Motorsport vor 40 Jahren: Februar 1984

Cale Yarborough

Motorsport im Februar? Das steht vor allem für Rennen in Daytona. Das war auch im Februar 1984 nicht anders. Denn zunächst stand Anfang Februar 1984 das 24 Stunden Rennen von Daytona an. Zwei Wochen später folgten die 500 Meilen von Daytona.

Die 24 Stunden von Daytona waren auch 1984 der Auftakt zur IMSA GTP-Meisterschaft des Jahres. Anders als noch am Anfang des Jahrzehnts gehörten sie jedoch nicht mehr zur Sportwagen-Weltmeisterschaft. Damit verschwand das Rennen etwas aus dem Blickfeld der europäischen Fans. Zudem fuhren im High-Tech-Land „gefühlt“ alte Autos. Denn der Dominator des europäischen Sportwagensports, der Porsche 956 war in den USA nicht startberechtigt. Die IMSA-Regeln sahen vor, dass sich die Pedale hinter der Vorderachse befinden. Das war beim Porsche 956 nicht der Fall und versperrte dem mehrfachen Le Mans-Gewinner den Weg nach Nordamerika.


IMSA? Das war 1984 eine Serie für alte Rennwagen – Porsche änderte das!

So bestand das Feld der Prototypen in der amerikanischen IMSA-Serie und bei den 24 Stunden von Daytona überwiegend aus „alten“ Porsche 935 sowie Prototypen von March und Lola. Zudem brachte die Group 44 von Bob Tullius mit dem Jaguar XJR-5 den ersten modernen Sportwagen von Jaguar an den Start. Wobei – trotz des Namens – nur der Motor aus Coventry stammte. Konstruktion und Bau des XJR-5 übernahm die Group 44 in den USA. Chefdesigner des XJR-5 war der Amerikaner Lee Dykstra. Die Aerodynamiker Max Schenkel und Randy Wittine unterstützten Dykstra bei der Konstruktion des Fahrzeugs.

Doch auch Porsche verlor die IMSA nicht aus den Augen. Denn die Preisgeldtöpfe in Nordamerika waren traditionell gut gefüllt. Zudem erholte sich der Dollar nach dem Tiefstand 1980, als der Dollar im Jahresmittel nur 1,82 D-Mark kostete. 1983 lag der Kurs schon wieder bei 2,55 D-Mark. Der Verkauf von ein paar zusätzlichen Rennwagen hätte der Bilanz des kleinen Autobauers geholfen. So besserte Porsche nach und stellte den zu den IMSAA-Regeln passenden Porsche 962 vor. Neben der Position der Fahrerfüße betraf die Anpassung auch die Gestaltung des Überrollbügel sowie den Motor. Denn in der Sportwagen-WM fuhr Porsche mit zwei Turbos und einem wassergekühlten Motor.

Im Februar 1984 debütierte der Porsche 962!

Da Porsche diesen Motor nicht in einem Serienmodell anbot, war ihm der Weg in die IMSA versperrt. Daher bestückte Porsche die 962 für Nordamerika mit dem bewährten luftgekühlten Boxer mit Einzel-Turbolader, der schon den Porsche 935 antrieb. Bei den 24 Stunden von Daytona feierte der neue Porsche 962 im Februar 1984 sein Renndebüt. Im Cockpit des offiziellen Werkswagen saßen Mario und Michael Andretti. Sie sicherten dem neuen 962 bei seinem Debüt prompt den besten Startplatz. Wobei sie die Konkurrenz auf eine Runde um fast zwei Sekunden deklassierten.

Porsche 962 in der IMSA
Den ersten Porsche 962 übernahm nach dem Werkseinsatz im Februar 1984 in Daytona das Team Bayside Disposal Racing des Müllunternehmers Bruce Leven. Es gewann mit dem 962 zweimal in Sebring. (Foto: Jack Webster – Archiv Wiedl)

Auch im Rennen führten Vater und Sohn zunächst. Doch dann beendete ein Schaden am Antriebsstrang die Fahrt vorzeitig. So ging der Sieg an den March 83G von Kreepy Krauly Racing. Ihn steuerten die Südafrikaner Sarel van der Merwe, Graham Duxbury und Tony Martin. Doch darüber sprach nach dem Rennen kaum jemand. Zu beeindruckend war – trotz des Ausfalls – der Auftritt des neuen Porsche. Nach dem Rennen im Februar 1984 übernahm den Andretti-Porsche sofort das Team Bayside Disposal Racing des Müllunternehmers Bruce Leven. Bob Akin und Al Holbert bekamen wenigen Wochen später zwei weitere 962 von Porsche.

