1908 gebaut, kam der unter dem Namen „Mefistofele“ in die Automobilgeschichte eingegangene „FIAT SB4“ im vergleichsweise hohen Autoalter von 16 Jahren zu spätem Ruhm. Der Brite Ernest Eldridge brach mit dem Boliden den Geschwindigkeitsweltrekord für Landfahrzeuge. Auf einer öffentlichen Landstraße in der Nähe der französischen Gemeinde Arpajon – etwa 30 Kilometer südwestlich von Paris – war der Brite bei seiner Rekordfahrt mit dem „Mefistofele“ am 12. Juli 1924 stattliche 234,98 km/h schnell.

Der britische Automobil-Ingenieur Ernest Eldridge, geboren 1897 hatte sich nach dem Ersten Weltkrieg an der Rennstrecke von Brooklands niedergelassen. Dort hatte sich Eldridge – selbst Inhaber einer Fluglizenz – darauf spezialisiert, Flugmotoren in Rennwagen zu verpflanzen. Überliefert ist der Einsatz eines Maybach-Motors in dem Fahrgestell eines 1907er Isotta-Fraschini.

1922 kaufte Eldridge vom Rennfahrerkollegen John Duff einen 1908er FIAT SB4. Duff war zuvor in einem Rennen in Brooklands der Motor seines Rennwagens explodiert. Das defekte Fahrzeug bot Eldridge die optimalen Voraussetzungen, für den Aufbau eines Rekordfahrzeugs. Der SB4 bot so gute Voraussetzungen, weil er war als ehemaliger Grand Prix Rennwagen nur mit einer minimalen Karosserie ausgerüstet war und das Fahrgestell vergleichsweise einfach modifiziert werden konnte.

Als Motor wählte der Brite diesmal einen Sechszylinder-Reihenmotor mit einem Hubraum von 21.706 cm³, der – wie damals üblich – über eine Kette die Hinterachse antreiben sollte. Da das rund 320 PS starke FIAT Aggregat für den Einsatz im SB4 viel zu lang war, verlängerte Eldridge den Vorderwagen. Die Komponenten dafür stammten aus einem Londoner Autobus. Bereits im Oktober 1923 verbesserte Eldridge in Brooklands mit dem „Mefistofele“ getauften Gefährt den Rekord für die 1/2 Meile mit stehenden Start.

Im Sommer 1924 trat Eldridge dann in Frankreich zum Rekordversuch an. Am 5. Juli erreichte Eldridge in der Nähe von Arpajon über den „Fliegenden Kilometer“ eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 230,55 km/h. Doch dem Rekord blieb die Anerkennung versagt, da der „Mefistofele“ über keinen Rückwärtsgang verfügte. Statt Eldridge trug sich zunächst der Franzose René Thomas, der mit einem „Delage La Torpille“ einen Tag später an gleicher Stelle 230,47 Kilometer schnell war, in die Rekordlisten ein.

Gerade einmal sechs Tage später wies Eldridge den Einbau eines Rückwärtsgangs nach und trat erneut zur Rekordfahrt an. Jetzt erreichte der Brite eine Geschwindigkeit von 234,98 km/h. Damit hatte Eldridge sein Ziel erreicht – unklar ist, ob der „Mefistofele“ dabei tatsächlich mit einem Rückwärtsgang ausgerüstet war, denn das Weltrekordgetriebe gilt seit den Rekordfahrten als verschwunden.

Der Faszination, die von dem „Mefistofele“ ausgeht, tut das keinen Abbruch. Der Rennwagen besticht – trotz seiner gigantischen Ausmaße – mit einer schlichten Eleganz. Ernest Eldridge verbesserte mit dem „Mefistofele“ noch die Distanzrekorde über 5 und 10 Kilometer, bevor er den „Mefistofele“ an einen unter dem Pseudonym „Le Champion“ bekannten französischen Rennfahrer verkaufte. Heute gehört der „Mefistofele“ zur Sammlung des „Centro Storico Fiat“ in Turin.

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