Autoentwickler sind immer auf der Suche nach einem besseren Antrieb. In den 1950er und 1960er-Jahren galt die Gasturbine als das kommende Auto-Triebwerk. Rover gehörte zu den Pionieren dieser Technik und war dicht am Serieneinsatz.

Vor ein paar Tagen fand ich in der wunderbaren Zeitschrift AUTOMOBILSPORT einen Artikel über den Lotus 56. Bei diesem Rennwagen vertrauten Lotus-Chef Colin Chapman und Chefdesigner Maurice Philippe auf eine Gasturbine. Das brachte mich auf die Idee zu forschen, was es noch für Gasturbinen-Projekte im Auto gab. Erstaunlich viele Projekte habe ich gefunden.

Der Autobau und die Luftfahrt haben sich mehrmals in der Geschichte gegenseitig befruchtet. Insofern war es kein Wunder, dass die Autobauer in den 1940er-Jahren mit Interesse zu den Flugzeugbauern herüberblickten. Denn dort verdrängten binnen kurzer Zeit die damals neuen Strahltriebwerke und Propellerturbinen die in der Luftfahrt traditionell hoch entwickelten Kolbenmotoren. Also probierten besonders in den 1950er-Jahren gleich zahlreichen Autobauer, ob Gasturbinen auch im Auto funktionieren.

Rover macht den Anfang

Die ersten Überlegungen dürfte es bei Rover gegeben haben. Denn bereits 1939 hatte die britische Regierung den Autobauer um Hilfe gebeten, um die vom Piloten Frank Whittle entwickelten Strahltriebwerke zur Serienreife zu bringen. Auch wenn Rover die Rechte an diesen Triebwerken später an Rolls-Royce abtrat, blieben die vom Strahltriebwerk abgeleiteten Gasturbinen auch bei Rover ein Thema.

Ab 1948 arbeitete der britische Autobauer – in Zusammenarbeit mit Rolls-Royce – daran, eine Gasturbine in das Chassis eines Rover P4 zu verpflanzen. Am 14. März 1950 drehte der dabei als Rennwagen konstruierte Rover JET 1 seine ersten Runden. Die rund 100 PS (74 kW) starke Turbine trieb den zweisitzigen Mittelmotorsportwagen auf eine Spitzengeschwindigkeit von 136 Kilometern pro Stunde.

Premiere des Rover JET 1 im Jahr 1950

Wobei man sich vom Namen „JET“ nicht täuschen lassen darf. In diesem Auto gab es kein Strahltriebwerk, das den Rennwagen vorwärtstrieb. Die Entwickler hatten die Welle der Turbine über eine Kupplung mit dem Antrieb des P4-Chassis verbunden. Ein Prinzip, dem auch die meisten der folgenden Projekte zunächst folgen sollten.

Rover bleibt am Ball

In den folgenden Jahren verbesserte der Autobauer seinen JET kontinuierlich. Mit einer stärkeren Turbine standen schon 1952 bereits 230 PS (169 kW) zur Verfügung. Ingenieur Charles Spencer „Spen“ King sicherte sich mit einem Tempo von 244,56 Kilometern pro Stunde (151,965 Meilen pro Stunde) über den fliegenden Kilometer den Weltrekord für turbinengetriebene Fahrzeuge.

Gefahren wurde dieser Rekord übrigens auf der Autobahn im belgischen Jabbeke. Dort führte der Royal Automobile Club of Belgium in den 1940er und 1950er Jahren regelmäßig Rekordfahrten durch. Auf den JET 1 folgte ebenfalls 1952 der wenig beachtete T2.

Rover Gasturbinen-Prototyp T3 (Foto: Tom Schwede)
Rover Gasturbinen-Prototyp T3 (Foto: Tom Schwede)

Erst mit dem vier Jahre später vorgestellten T3 ging das Unternehmen wieder verstärkt an die Öffentlichkeit. Trotz seines immer noch vom Rover P4 abstammenden Chassis war der allradgetriebene T3 der erste Prototyp, der von Anfang an um die Gasturbine herumkonstruiert wurde.

