Auto-Erinnerungen

Vergessene Klassiker: Alfa Romeo Alfetta

1972 präsentierte Alfa Romeo die Limousine Alfetta. Mit ihrer „Transaxle-Bauweise“ verschob die Alfa Romeo Alfetta die Maßstäbe für Sportlimousinen.

Alfa Romeo Alfetta
1972 stellte Alfa Romeo die heute legendäre Alfa Romeo Alfetta vor. Die Limousine trug den Namen des Formel-1-Weltmeisters von 1950 und 1951. Der Grund war, dass bei beiden Fahrzeugen der Motor vorn und das Getriebe zusammen mit dem Differential hinten eingebaut war. (Foto: Alfa Romeo)

Motor vorn, Getriebe, Kupplung und Differential hinten – das gilt bei Autos mit Hinterrad-Antrieb als gute Voraussetzung für eine ideale Gewichtsverteilung. Das Wortgebilde „Transaxle“ (lateinisch trans = hinüber und englisch axle = Achse) beschreibt, wenn das Getriebe eines Frontmotor-Fahrzeugs an der angetriebenen Hinterachse montiert ist. Mit der 1972 vorgestellten Alfetta machte Alfa Romeo diese Bauweise in der Welt der Limousinen salonfähig. Wenig später vertraute auch Porsche mit seinen Transaxle-Modellen Porsche 928 und Porsche 924 auf diese Bauweise..

Mit einer nahezu ausgeglichenen Gewichtsverteilung, einem Leergewischt von 1.080 Kilogramm und einem sportlich abgestimmten Fahrwerk war die Alfetta eine der fahrdynamischsten Limousinen ihrer Zeit. Wofür die Konstrukteure in Mailand einigen Aufwand trieben. So vertrauten sie zur Reduzierung der ungefederten Massen an der Hinterachse auf innenliegende Scheibenbremsen. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Denn die 4,28 Meter lange Alfetta sorgte für Aufsehen und besiegte in den Vergleichstests verschiedener Autozeitschriften ihre Wettbewerber.

Sportlich und sparsam

Dabei punktete die Limousine neben ihren Handlingeigenschaften auch mit guten Fahrleistungen. Denn dank seiner Maschine mit 1.779 ccm und 122 PS (bei 5.500 U/min) erreichte die Alfetta eine Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h. Den Sprint von 0 auf 100 km/h legte sie in – damals – sportlichen 10,5 Sekunden hin. Gleichzeitig galt das Fahrzeug – nach den Maßstäben seiner Zeit – als sparsames Auto. In einem Vergleichstest der „Anspruchsvollen in der Mittelklasse“, den die Autofahrerbibel „auto motor und sport“ am 14. April 1973 veröffentlichte, konsumierte die Alfetta mit einem Durchschnittsverbrauch von 12,0 Litern fast zwei Liter weniger als der ebenfalls verglichene BMW 520i.

Alfa Romeo Alfetta Aufbau
Transaxle-Bauweise der Alfa Romeo Alfetta (Grafik: Alfa-Romeo)

Aus der Alfetta wird eine Familie

Als Alfa Romeo 1972 die Alfetta vorstellte, plante vermutlich niemand, dieses Auto satte zwölf Jahre zu bauen. Doch der Autobauer aus Mailand verlängerte mit technischen und optischen Modifikationen mehrfach das „Leben“ des Modells. Wobei sicher auch eine Rolle spielte, dass das damalige Staatsunternehmen in diesen Jahren tief rote Zahlen schrieb. So fehlt das Geld, um ein ganz neues Modell zu entwicklen. Trotzdem stellte Alfa Romeo zwei Jahre nach dem Debüt der Limousine ein dreitüriges Sportcoupé zur Seite. Für die Alfetta GT entwarf der Karosserieschneider Bertone eine eigenständige Karosserie in der in den frühen 1970er Jahren aktuellen Keilform.

Ein Jahr später, 1975 erweiterte der Autobauer das Motorenprogramm um eine 108-PS-Version mit einem Hubraum von 1,6 Litern. Später folgte ein 2,0-Liter-Motor und ab 1980 der berühmte 2.5-Liter-V6-Motor mit 158 PS Leistung. In der Limousine gab es zudem ab 1979 einen Turbodiesel. Der aufgeladene Vierzylinder des Selbstzünders holte aus einem Hubraum von 2,0 Litern 82 PS; später stieg der Hubraum dieses Motors um 0,4 Liter und die Leistung damit auf 95 PS an.