Cale Yarborough knackte die Marke von 200 Meilen pro Stunde!

Mit dem 500 Meilen von Daytona nahm die Nascar im Februar 1984 ihre Saison auf. Das Rennen sicherte sich Cale Yarborough. Für den Piloten aus South Carolina war es der vierte Erfolg beim lukrativsten Rennen der Nascar-Szene. Schon in der Qualifikation deutete Yarborough an, dass auch 1984 mit ihm zu rechnen sei. Denn als erster Fahrer überhaupt qualifizierte sich Yarborough mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 200 Meilen pro Stunde. Mit seinem Chevrolet Monte Carlo umrundete Yarborough das 2,5 Meilen lange Trioval des Daytona International Speedway mit einem Durchschnittstempo von 201,848 Meilen pro Stunde. Das entspricht 324,843 Kilometern pro Stunde.

Cale Yarborough gewann im Februar 1984 die 500 Meilen von Daytona.
Cale Yarborough mit seinem Chevrolet Monte Carlo – hier in Pocono – gewann im Februar 1984 die 500 Meilen von Daytona. (Foto: Ted Van Pelt)

Am Renntag gab Ronald Reagan den Befehl „Gentlemen, start your engines!“. Der US-Präsident war dafür allerdings nicht vor Ort in Florida. Reagan gab das Kommando per Telefon zugeschaltet aus dem Weißen Haus. In der Anfangsphase des Rennens führten abwechselnd Pole-Setter Yarborough, Bobby Allison, Dale Earnhardt und Richard Petty. Doch bei „King Richard“ und dem Gründer der Alabama Gang Allison führten mechanische Probleme an ihren Rennwagen früh zum Aus. Im Laufe des Rennens zeigte sich immer wieder, dass Yarborough das schnellste Auto hatte. Denn der Meister der Jahre 1976, 1977 und 1978 zog im Rennen mehrfach auf der Außenbahn an Kontrahenten vorbei, um sich nach einem Boxenstopp verlorene Plätze zurückzuholen.

Während 51 der 100 Runden lag Cale Yarborough in Führung. Beim Zieleinlauf hatte sein Chevrolet acht Autolängen Vorsprung auf den Zweiten Dale Earnhardt. Damit fuhr zum ersten Mal seit 1962 „Fireball“ Roberts ein Pilot zum absoluten Daytona-Triumph. Denn Yarborough gewann im Februar 1984 sein Qualifikationsrennen, sicherte sich den besten Startplatz und führte die Mehrzahl der Runden. Zudem war Yarborough der erste Fahrer, der die 500 Meilen von Daytona zweimal vom besten Startplatz aus gewann. Cale Yarborough, der Sylvester des vergangenen Jahres mit 84 Jahren starb, fuhr von 1957 bis 1988 in Nascar Cup. Dabei gewann Yarborough 83 mal und platzierte sich bei 319 Rennen in den Top Ten.


Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Cale Yarborough mit seinem Chevrolet Monte Carlo – hier in Pocono – gewann die 500 Meilen von Daytona.

Foto: Ted Van Pelt – Creative Commons Attribution 2.0 Generic license. – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cale_Yarborough_Pocono_1984.jpg

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Als Kind der 1970er-Jahre hatte Tom das große Vergnügen, in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Das war der optimale Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Denn Tom Schwede moderiert seit 2010 bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland. So ist Tom unter anderem bei den Classic Days (früher Schloß Dyck, heute in Düsseldorf) oder dem 1.000 Kilometer-Rennen am Nürburgring zu hören. Wenn Sie also einen Moderator oder Streckensprecher für Ihre Oldtimer-Rallye oder Ihr Oldtimer-Treffen suchen, dann sind Sie bei Tom definitiv richtig!

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