Rennsport-Geschichten

Motorsport von 40 Jahren: Februar 1982

Vom Bumpergate in Daytona und dem ersten Sieg des Audi Quattro in der Rallye-Weltmeisterschaft

Der Februar war auch 1982 kein besonderer Motorsport-Monat. Trotzdem gab es mit dem Daytona 500 und der Rallye Schweden auch vor vier Jahrzehnten im zweiten Monat des Kalenders Veranstaltungen, die noch heute einen Rückblick wert sind. Denn beim großen Rennen in Amerika gab es einen Skandal, der die Fans bis heute beschäftigt. Und in Schweden brach im Rallye-Sport mit dem Erfolg des Audi Quattro eine Zeitenwende an.

Bumpergate beim Daytona 500 1982

Zwei Wochen nach den 24 Stunden von Daytona stand auf dem Oval in Florida mit dem Daytona 500 das wichtigste Stockcar-Rennen des Jahres an. Am 14. Februar 1982 sicherte sich Bobby Allison in einem Buick Regal den Sieg in einem ungewöhnlichen NASCAR-Rennen. Denn erstmals seit 1971 ging kein Auto von Chevrolet ins Rennen. Allison, der damals als beliebtester Pilot der Szene galt, führte 147 der insgesamt 200 Runden. Trotz insgesamt 31 Führungswechseln war das Rennen nur scheinbar spannend. Denn Bobby Allison spielte mit den Kontrahenten, gewann am Ende sogar mit einem Vorsprung von 23 Sekunden.

Das ist bei NASCAR-Rennen genauso selten wie bemerkenswert. Entsprechend groß waren im Anschluss die Kontroversen. Denn bereits in Runde drei verlor der von Allison gesteuerte Buick die hintere Stoßstange. Ein leichter Rempler des Buick von Cale Yarborough reichte aus, um die Stoßstange zu lösen. Diese flog in die Luft und landete mitten im Feld der Verfolger. Das sorgte für die erste Gelbphase des Rennens. Anschließend war Allison zur Überraschung aller ohne Stoßstange den Kontrahenten überlegen. Der Buick-Pilot konnte sich sogar von Verfolgern absetzen, die im Windschatten zusammenarbeiteten.

Tim Brewer deutete nach dem Rennen an, dass Allisons Team den Vorteil kannte. Neben der Aerodynamik beeinflusste, so der Teamchef von Yarborough, das Fehlen der Stoßstange auch die Gewichtsverteilung positiv. Deshalb war Brewer sich sicher, dass das Team die Stoßstange mit Hohlschrauben oder Draht befestigt habe, um sie im Rennen zu verlieren. Allison Crew-Chief Gary Nelson und sein Pilot wiesen natürlich alle Vorwürfe zurück. Sie behielten trotz der Anschuldigungen den Sieg. Fans der NASCAR kennen den Vorfall heute als „Bumpergate“.

Bei der Rallye Schweden 1982 siegt erstmals der Audi Quattro!

Zum Beginn der Saison 1982 stieg Audi in die Rallye-Weltmeisterschaft ein. Hier bot sich die optimale Bühne, um den neuen Audi Quattro in die Auslage zu stellen. Mit dessen vier angetriebenen Rädern definierten die Ingolstädter nebenbei die Spielregeln in der Rallye-Szene neu. Das Projekt „Allrad“ bei Audi ging auf eine Beobachtung bei Testfahrten im Winter 1976/77 zurück. Im tief verschneiten Schweden wollte Audi erproben, wie viel Leistung der Frontantrieb des Audi 200 unter diesen Bedingungen verkraftet.

Wie 1981 gewann Hannu Mikkola auch 1982 die Lombard RAC Rallye. Bereits im Februar 1982 siegte der Finne als erster Pilot mit einem Allrad-Fahrzeug bei einem Lauf der Rallye-Weltmeisterschaft (Foto: Audi AG).
Wie 1981 gewann Hannu Mikkola auch 1982 die Lombard RAC Rallye. Bereits im Februar 1982 siegte der Finne als erster Pilot mit einem Allrad-Fahrzeug bei einem Lauf der Rallye-Weltmeisterschaft (Foto: Audi AG).

