Meinung und Kommentar

Test, Fahrbericht – Dacia Sandero Stepway dCi 90 (Baujahr 2013)

Über die Fahrzeuge von Dacia wurde auch in unserem Blog bereits viel diskutiert. Zentraler Punkt der Auseinandersetzung ist immer die Frage, wie viel Auto kann der Kunde bei den Preisen des rumänischen Ablegers von Renault erwarten. Eine ganze Menge, wie der Dacia Sandero Stepway dCi 90 in unserem Test 14 Tage lang bewiesen hat.

Ich blogge über Autos, weil ich das große Vergnügen hatte, in einem extrem automobilen Umfeld aufzuwachsen. Autos interessieren mich länger als alles andere, was mich heute noch interessiert. Nicht erst in den mehr als 25 Jahren, die ich offiziell als Fahrer am Autoverkehr teilnehmen darf, hat sich dabei ein sehr persönliches automobiles Wertesystem herausgebildet.

Beim Test von Fahrzeugen fällt es oft schwer, sich von den persönlichen Ansprüchen zu trennen. Dabei ist genau dies eine wichtige Voraussetzung, um ein Auto fair und angemessen beurteilen zu können. Wer ein Auto testet, sollte nie aus den Augen verlieren, für wen das Auto gemacht ist. Beim Dacia Sandero Stepway ist diese Einordnung gar nicht so einfach.

Ausstattung des Dacia Sandero Stepway dCi 90

Der von uns gefahrene Dacia Sandero Stepway in der Ausstattungsvariante „Prestige“ kostet mit dem 90 PS starken Diesel-Motor und einer Metallic-Lackierung 14.460 Euro. Dafür bekommt der Kunde ein vollständig ausgestattetes Fahrzeug der Kompaktklasse. Besonderheit des Steyway ist, dass die Karosserie gegenüber dem Standard-Sandero um 40 Millimeter höher gelegt ist.

Dacia Sandero Stepway
Der Dacia Sandero Stepway macht in unserem Test eine gute Figur. (Foto: Karla Schwede)

Die Innenausstattung des Spitzenmodells umfasst serienmäßig einen Tempomaten, eine Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung sowie eine Klimaanlage. Sie ist die heimliche Überraschung unseres Tests. Denn sie arbeitet fast völlig zugfrei. Ein Merkmal, das besonders Kontaktlinsenträger zu schätzen wissen.

Das Radio-Navigationssystem mit 7-Zoll-Touchscreen bezieht Dacia von LG. Es verfügt über einen Aux-In-Anschluß sowie eine USB-Schnittstelle. Wer hier ein iphone oder ein Android-Telefon wie das Nexus 4 anschließt, kann das Telefon sofort als Musikquelle nutzen. Wird es über Bluetooth angeschlossen, so steht auch eine Freisprecheinrichtung zur Verfügung. Sie funktioniert in unserem Test selbst bei Autobahnrichtgeschwindigkeit sehr gut, weil das Mikrofon Umgebungsgeräusche sauber trennt.

Klimaanlage im Dacia Sandero Stepway
Heimlicher Star in unserem Test: Die zugfreie Klimanalage im Dacia Sandero Stepway (Foto: Karla Schwede)

Einziger Kritikpunkt ist die Position des Bedienungssatelliten des Radio-Navigationssystems am Lenkrad. Mir versperrt das Lenkrad den Blick auf den Bedienhebel. Er ist damit für meinen Geschmack etwas unglücklich positioniert. Dies erfordert, einige Übung, um die Bedienung während der Fahrt blind vornehmen zu können. Unverständlich ist, warum Dacia die Bedienung nicht auf das Lenkrad packt. Dort gibt es stattdessen zwei große Tasten für den Tempomaten. Ich glaube, dass man das gut tauschen könnte.

