche zum Debüt unter anderem mit diesem schmucklosen Foto aus Paris vermarktete. (Foto: Porsche)

Der 924 war ein Sportwagen der Einstiegsklasse, angesiedelt deutlich unterhalb des Porsche 911, der bisher die Marke trug. Technisch ging das Coupé zudem völlig neue Wege: Frontmotor, Transaxle-Bauweise und eine klare, sachliche Linienführung. Ein Grund dafür war sicher, dass seine Wurzeln nicht allein in Zuffenhausen lagen. Denn ursprünglich entstand der Wagen als Auftrag von Volkswagen, sollte den VW-Porsche 914 ersetzen.

Porsche hatte Mut

Doch VW stoppte das Projekt. Der Anlauf eines weiteren Modells hätte die Wolfsburger, die endlich begannen, sich vom Käfer zu lösen, überfordert. Familie Porsche sah eine Chance, das Auto selbst anzubieten. Sie kaufte die Rechte an der Konstruktion zurück und machte aus den Plänen ein eigenes Serienmodell. Es sollte sich als eine gute Entscheidung erweisen.

Aufbau des Porsche 924

2016 zeigte Porsche auf der Techno Classica in Essen, was den Porsche 924 ausmachte: Sein Transaxle genannte Bauart mit dem Getriebe und der Kupplung an der Hinterachse und einem festen Rohr, in dem die Kardanwelle mit Motordrehzahl rotiert.

Denn der 924 steht für einen Perspektivwechsel. Statt luftgekühltem Heckmotor setzte Porsche plötzlich auf Wasser, Frontmotor und ein Konzept, das eher an Gran Turismo als an puristische Sportgeräte erinnerte. Für viele Puristen war das ein Sakrileg. Doch für Porsche war es ein notwendiger Schritt. Vielleicht sogar der Wichtigste seit Einführung des 911.

Porsche war nicht auf Rosen gebettet

In den 1970er-Jahren verkaufte sich der 911 solide, aber nicht in ausreichenden Stückzahlen, um das Unternehmen langfristig abzusichern. Der 924 entwickelte sich zum Einstiegsmodell mit höheren Stückzahlen. Damit war er rückblickend ein strategischer Treffer. Ohne den 924 und später seine Derivate hätte sich Porsche deutlich schwerer getan, durch die Zeit zu kommen.

Prototype des Porsche 924

So hätte es kommen können: Der Prototyp des Porsche 924 vermittelt eine Idee davon, wie der VW-Porsche hätte aussehen können.

Dabei half, dass sich die Baureihe stetig weiterentwickelte:

  • 924 (1976–1985): Basismodell mit dem Vierzylinder aus dem Audi 100. Die Wahl des Motors war ein Zugeständnis an Partner Volkswagen, der den späteren Porsche 924 eigentlich als VW-Porsche vermarkten wollte.
  • 924 Turbo (Typ 931): Neben dem 911 lud Porsche auch den 924 mit einem Turbo auf. Das Ergebnis war mit 170 statt 125 PS Leistung ein deutlicher Leistungssprung.
  • 924 Carrera GT / GTS / GTR: Homologationsmodelle für den Motorsport – Mit dem Porsche 924 Carrera GTS (Typ 939) traten Walter Röhrl und sein Co-Pilot Christian Geistdörfer 1981 in der Deutschen Rallye-Meisterschaft an. Sie mit der Hessen-Rallye, der Serengeti-Safari-Rallye sowie der Vorderpfalz- und der Baltic Rallye vier der sieben DM-Läufe, verpaßten aber den Titel.

Der 924 bildete zudem die Basis für eine ganze Familie:

  • Porsche 944 mit breiter Karosserie und stärkerem Motor, den Porsche vom V8 des Porsche 928 ableitete.
  • Porsche 968 als späte Evolutionsstufe

Und auch wenn der 924 nicht als klassischer Rennwagen gedacht war, fand er seinen Weg auf die Strecke. Höhepunkt war der Einsatz bei den 24 Stunden von Le Mans, wo Porsche den 924 als effizienten, standfesten Sportwagen positionierte. Das war zwar weniger spektakulär als ein Prototyp, aber durchaus ernst zu nehmen. Was die Plätze sechs (1980 mit dem Porsche 924 Carrera GT) und sieben (1981 mit dem 924 GTP, einem Vorläufer des 944) eindrucksvoll bewiesen.

Und der Porsche 924 heute?

Lange stand der Porsche 924 im Schatten des 911. Zu „anders“, zu „untypisch Porsche“, zu nah an VW und Audi. Heute hat sich der Blick verändert. Der 924 gilt als wichtiger Meilenstein der Markenentwicklung. Und damit ist er für viele längst der Einstieg in die Welt klassischer Porsche-Modelle. Vor allem aber erzählt er eine Geschichte, die perfekt in die 1970er-Jahre passt: die Suche nach neuen Wegen in einer Zeit des Umbruchs.

Technische Daten zum Porsche 924

Das Besondere am 924 war die Gewichtsverteilung. Durch das Transaxle-Konzept (Motor vorn, Getriebe an der Hinterachse) erreichte der Wagen eine fast perfekte Balance von fast 50:50. Das sorgte für ein extrem neutrales Fahrverhalten, was Walter Röhrl besonders beim Rallye-Einsatz lobte – er sagte einmal, dass nicht die reine Leistung, sondern das Handling und die Traktion die großen Stärken des Wagens waren.

Porsche 924 (Serienmodell 1976):

Dieses Modell war der Einstieg in die Transaxle-Ära. Es nutzte den 2,0-Liter-Motor, der ursprünglich aus dem VW/Audi-Regal stammte, aber von Porsche umfassend modifiziert wurde (unter anderem mit einer K-Jetronic Einspritzung).

Merkmal Daten
Motor 4-Zylinder Reihenmotor (wassergekühlt)
Hubraum 1.984 ccm
Leistung 92 kW / 125 PS bei 5.800 U/min
Max. Drehmoment 165 Nm bei 3.500 U/min
Getriebe 4-Gang Schaltgetriebe (später 5-Gang)
Höchstgeschwindigkeit 204 km/h
0–100 km/h ca. 11,0 Sekunden
Leergewicht 1.080 kg
Fahrwerk Vorn: MacPherson-Federbeine / Hinten: Schräglenkerachse

Porsche 924 Carrera GTS wie ihn Walter Röhrl 1981 in der Deutschen Rallye-Meisterschaft fuhr:

Das Auto für die Deutsche Rallye-Meisterschaft war technisch eine ganz andere Hausnummer.

Merkmal Daten
Motor 4-Zylinder Turbo-Reihenmotor
Ladedruck ca. 1,0 bar
Leistung 184 kW / 250 PS (später teils mehr)
Max. Drehmoment 335 Nm
Höchstgeschwindigkeit ca. 185 km/h (kurze Rallye-Übersetzung)
0–100 km/h ca. 6,2 Sekunden
Besonderheiten Trockensumpfschmierung, Sperrdifferenzial, Überrollkäfig

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