T4 als Prototyp des Rover P6

Mit dem Rover T4 kündigte der britische Autobauer 1959 den P4-Nachfolger Rover P6 an. Denn die viertürige Limousine T4 nahm viele Designmerkmale des ab 1961 verfügbaren Rover P6 vorweg. Nur die flache Frontpartie des T4 sollte später so nicht mit dem P6 in Serie gehen. Genauso wie die vorne eingebaute Gasturbine, deren 140 PS (103 kW) im T4 über die Vorderräder auf die Straße gelangten.

Rover T4 von 1959
Der Rover T4 von 1959 – fast schon der P6 (Foto: Matthias v.d. Elbe)

Interessantes Detail am Rande ist, dass Rekordfahrer King bei Rover zum Projektleiter des P6 aufstieg. Bei diesem Fahrzeug dachte Rover ernsthaft darüber nach, auch im Serien P6 eine Gasturbine anzubieten. Beleg für diese Pläne ist die ungewöhnliche vordere Radaufhängung. Denn Umlenkarme und horizontal angeordnete Schraubenfedern sorgen für einen ungewöhnlich breiten Motorraum mit genug Platz für eine Gasturbine.

Rover versucht sich in Le Mans

Doch statt eines Serienmodells wagte sich Rover mit der Gasturbine nach Le Mans. Dabei arbeitet der Autobauer mit dem Team British Racing Motors des legendären Teamchefs Alfred Owen zusammen. B.R.M. 1962 gewann in der Formel 1 den Titel der Konstrukteure und mit Graham Hill den Titel des Fahrerweltmeisters. Als ein Jahr später in Le Mans der Rover-B.R.M. Type 00 ins Rennen geht, ist es also auch das Projekt eines der besten Motorsport-Teams dieser Jahre.

Rover-B.R.M. von 1965
Rover-B.R.M. von 1965 (Foto: David Merret)

Im Cockpit des Type 00 saßen prompt mit Richie Ginther und Graham Hill die Formel-1-Piloten von B.R.M. In Le Mans traten sie jedoch außer Konkurrenz an. Der ACO hatte schon immer ein Interesse an Konzeptfahrzeugen. 310 Runden absolvierten Ginther und Hill im Rennen. Als regulärer Teilnehmer ins Rennen gegangen, wäre das Ergebnis für einen siebten Platz gut gewesen.

Das sorgte dafür, dass die Partner das Projekt fortsetzten. Für das Rennen 1964 gab es eine neue Karosserie, doch am Ende ging das Fahrzeug noch nicht wieder ins Rennen. Erst 1965 stand die Gasturbine wieder in Le Mans am Start. Dabei gingen Jackie Stewart und Graham Hill sogar als reguläre Teilnehmer ins Rennen. Sie beendeten das Rennen auf einem guten zehnten Platz.

British Leyland beendet das Gasturbinen-Projekt

Doch dem Autobauer geht langsam das Geld aus. Daher endet die Zusammenarbeit  mit B.R.M. Und Rover versucht, seine wirtschaftlichen Probleme 1965 durch eine Fusion mit Alvis zu lösen. Doch das Unternehmen schreibt weiter Verluste und wird zwei Jahre später Teil der Leyland Motor Company.

1968 schließt sich Leyland mit der British Motor Corporation (BMC) zur British Leyland Motor Corporation wurde, kurz British Leyland zusammen. Obwohl Gasturbinen-Pionier „Spen“ King auch im neuen Unternehmen eine wichtige Rolle spielt, stellt British Leyland schließlich alle Projekte mit Gasturbinen ein.

3 Kommentare

  1. Tut nichts zur Sache Reply

    > Erstaunlich viele Projekte habe ich gefunden.

    Und dann geht es hier nur um Rover … lächerlich

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