Der Bricklin SV-1 gehört zu den seltensten Autos, die Du in Deutschland treffen kannst. Denn obwohl 1974 und 1975 immerhin 2.875 Exemplare des Sportwagens entstanden, blieb der Kanadier in Europa fast unbekannt. Hersteller Bricklin hatte damals nur den US-Markt im Visier. Außerhalb der USA bot Bricklin den SV-1 nicht an.

Hinter dem Sportwagen stand der US-Millionär Malcolm Bricklin. Bricklin – bei Gründung des Unternehmens gerade Mitte 30 – hatte sein Geld mit dem Import und Verkauf von Subaru Fahrzeugen in Nordamerika verdient. Mit dem Bricklin SV-1 stieg Malcolm Bricklin zum Hersteller auf. Ganz dem Zeitgeist folgend, wollte Bricklin einen besonders sicheren und wirtschaftlichen Sportwagen auf die Räder stellen. In den frühen 1970er-Jahren war das in den USA ein großes Thema.

Zusammen mit Konstrukteur Herb Trasse zog Bricklin das Projekt konsequent durch. Von außen sichtbar sind die Stoßfänger, die bei einer Kollision nachgeben und anschließend hydraulisch in die Ausgangsposition zurückfahren. Unter der in fünf Sicherheitsfarben (Weiß, Rot, Grün, Orange und Sonnenbräune) lieferbaren GFK-Karosserie gab es einen Überrollbügel sowie Verstärkungen in den Türen. Dazu fehlte im Bricklin SV-1 ein Aschenbecher. Nichtraucher Malcolm Bricklin war überzeugt davon, dass das Rauchen vom Fahren ablenken würde.

Bricklin SV-1 hat Übergewicht

Doch die Sicherheit hatte ihren Preis. Der Sportwagen war übergewichtig. Zudem war das Fahrwerk typisch amerikanisch. Vorne mit Querlenkern und modernen Stoßdämpfern ausgerüstet, gibt es im Heck eine Starrachse mit Blattfedern. Bei den ersten 780 Exemplaren lieferte AMC den Motor. Doch als Bricklin Probleme hatte, seine Rechnungen zu bezahlen, wich der 5,9 Liter große AMC 360 V8 einem Motor von Ford.

Mit dem Ford Windsor V8 (5,752 Liter Hubraum) legte die Performance des Flügeltürers zu. Zeitgenössischen Tests galt der Bricklin SV-1 durchaus als Herausforderer der Chevrolet Corvette Stingray. Trotzdem hatte das Abenteuer Bricklin SV-1 bald ein Ende. Denn Malcolm Bricklin hatte den Produktionsstandort Kanada gewählt, weil die Kanadische Regierung das Schaffen von Arbeitsplätzen mit kräftigen Subventionen förderte. Doch den 1.200 Mitarbeitern fiel es besonders im ersten Jahr schwer, die gesteckten Produktionsziele zu erreichen.

Damit kam weniger Geld als geplant in die Kasse. Malcolm Bricklin kam seinen Zahlungsverpflichtungen wohl nicht wie erwartet nach. Die kanadische Regierung zog die Reißleine und leitete das Konkursverfahren ein. Ein Rettungsversuch mißlang. Nach zwei Jahren war der Automobilhersteller Bricklin Geschichte. Von den 2.875 Sportwagen, die bei Bricklin entstanden, sollten heute noch rund 400 Fahrzeuge existieren.

Das Time Magazin zählte den Flügeltüren im 2007 übrigens zu den 50 schrecklichsten Fahrzeugen. Malcolm Bricklin kehrte übrigens einige Jahre nach der Pleite in das Autogeschäft zurück. Zunächst importierte Bricklin den Fiat X 1/9. Dann platzierte der Unternehmer erfolgreich den Yugo auf dem US-Markt, verkaufte die Yugo-Importgesellschaft jedoch rechtzeitig vor dem Jugoslawien-Embargo.

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