Wer wirklich über Autos bloggt, der erzählt auch persönliche Geschichten. Der Abschied von meinem Audi A3 gehört in diese Kategorie. Denn nicht nur fast 300.000 Kilometer verbinden uns, sondern auch viele Erinnerungen. Schließlich sind 14 Jahre eine lange Zeit. Dazu kommt noch der Ärger, dass ich den Audi eigentlich gar nicht verkaufen wollte. Doch die Einführung der überflüssigen Feinstaubplaketten führte jetzt zur Trennung.

Als ich mir im März 2000 einen neuen Audi A3 TDI kaufte, fühlte ich mich angekommen. Nach Ausbildung und Studium war ich seit einem Jahr bei meinem heutigen Arbeitgeber beschäftigt. Den Weg zur Arbeit legte ich mit meinem 1993’er VW Golf zurück. Der hatte mich sieben Jahre begleitet. Doch da ich damals relativ viel geschäftlich unterwegs war, entstand der Wunsch nach mehr Leistung und mehr Komfort.

Praktischerweise war ein guter Freund meines Vaters VW- und Audi-Händler. Und so fuhr ich mit meinem Golf an einem Freitag in den Norden, um am Montag mit einem neuen Audi A3 zurück ins Ruhrgebiet zu fahren. Die Wahl des Autos war mehr oder minder Zufall. Beim Händler standen mehrere Fahrzeuge rum, die ich mir hätte leisten können. Die Wahl fiel schließlich auf einen Audi A3 TDI mit 110PS.

Den hatte eigentlich ein damaliger Bundesligafußballer für seine Freundin bestellt. Doch bei Lieferung wollte sie den Wagen nicht. Die echte Vollausstattung, zu der auch die Kombination Sportfahrwerk und Automatik gehörte, missfiel der Dame. Da mein Vater beim Arbeitgeber des Spielers die Kasse führte, löste die Vermittlung des Wagens an mich mehrere Probleme. Praktischerweise kümmerte sich der Händler auch um meinen Golf. Später hörte ich, dass er den Golf nach Estland exportierte.

Der Verkauf meines Autos war genauso einfach

Im Sommer wurde das Ruhrgebiet zur grünen Zone. Nur noch Auto mit entsprechender Plakette dürfen hier noch unterwegs sein. Das war das Aus für den Audi. Denn der lief im Frühjahr 1999 vom Band. Deshalb bekam er zunächst nur eine rote Plakette. Wäre er wenige Wochen jünger, hätte er von Anfang an eine gelbe Plakette bekommen. Die gab es erst, als ich einen Dieselpartikelfilter nachrüstete. Das verlängerte sein Leben mit mir zwar um einige Zeit. Doch da kein weiteres Update möglich war, ist der Weiterbetrieb hier nicht mehr möglich.

Schon im Sommer meldete ich den Audi ab, parkte ihn zunächst in meiner Werkstatt. In der jüngsten Zeit hatte ich einige Karten von Aufkäufern gesammelt. Doch irgendwie hatte ich keine Lust auf eine Auseinandersetzung mit diesen Typen. Auch eine Annonce bei Mobile und AutoScout oder gar eine Versteigerung bei ebay sagten mir nicht zu. Das erschien mir alles viel zu zeitaufwendig und zu nervig. Als ich vor ein paar Jahren einen Mini auf diesem Weg verkaufte, stand das Telefon tagelang nicht still.

Schließlich entschied ich mich für einen anderen Weg, zum Verkauf meines Autos. Im Internet fand ich eine Plattform, die mit einer kostenlosen Bewertung und dem schnellen Ankauf des Autos wirbt. Das gefällt einem Digital- und Auto-Native wie mir. Deshalb habe ich das ausprobiert und wurde nicht enttäuscht.

Im ersten Schritt gibt der Aufkäufer mit der Nennung eines Richtpreis eine erste Orientierung. Der genannte Preis lag bei meinem Audi immer hin noch bei gut 1.600 Euro. Einer der Kartenverteiler bot mir im vergangenen Jahr an einer Ampel dreist 250 Euro. Im zweiten Schritt gehört zum Konzept dieser Autobörse, dass die Kunden das Auto zu einem seiner Stützpunkte bringen.

Praktischerweise befindet sich einer dieser Stützpunkte im östlichen Essen, rund drei Kilometer von meiner Werkstatt entfernt. Dort lieferte ich meinen langjährigen Weggefährten mit einem Hänger ab, um nach 20 Minuten tatsächlich fast mit dem Richtpreis nach Hause zu fahren. Womit „jetztautoverkaufen“ meinen Test eindrucksvoll bestanden hat.

Es bleiben die Erinnerungen

Beim Kauf hätte ich nicht erwartet, dass mich der damals Neue 14 lange Jahre begleiten würde. In dieser Zeit bewährte sich der A3, trotz seiner Sportlichkeit, oft auch als Lastesel. Denn kurz nach dem Kauf wurde aus einem Duo ein Trio. Damit hieß es, neben dem Urlaubsgepäck auch noch einen Kinderwagen in den Kofferraum zu laden. Wenn ich heute daran zurückdenke, dann kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, wie das einmal gepasst hat. Hat es aber! Lustig auch, dass das damalige Baby den Audi inzwischen auf abgesperrtem Gelände selbst bewegt hat.

Natürlich hinterließ die Zeit ihre Spuren. Wobei die teilweise auf meine Kappe gingen. Wie ein Loch im Leder. Ich hatte beim Einsteigen einen Schraubenzieher in der Hosentasche vergessen. 2011 Jahren brach ein Motorhalter. Was den TÜV nicht davon abhielt, den Audi trotzdem mit einer neuen Plakette zu versehen. Vor ein paar Wochen entschied die Warnlampe des Airbags, in den Dauerbetrieb umzuschalten.

Sonst war da nix!

All das belegte den hohen Qualitätseindruck, den der Audi vom ersten Tag an vermittelte. Bis heute ist der Audi immer noch mit dem ersten Auspuff unterwegs. Dazwischen gab es zweimal einen neuen Zahnriemen. Einmal waren die Bremsscheiben dran. Zudem rief das Werk den Audi wegen seiner Gurtschlösser zurück in die Werkstatt. Und natürlich gab es zwischendurch auch neue Reifen. Wobei am Besten die Erstausstattung von Michelin war. Die hätte ich wieder kaufen sollen. Aber das ist ein anderes Thema.

Mach es gut alter Kamerad!

1 Comment

  1. Hanspeter Farell Reply

    Der A3 in unserer Firma steht mehr in Werkstatt als er fährt, Bremsflüssigkeit niedrig angezeigt, obwohl voller Behälter, Motormanagement zeigt permanent Probleme an und weist in die Werkstatt, Batterietausch weil angeblich Spannungsprobleme. Wenn er fährt, dann allerdings gut wie im Bericht beschrieben.

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