Bis in die 1960er-Jahre wird der Käfer mehr verteilt als verkauft. Anfang der 1970er-Jahre stockt der Absatz. Opel Kadett, Ford Escort oder der Fiat 127 setzten dem Platzhirsch zu. VW modernisiert den Käfer und reagiert mit Sondermodellen, die Namen wie Jeans, City oder Big trugen. Und dem Gelb-Schwarzen Renner, der jetzt Vorlage für einen neuen Beetle ist.

Bereits 1970 stellt Volkswagen unter dem Druck der Wettbewerber mit dem 1302 einen stark überarbeiteten Käfer vor. Im verlängerten Vorderwagen setzen die Techniker erstmals auf MacPherson-Federbeine statt auf die von Ferdinand Porsche entwickelte Kurbellenkerachse. Diese Änderung ermöglicht, unter der Fronthaube endlich einen richtigen Kofferraum unterzubringen.

Beetle GSR und Käfer GSR
40 Jahre nach dem Käfer GSR bietet VW jetzt den Beetle GSR an (Foto: Volkswagen)

An der Hinterachse ersetzt eine Schräglenkerachse die Pendelachse des Urmodells. Zwei Jahre später bekommt der Käfer wegen drohender US-Vorschriften zum Insassenschutz noch eine stark gewölbte Frontscheibe. Mit dem inzwischen als VW 1303 verkauften Auto ist der Endpunkt der langen Käfer-Geschichte erreicht.

In den Weiten des Konzerns träumen die Entwickler vom Superkäfer

Mit ihm wollen die Techniker die Rallye-Szene aufmischen. Bereits seit 1966 nimmt die Sportabteilung von Porsche Salzburg mit dem Käfer regelmäßig an Rallyes teil. Im Werk gibt es einige, die diese Auftritte nicht nur den Österreichern überlassen wollen. In Wolfsburg würden sie dazu gern den Motor des Porsche 914 in den Käfer verpflanzen. Oder zumindest ein paar Weber-Doppelvergaser offiziell homologieren.

Ihr Rallye-Projekt startet mit Rückendeckung durch Rudolf Leiding, den Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG. Doch als die Produktionsplanung ansteht, finden sich weder der Motor des 914 noch die Weber-Vergaser im Käfer wieder. Unter der Motorhaube des sportlichen Käfers gibt es einen serienmäßigen 1600er-Motor mit 50 PS. Der Vorstand gestattet nur den Einbau von Scheibenbremsen vorne, einem lederbezogenen Sportlenkrad, Sportsitzen und 5,5×15 Zoll große Stahl-Sporträder.

Dazu fällt die Entscheidung, den Käfer mit einer auffälligen Lackierung anzubieten. Die ausschließlich in saturngelb lieferbaren Käfer bekommen eine mattschwarze Front und Motorhaube. Ein Trick, der aus dem Rallye-Sport stammt. Denn bei den heißen Afrika-Rallyes verhindert die schwarze Lackierung der Fronthaube störende Reflexionen.

3.500 Exemplare finden 1973 ihre Kunden

Volkswagen erteilt den Tunern die Freigabe, den Motor dieses Käfers bis 100 PS zu tunen. Zudem bietet Volkswagen selbst offiziell Sportteile für den Gelb-Schwarzen Renner an. In den damaligen Preislisten finden sich Extras wie die Karosserieversteifungen des Käfer Cabrios. Sie sind notwendig, um nach dem nachträglichen Einbau eines Porsche-Motors die Karosserie zu verstärken. Bei Versuchsfahrten hat sich gezeigt, dass die Karosserie sonst zu Rissen neigt.

Ein Umbau, der damals durchaus üblich war. Aber auch „normale“ Gelb-Schwarze Renner werden gern modifiziert und entsprechend oft verheizt. Dadurch ist der Sport-Käfer heute ein knappes Gut. Weniger als 200 Exemplare sollen erhalten sein. Das macht gute und originale 1303 S GSR inzwischen zu den gesuchtesten und damit teuersten 70er-Jahre-Versionen des Käfers.

Vorbild für den Beetle GSR

40 Jahre nach dem Vorbild bietet VW jetzt das auf 3.500 Exemplare limitierte Sondermodell Beetle GSR an. Wie einst der Käfer geht auch der Nachfolger 2013 mit einer zweifarbigen Lackierung an den Start. Neben dem Gelb-Schwarz von 1973 ist das aktuelle Modell alternativ auch in Grau-Schwarz bestellbar. Der Vergleich der beiden GSR dokumentiert 40 Jahre Fortschritt im Automobilbau.

Beetle GSR
Zwei ungleiche Brüder: Beetle GSR und Käfer GSR (Foto: Volkswagen)

Statt 50 PS verfügt der heutige GSR über 210 PS. Während die Höchstgeschwindigkeit des Originals bei 145 km/h liegt, ist das aktuelle Modell bei Bedarf bis zu 229 km/h schnell. Dazu kommt ein Ausstattungsniveau, das 1973 nicht einmal Raumschiff Enterprise bot. Bestellbar ist der Beetle GSR bereits jetzt. Geliefert wird das Sportmodell, das in Deutschland zum Preis von 30.300 Euro angeboten wird, ab Herbst.

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