Fahren im Dacia Sandero Stepway dCi 90

Auch beim Fahren habe ich im Test, der immerhin 14 Tage lang war, absolut nichts vermisst. Der kleine Rumäne hat Karla und mich zuverlässig überall hingebracht. Selbst auf längeren Strecken war das Fahren im Dacia völlig ermüdungsfrei. Die Sitzposition ist offensichtlich auch für größere Fahrer bequem. Die Position am Lenkrad ist dabei so gut, dass tatsächlich etwas Fahrspaß aufkommt.

Dazu trägt bei, dass sich der Sandero eine technische Plattform mit dem Renault Clio teilt. Das macht sich mit einem sehr agilen Fahrwerk bemerkbar. Der „Klein-SUV“ folgt Einlenkbefehlen am Volant unverzüglich und steckt auch Unebenheiten der Fahrbahn locker weg. Selbst auch richtig schlechten Straßen, wovon es im Ruhrgebiet definitiv zu viele gibt, fällt der Dacia Sandero Stepway nicht mit unangenehmen Geräuschen auf.

Der 1,5 Liter große Diesel-Motor verfügt Diesel-typisch über einen sehr langen Kupplungsweg, um keine Vibrationen des Diesels in den Innenraum zu übertragen. Auch an allen anderen Stellen hat Dacia den Sandero offensichtlich gut geräuschisoliert. Denn der Motor ist beim Fahren kaum zu hören und nicht unangenehm zu spüren. Auch an der Verarbeitungsqualität unseres Testfahrzeugs gibt es also absolut nichts zu bemängeln.

Mit den 90-PS des Motors schwimmt der Dacia im Stadtverkehr und auf der Autobahn immer gut mit. Dabei hilft auch die gute Abstimmung der fünf Gänge des leicht zu bedienenden Schaltgetriebes. Der Anschluss an den nächsten Gang passt in jeder Fahrsituation. Dank eines bereits bei 1.750 Umdrehungen pro Minute anliegenden maximalen Drehmoments von 220 Newtonmetern können Schaltfaule den Dacia in den meisten Situationen aber auch einfach im großen Gang bewegen.

Innenraum im Dacia Sandero Stepway
Den günstigen Preis des Dacia Sandero Stepway ermöglichen auch die manchmal einfachen Lösungen. Schlechter ist das Auto deshalb nicht.(Foto: Karla Schwede)

50 Liter Diesel passen in den Tank. Damit waren wir im Mischbetrieb des Ruhrgebiets fast 1.150 Kilometer unterwegs. Mit einem Durchschnittsverbrauch von 4,35 Litern Diesel für 100 Kilometer erwies sich der Dacia dabei als sehr genügsam. Der Dacia ist damit auch im Unterhalt ein Sparfuchs. Das gilt übrigens auch bei den Sicherheits- und Assistenzsystemen. Denn vieles, was die Wettbewerber inzwischen bieten, ist beim Sandero auch gegen Aufpreis nicht lieferbar.

Reaktionen auf den Dacia Sandero Stepway dCi 90

Offensichtlich ist eine Preisstrategie, wie sie Renault bei Dacia fährt, nicht jedermanns Sache. Während eine Nachbarin, die sich gar nicht für Autos interessiert, den Dacia spontan als „schick“ bezeichnete, rümpften andere die Nase. Ein befreundeter Anwalt stichelt auch nach dem Test noch über unseren – in seinen Augen – automobilen Abstieg.

Klar geworden ist, dass der kleine Rumäne nichts für Menschen ist, die ein Auto kaufen, weil sie sich davon Prestige versprechen. Wer aber ein Auto mit einem überzeugenden Preis-Leistungs-Verhältnis sucht, der liegt beim Dacia Sandero Stepway dCi 90 zweifelsfrei richtig. Insofern ist offensichtlich, für wen Dacia dieses Auto baut.

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Themen in diesem Artikel:

Als Kind der 1970er-Jahre hatte Tom das große Vergnügen, in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Das war der optimale Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Denn Tom Schwede moderiert seit 2010 bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland. So ist Tom unter anderem bei den Classic Days auf Schloß Dyck oder dem 1.000 Kilometer-Rennen am Nürburgring zu hören.