Alfa Romeo Alfetta GT 1.8 1974
Das Sportcoupé Alfa Romeo Alfetta GT 1.8 von 1974 (Foto: Alfa Romeo)

Auch das Außenkleid der Alfetta modifizierte Alfa Romeo regelmäßig. Im Herbst 1977 wichen die Chromtürgriffe als Zugeständnis an die Aerodynamik versenkten Pendants. Voluminösere Stoßstangen setzen sich Parkremplern fortan wirkungsvoller zur Wehr. Die zum Anfang der 1970er-Jahre noch typischen vorderen Dreiecksfenster wichen großflächigen Seitenscheiben. Gleichzeitig gab es neue Rückleuchten. Zudem wiesen fortan Rechteck- statt Doppelrundscheinwerfer den Weg durch die Nacht.

Alles auf Anfang?

Selbst zwei Jahre, bevor die Fertigung auslief, überarbeitete Alfa Romeo nochmals das Exterieur. Neben erneut modifizierten Stoßfängern und Rückleuchten gab es nun wieder einen mit Doppelrundscheinwerfern bestückten Kühlergrill. Die nach Amerika verschifften Alfa Romeo Alfetta verfügten zudem fortan über eine Einspritzanlage. Denn mit den bisher verbauten Doppelvergaser waren die Abgasvorschriften in der Neuen Welt nicht zu erfüllen. 1984 verließ die letzte Alfetta das Werk in Arese bei Mailand. Im ehemaligen Alfetta-Werk ist heute übrigens das Museum des Herstellers zu Hause.

Alfa Romeo GTV aus der Deutsche Produktionswagen-Meisterschaft 1984
1984 und 1985 trat das Team Marko RSM mit dem Alfa Romeo GTV in der Deutschen Produktionswagen-Meisterschaft an. Peter Oberndorfer belegte mit dem Alfa Romeo die Meisterschaftsplätze 15 (1984) und 6 (1985). (Foto: Alfa Romeo)

In zwölf Jahren fertigte Alfa Romeo genau 478.812 Exemplare der Limousine. Die Alfetta gehört damit zu den erfolgreichsten Limousinen des Hauses. Das Sportcoupé GT beziehungsweise GTV baute Alfa Romeo noch zwei Jahre länger als die Limousine. Das Transaxle-Prinzip lebte in der kleineren Giulietta (ab 1977), dem Alfetta-Nachfolger Alfa 90 (ab 1984), im Alfa 75 (ab 1985) sowie den Sportwagen SZ (ab 1989) und RZ (ab 1992) weiter. Auch im 2007 bediente sich Alfa Romeo im 450 PS starken Sportwagen 8C Competizione des bewährten Baumusters.

Trotzdem ist die Alfetta heute fast völlig vergessen. In den großen Automobilbörsen des Internets sind Angebote der Limousine rar. Trotzdem sind die Preise – im Vergleich zu anderen Fahrzeugen – dieser Epoche noch vergleichsweise moderat; wobei die Mehrzahl der Exemplare von italienischen Händlern angeboten werden. Eine Restaurationsbasis soll immer noch rund 5.000 € kosten. Nur gepflegte Exemplare mit deutschem „TÜV“ und H-Zulassung überspringen die Schwelle von 10.000 €. In Zeiten explodierender Oldtimer-Preise macht das eine Alfa Romeo Alfetta fast schon zu einem Geheimtipp.


Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
1972 stellte Alfa Romeo die heute legendäre Alfa Romeo Alfetta vor. Die Limousine trug den Namen des Formel-1-Weltmeisters von 1950 und 1951. Der Grund war, dass bei beiden Fahrzeugen der Motor vorn und das Getriebe zusammen mit dem Differential hinten eingebaut war.

Foto: Alfa Romeo

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Als Kind der 1970er-Jahre hatte Tom das große Vergnügen, in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Das war der optimale Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Denn Tom Schwede moderiert seit 2010 bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland. So ist Tom unter anderem bei den Classic Days auf Schloß Dyck oder dem 1.000 Kilometer-Rennen am Nürburgring zu hören.

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