Seit mehr als 15 Jahren „treibe“ ich mich regelmäßig bei Veranstaltungen des historischen Motorsports herum. Immer wieder überrascht mich dabei, womit in der langen Geschichte des Autos Rennen gefahren wurde. Bei den Silverstone Classics begeisterte mich ein Jaguar Mark VII, den sein Besitzer mit unglaublichem Einsatz auf der Strecke ausführte.

Ich hielt diesen Auftritt für etwas exzentrisch. Oder um es mit anderen Worten zu sagen, für typisch britisch. Doch damit offenbarte ich nur meine Unwissenheit. Denn mit der Luxuslimousine Mark VII trat Jaguar in den 1950er-Jahren tatsächlich regelmäßig im internationalen Motorsport an. Auch wenn Motorsport mit dem Jaguar Mark VII heute vielleicht etwas befremdlich wirkt.

Denn der Jaguar Mark VII ist – auch nach heutigen Maßstäben – ein großes Auto. 4,99 Meter ist der Brite lang. Auffällig der ungewöhnlich lange Radstand von 3,04 Metern. Dazu kommt eine Fahrzeugbreite von 1,85 Metern. Das liegt immerhin (fast) auf dem Niveau eines aktuellen 7er von BMW oder der S-Klasse von Mercedes-Benz. Die sind kaum breiter und auch nicht viel länger als der von 1950 bis 1956 gebaute Jaguar.

Als typischer Vertreter der 1950er-Jahre überragt der alte Brite beide um gut 15 Zentimeter. Denn der Höhe misst der Brite 1,60 Meter. Man muss heute in dieser Fahrzeugklasse schon den Maybach S 600 Pullman ordern, um bis auf zwei Millimeter an dieses Maß heranzukommen. Und selbst dem von uns kürzlich gefahrenen Rolls-Royce Ghost fehlen in der Höhe fünf Zentimeter auf den Klassiker.

Trotzdem war der Jaguar Mark VII ein Motorsportler!

Jaguar trat mit dem Jaguar Mark VII bei den Tourenwagen-Rennen der Zeit mit großem Erfolg an. Piloten wie Stirling Moss oder Mike Hawthorn oder Jimmy Stewart, der ältere Bruder von Jackie Stewart unterstreichen auch heute noch die Ernsthaftigkeit des Programms. Und der Blick in alte Ergebnislisten beseitigt letzte Zweifel.

Denn die „Daily Express International Trophy“ für Tourenwagen, ausgetragen traditionell in Silverstone, galt zu ihrer Zeit als eines der wichtigsten Tourenwagen-Rennen des Jahres. Ein Sieg auf der schnellen Strecke im britischen Northamptonshire war hervorragend geeignet, um die Kraft und Leistungsfähigkeit eines Autos eindrucksvoll zu untermauern. Jaguar gewann mit dem Jaguar Mark VII das Rennen von 1952 bis 1956 viermal in Folge.

Teilweise (1954 und 1955) gingen sogar alle Plätze auf dem Podium an Fahrer des Jaguar Mark VII. Sieger 1952 und 1953 war Stirling Moss. Ein Jahr später musste sich Moss seinem Teamkollegen Ian Appleyard geschlagen geben. 1955 holte Mike Hawthorn den Sieg, 1956 gewann Ivor Bueb das Rennen mit dem Jaguar Mark VII.

Die Siege beflügelten auch Verkauf der Oberklasse-Limousine. Bis zum Produktionsende 1956 verkaufte Jaguar mehr als 30.000 Exemplare. Zu den Kunden gehört auch Queen Mom, die den Mark VII fast 20 Jahre als Privatwagen nutzte. Bei den Modellen bis Baujahr 1954 sorgte ein 160 PS starker 3,4 Liter Reihensechszylinder für den gewünschten Vortrieb. Der hatte seine Leistungsfähigkeit zuvor bereits im Sportwagen Jaguar XK ausreichend unter Beweis gestellt.

Mit einer umfassenden Modellpflege im Herbst 1954 stieg die Leistung auf 190 PS an. Damit war der Jaguar bereits 170 Kilometer schnell. Für eine Oberklasse-Limousine war das 1954 ein Spitzenwert. Da Jaguar im Zuge dieser Modellpflege auch die Karosserie (größere Heckleuchten und erstmals Nebelscheinwerfer, längere Stoßstangen) etwas änderte, hören die späteren Modelle offiziell auf den Namen Mark VII M.

KRW 621 bekommt den Motor des D-Type

Unter diesen Namen baut Jaguar auch den Prototypen KRW 621 – benannt nach dem Kennzeichen des Einzelstücks. Dieser Jaguar Mark VII verfügt über Karosserieteile aus Magnesium. Zudem geht im Motorraum der Motor des Le Mans-Gewinners Jaguar D-Type seiner Arbeit nach. Die Verzögerung übernehmen vier Scheibenbremsen von Dunlop. Der Leichtbau Mark VII zeigt das 1954 Machbare.

Das Serienmodell Jaguar Mark VII M gewinnt 1956 die Rallye Monte Carlo. Gemäß der offiziellen Geschichtsschreibung fahren Ronnie Adams und Frank Biggar zu diesem Erfolg. Doch heute gilt als gesichert, dass die beiden Verstärkung durch Derek Johnstone hatten. Denkbar ist das. Denn in der großen Karosserie des Jaguars ist sicherlich auch für drei Personen Platz.

Für eine Ente halte ich jedoch den NASCAR-Erfolg des Jaguar Mark VII, den beispielsweise in der englischen Ausgabe des Online-Lexikons wikipedia „dokumentiert“. Dort heißt es, dass Paul Goldsmith mit dem Jaguar 1956 das NASCAR Grand National Race in Road America gewann. Das ist falsch! Das Rennen gewann Tim Flock in einem Mercury.

Paul Goldsmith trat, wie das ganze Jahr 1956, mit einem Chevrolet an und wurde beim Rennen in Wisconsin Vierter. Übrigens mit der heute in der NASACR legendären Startnummer #3 auf dem Auto. Den einzigen Jaguar im Feld fuhr Ansel Rakestraw. Der Amerikaner kam überrundet auf Platz 19 ins Ziel.

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