Heute vor 50 Jahren begann im britischen Ford-Werk in Langley die Erfolgsgeschichte des Ford Transit. Der Kleintransporter war eines der ersten gesamteuropäischen Fahrzeuge von Ford. Bis zur Vorstellung des Transit setzten Ford Deutschland und Ford Großbritannien auf eigene Modelle. Erst nachdem die Konzernzentrale in Detroit sich einschaltete, arbeiten die Ford-Töchter zusammen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lies Ford seinen Landestöchtern zunächst viel Raum für Eigenentwicklungen. 1953 entstand in Deutschland der Ford FK 1000 Kleinlieferwagen. Der war eine Antwort auf den Erfolg von Modellen wie dem DKW-Schnellaster (1949), dem Tempo Matador (1949/50), dem 1950 vorgestellten VW-Transporter oder dem 1952er Lloyd LT. Gleichzeitig bot Ford of Britain seit 1938 den Fordson E83W an. Der war gegen Fahrzeuge wie dem Morris J-Typ (1949) oder dem Bedford CA (1952) zunehmend chanchenlos.

Statt den FK 1000 aus Deutschland zu übernehmen, bot Ford in Großbritannien ab 1957 den Ford Thames 400E an. Und exportierte das Design sogar nach Dänemark. Seit 1929 gehörte das Ford-Werk im Freihafen von Kopenhagen organisatorisch zu Ford Großbritannien. Als Folge dessen lief der Ford Thames 400E in Dänemarks Hauptstadt als Linkslenker vom Band. Doch damit nicht genug, auf einigen Märkten bot Ford den Thames 400E parallel zum FK 1000 an.

Codename Redcap

Um solche Zweikämpfe in Zukunft zu vermeiden, ordnete die Konzernzentrale die Entwicklung eines gemeinsamen Nachfolgers an. Doch weder in Köln noch im britischen Brentwood war das Interesse an einer Zusammenarbeit besonders groß. Detroit übertrug die Verantwortung für den Transporter schließlich an seine britische Tochter. Gleichzeitig verbot die Konzernzentral den „Deutschen“ die Entwicklung eines eigenen Kleintransporters.

Es entstand ein Kleintransporter, der offensichtlich die gleiche Designsprache verwendet wie der britische Ford Cortina der zweiten Generation. Der bildete ein Jahr nach dem neuen Kleintransporter den Schlusspunkt der eigenständigen britischen Ford-Entwicklungen. Denn kurz nach der Vorstellung des Transit führte Ford 1967 seine Töchter in Großbritannien und Deutschland als Ford Europa mit dem Sitz in Köln zusammen.

Zuvor übernahm die übernahm die deutsche Ford-Tochter bei Ford Transit nur Teile der Entwicklungsarbeit. Nebenbei brachte sie aber den Namen Transit mit in die aus Amerika verfügte Zwangsehe. Ursprünglich sollte der neue Transporter „V-Serie“ heißen. Doch Ford Deutschland bot den FK 1000 seit 1961 unter dem Namen Ford Taunus Transit an. Auf der Suche nach einem Namen, der auf allen Märkten funktioniert, entschieden sich die Verantwortlichen 1965 dafür, den neuen Kleintransporter Ford Transit zu taufen. Was den Effekt hatte, dass der neue in Deutschland als zweite Transit-Generation galt, während er für die Briten der Mk I. wurde.

Ford Transit – von Anfang an Vielfalt

Bei der Markteinführung im Oktober 1965 war der Ford Transit mit zwei Radständen, zwei Dachhöhen sowie 18 Tür-Kombinationen bestellbar. Hinzu kamen von Beginn an Karosserie-Versionen wie Kastenwagen, Kombi, Bus, Panorama-Bus, Hoch- und Tiefladepritsche, Fahrgestell mit Fahrerhaus und Doppelkabine. Dazu gab es sechs unterschiedliche Nutzlast-Klassen von 600 bis 1.750 Kilogramm. Die Spanne des zulässigen Gesamtgewichts reichte bereits beim ersten Transit von 1,9 bis 3,25 Tonnen. In Großbritannien kostete ein Transit 542 britische Pfund. In Deutschland lag der Einheitspreis bei rund 6.500 Mark.

Für den Bau der ersten 100.000 Exemplare benötigte Ford rund drei Jahre. Nach elf Jahren, am 15. September 1976 wurde der Ford Transit Millionär. Das Jubiläumsmodell wurde übrigens ganz unsentimental nach Nigeria verkauft und nicht ins Museum gestellt. Inzwischen ist die sechste Generation des Transit auf dem Markt. Sie bietet Ford seit 2014 erstmals auch in Nordamerika an. Das wollte Ford ursprünglich bereits in den 1960er-Jahren erreichen. Doch der Streit der Landestöchter in Deutschland und Großbritannien verzögerte die Entwicklung. So entstand in Amerika der 1961 der Ford Econoline.

Im Laufe der Jahre sammelte der Ford Transit immer wieder Preise und Auszeichnungen an. 1965 quetschten sich für einen Rekordversuch 48 Personen in den Lieferwagen. 1972 lies Ford auf der Rennstrecke von Monza zwei Transit eine Woche lang im Kreis fahren. Sie legten dabei 16.000 Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 118,583 Kilometer pro Stunde zurück. Und kurze Zeit später beschrieb die britische Polizei den Transit als „bestes Fluchtfahrzeug der 70er Jahre“.

1982 stellte Ford erstmals einen Allrad-Transit vor. 2006 folgte ein Ford Transit XXL mit vier seitlichen Schiebetüren. Bis heute liefen – in sechs Generationen – mehr als acht Millionen Transit vom Band. Noch 2015 wird Ford voraussichtlich die Marke von neun Millionen Transit knacken. Denn zurzeit entscheidet sich weltweit im Durchschnitt rund alle drei Minuten ein Kunde für einen Transit. Anlässlich des „50. Transit-Geburtstags“ blicken wir mit einer umfangreichen Bildergalerie auf die Geschichte des Kleintransporters zurück.

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