Werbung in den 1970er war anders. Wer heute alte Anzeigen in die Finger bekommt, erkennt den Unterschied sofort. Wo heute allenfalls kurze Infos stehen, gab es vor 40 Jahren noch jede Menge Text. Mit der Textmenge, die die Verantwortlichen damals in ihre Anzeigen pressten, füllen ihre Enkel heute (vermutlich) mehrere Prospekte Internetseiten.

Doch nicht nur quantitativ gibt es Unterschiede. Auch inhaltlich hat sich jede Menge verändert. Denn heute ist es kaum vorstellbar, dass ein Autohersteller eine „Lebensbeichte“ erfindet, um für sein Fahrzeug zu werben. Zumal diese aus heutiger Sicht ziemlich – sagen wir mal – konstruiert wirkt. Aber offensichtlich war es Mitte der 1970er-Jahre eine „Nachricht“, wenn Frauen selbstständig Auto fahren. Gut, selbst heute gibt es noch eine Wahl zum Frauenauto des Jahres. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die Volvo-Anzeige für den Volvo 240, die heute mein Thema ist, wirkt – aus heutiger Sicht – etwas rückständig. Dabei stand es vermutlich „nur“ für die damals frische Entdeckung der Frau als Zielgruppe. Denn auch in der Realität unserer Gesellschaft konnten Ehemänner bis 1958 den Arbeitsvertrag ihrer Frau kündigen – ohne Zustimmung ihrer Gattin. Erst vier Jahre später konnten verheiratete Ehefrauen ohne Zustimmung ihres Mannes ein eigenes Bankkonto eröffnen. Und erst 1969 wurde eine verheiratete Frau als voll geschäftsfähig angesehen.

Insofern hat sich viel verändert!

Und so ist nicht nur die gewisse Doppeldeutigkeit der Anzeige heute wohl unvorstellbar. Denn kein Hersteller würde sein Produkt heute noch als „unverschämtes Verhältnis“ bezeichnen. Beim Volvo 240 war das noch machbar – aber damals warb Volvo ja auch noch mit der Sicherheit aus Schwedenstahl.

2 Kommentare

  1. Schöne Werbung! Tolle Autos! Kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.
    Aber anders als vom Blogger angenommen, handelt es sich bei dem Fahrzeug um einen Volvo der Serie 140 und nicht der Serie 240. Genau genommen sehen wir auf dem Bild einen Volvo 144 . So wurden die 4-türigen Fahrzeuge genannt. Die Kombis, also die 5-türigen Fahrzeuge, endeten auf „5“ und hießen 145.

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