Der japanische Konstrukteur Dome strebte Mitte der 1990er-Jahre nach Höherem. Nachdem der Rennwagenbauer bereits in Le Mans, Der Formel 3 und der Formel 3000 Erfahrung gesammelt hatte, sollte nun ein rein japanisches Nationalteam die Formel 1 erobern. Im Frühjahr 1996 präsentierte das Team stolz einen Dome F105. Es war ein kompaktes Fahrzeug, das ein V10 von Mugen antrieb. Bridgestone, damals noch gar nicht in der Formel 1 vertreten, lieferte die passenden Reifen.
Erst testen, das starten – der Plan klang gut!
Der Plan war, das Fahrzeug im Laufe des Jahres 1996 auf Herz und Nieren zu prüfen, um 1997 mit einem fertig entwickelten Auto in die Formel 1-Weltmeisterschaft einzusteigen. Die Realität auf der Rennstrecke in Suzuka war jedoch ernüchternd. Die Piloten Naoki Hattori, Marco Apicella und Shinji Nakano testeten viel, doch die Zeitnahme war unerbittlich. Mit einer Bestzeit von 1:46,270 Minuten fehlte dem Dome F105 einfach die nötige Grundgeschwindigkeit. Der Abstand zu den etablierten Teams war groß.
Zum Vergleich: Jacques Villeneuve fuhr im Williams-Renault mit einer Zeit von 1:38,909 Minuten beim Großen Preis von Japan auf die Pole Position. Das Defizit des japanischen Rennwagens war, auch wenn er seine Zeiten an anderen Tagen fuhr, unter dem damaligen Reglement fatal. Denn die berüchtigte 107-Prozent-Regel besagte, dass sich nur qualifizierte, wer auf den Pole-Setter nicht zu viel Zeit verlor. Beim Grand Prix von Japan 1996 hieß das: Wer in Suzuka langsamer als 1:45,833 Minuten war, durfte am Sonntag nicht starten.
Ohne Moss nix los … das galt auch für den Dome F105
Dass diese Hürde selbst für etablierte Teams wie Minardi oder Forti und später sogar Tyrrell ein Stolperstein war, verdeutlichte die aussichtslose Lage des Dome-Projekts. Die mangelnde Konkurrenzfähigkeit blieb auch potenziellen Geldgebern nicht verborgen. Trotz renommierter Technikpartner wie Mugen-Honda und Bridgestone gelang es Teamchef Minoru Hayashi nicht, das lebensnotwendige Budget für die Saison 1997 zu sichern. Und ohne die nötigen Millionen blieb die Vision eines japanischen Nationalteams ein Luftschloss.
Auch spätere Versuche, das Projekt mit neuen Investoren – darunter der berüchtigte Prinz Malik Ado Ibrahim, der später bei Arrows auftauchen sollte – oder einem verbesserten Nachfolgemodell namens F106 zu retten, scheiterten am mangelnden Motoren-Support durch Honda. Ein verheerender Brand in der Fabrik, der wichtige Teile des Projekts vernichtete, besiegelte schließlich das endgültige Aus der Formel 1-Ambitionen von Dome.
Immerhin für einen der Beteiligten gab es ein Happy End
Testfahrer Shinji Nakano schaffte 1997 den Sprung in die Formel 1 und startete für das Prost-Team. Was bleibt, ist die Erinnerung an eines der elegantesten Fahrzeuge der 1990er-Jahre. Während Dome selbst auf der Strecke blieb, nutzten die Partner die gesammelten Erfahrungen und bestritten eigene Wege. Vor allem Bridgestone profitierte massiv von den Testdaten des F105 und legte damit den Grundstein für einen erfolgreichen Einstieg 1997 in die Königsklasse.
Technische Daten des Dome F105 von 1995:
Motor und Antrieb
- Mugen-Honda MF-301H, V10-Saugmotor mit einem Zylinderwinklel von 72 Grad und 3,0 Liter Hubraum – Leistung: circa 700 PS bei etwa 13.500 U/min
- Sequenzielles 6-Gang-Getriebe, ursprünglich für den DAMS GD-01 entstand bei Xtrac entstand – so teilen sich zwei „Phantome“ gewissermaßen dieselbe DNA im Antriebsstrang.
Chassis und Aerodynamik
- Bauweise: Monocoque aus Kohlenstofffaser-Sandwich-Verbundstoff (Carbon)
- Radstand: 2.890 mm
- Spurweite: 1.690 mm (vorne) / 1.610 mm (hinten)
- Gewicht: circa 510 kg (ohne Fahrer und Benzin – das Auto war sehr leicht gebaut, um Spielraum für Ballast zu haben)
- Aufhängung: Doppelquerlenker mit innenliegenden Federn und Dämpfern (Pushrod-System)
Bremsen und Reifen
- Bremsen: Belüftete Kohlenstoff-Bremsscheiben von Brembo / AP Racing
- Reifen: Bridgestone Potenza (die damaligen Prototypen für den F1-Einstieg)
- Felgen: Magnesium-Schmiederäder von Enkei
Besonderheiten des Designs
Der F105 zeichnete sich durch eine sehr schmale, spitze Nase und ein extrem kompaktes Heck aus. Das Aerodynamik-Konzept wurde im hauseigenen Windkanal von Dome entwickelt, der zu dieser Zeit einer der fortschrittlichsten in Japan war.
Technisch gesehen war der Wagen vielleicht sogar auf Augenhöhe mit dem Mittelfeld der Saison 1996. Dass die Testzeiten in Suzuka dennoch so deutlich hinter der Spitze lagen, wurde oft auf die noch in der Entwicklung befindlichen Bridgestone-Reifen und eine konservative Motoreneinstellung zurückgeführt, um die Zuverlässigkeit während der Testfahrten nicht zu gefährden. Das einzige gebaute Chassis des F105 steht heute im Dome-Hauptquartier in Maibara.
Rennsport-Geschichten
Wie das Concorde-Abkommen den FISA-FOCA-Krieg beendete
Rennsport-Geschichten
David Purley und der LEC CRP1 – Der Traum vom eigenen Grand Prix-Wagen
Rennsport-Geschichten
Gelbe Kanne, große Wirkung: Wie Renault die Formel 1 auflud (1977–1986)
Auto-Erinnerungen
Die goldene Ära des Honda Prelude: Von 1978 bis 2002 gab es fünf Generationen!
Rennsport-Geschichten
Aus den „Nudeltöpfen“ in die Königsklasse – sieben nordamerikanische Wege