Für den Fall der Fälle, dass sich einer der Prototyen festfuhr, gehörte auch ein VW Iltis zum Fuhrpark der Entwickler. Der hochbeinige Geländewagen für die Bundeswehr stammte trotz seines Namens von Audi, ging auf den DKW Munga zurück. Bei den Testfahrten in Schweden erwies sich der Iltis den viel stärkeren frontgetriebenen Prototypen fahrdynamisch als überlegen. Die Techniker ersannen den Plan, in einem leistungsstarken Pkw Allradantrieb anzubieten.

Erste Prototypen „hüpften“ bei Kurvenfahrt. Der Allradantrieb verspannte sich. Wegen der an Vorder- und Hinterachse bei Kurvenfahrt leicht unterschiedlichen Kurvenradien rutschten die Räder an einer Achse durch. Mit einem Mittendifferenzial und zwei ineinanderlaufenden Antriebswellen gewöhnten die Techniker dieses Verhalten dem Auto erfolgreich ab. 1980 stand der Audi Quattro auf dem Genfer Automobilsalon. 1981 setzte Audi die Technik bei ausgewählten Rallyes in Österreich ein, um Erfahrungen zu sammeln. Ein Jahr später folgte der Schritt auf die WM-Bühne.

Bei der Rallye Monte Carlo verhinderten im Januar 1982 noch ein Unfall von Audi-Speerspitze Hannu Mikkola sowie ein großartiger Walter Röhrl den Erfolg. Doch beim zweiten Saisonlauf in Schweden gab es im Februar 1982 endgültig kein Halten mehr. Der Finne Mikkola und sein schwedischer Beifahrer Arne Herz gewannen die Winter-Rallye auf Eis und Schnee. Es war der erste WM-Sieg für Audi. Damit landete der Autobauer in der Tagesschau. Diese Werbung „bezahlte“ vermutlich das ganze Projekt. Denn mit dem Sieg bei einer WM-Rallye leitete die damalige Beamten- und Großvater-Marke Audi ihren Imagewechsel ein.

Und was machte die Formel 1 im Februar 1982?

Nach dem Auftakt im Januar, bei dem der Streik der Piloten für Aufregung sorgte, legte die Königsklasse des Motorsports im Februar 1982 eine zweite Winterpause ein. Denn nach dem Rennen von Südafrika stand der zweite Saisonlauf erst am 21. März in Brasilien an. Dabei spielte auch eine Rolle, dass der für den 7. März geplante Lauf in Argentinien ins Wasser fiel. Die Fédération Internationale du Sport Automobile (FISA) betonte, dass der lokale Veranstalter nach dem Streik von Kyalami Sponsoren verlor. Daher sei eine Absage unausweichlich. Damit schob die FISA den Piloten öffentlich die Schuld für die Absage zu.

Tatsächlich lagen die Gründe etwas anders. Denn hinter den Kulissen stritt sich die FISA mit der Teamvereinigung FOCA, die um mehr Geld für die Teams kämpfte. FOCA-Boss Bernie Ecclestone betonte, dass sich ohne die Teams kein Rad drehen würde. Um den Teams mehr Geld zahlen zu können, sollten die Veranstalter „bluten“. Die Argentinier machten da nicht mehr mit und verzichteten auf das Rennen. Damit waren sie nicht allein. Ein Anfang Februar veröffentlichter Rennkalender enthielt ein Rennen in Spanien, das schließlich ebenfalls nicht stattfand. Zudem verschob dieser Kalender „plötzlich“ das Ende der Saison. Das zeigt, was für eine andere Welt die Formel 1 vor 40 Jahren im Vergleich zu heute war.


Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Stig Blomqvist, Audi Rallye-Weltmeister von 1984 im Sport quattro Rallye

Foto: AUDI AG

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Als Kind der 1970er-Jahre hatte Tom das große Vergnügen, in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Das war der optimale Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Denn Tom Schwede moderiert seit 2010 bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland. So ist Tom unter anderem bei den Classic Days auf Schloß Dyck oder dem 1.000 Kilometer-Rennen am Nürburgring zu hören.

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