Eins steht fest, ohne den Ingenieur, Journalisten, Verleger und Rennfahrer wäre der Motorsport vermutlich um eine große Herausforderung ärmer. Denn Charles Faroux gehört zu den Begründern des 24-Stunden-Rennens von Le Mans.

Seit ich denken kann, bin ich den 24 Stunden von Le Mans zugeneigt. Für mich gehört das Rennen an der Sarthe zu den größten Herausforderungen des Motorsports. Dafür sorgt, neben der Länge des Rennens insbesondere der Vollgasanteil auf der mehr als 13 Kilometer langen Rennstrecke. Auch nach dem Einbau der beiden Schikanen, die man 1990 auf der legendären „Hunaudières Gerade“ einfügte, bolzen die Teilnehmer bei der Hast um die Uhr immer noch mit rund 85% Vollgas durch die Landschaft.

Eine wichtige Rolle dabei, dass wir uns bis heute an diesem Rennen erfreuen dürfen, kommt Charles Faroux zu. Der Sohn eines wohlhabenden Viehhändlers erblickte heute vor 140 Jahren in Amiens das Licht der Welt. Nach einem erfolgreich absolvierten Maschinenbaustudium nahm sich Faroux Zeit für ausgedehnte Reisen, die den jungen Franzosen Ende des 19. Jahrhunderts vor allem in die USA führten. Hier schrieb Faroux Reiseberichte über seine Zeit in Alaska, die in verschiedenen französischen Zeitschriften veröffentlicht wurden.

Nach der Rückkehr in die Heimat begann Charles Faroux, im Jahr 1900 für die angesehene Automobilzeitschrift l’Auto zu arbeiten. Innerhalb weniger Jahre stieg Faroux zum wohl renommiertesten französischen Motorjournalisten seiner Zeit auf. Nebenbei nahm er an Straßenrennen wie der Coppa Florio teil. So war es kein Wunder, dass der Ingenieur sofort begeistert war, als ihm Georges Durand die Idee vorstellte, in Le Mans ein Langstreckenrennen für Tourenwagen zu veranstalten.

Es wird das Rennen der Rennen

Der ehemalige Journalist Durand war Anfang der 1920er-Jahre ähnlich wie Faroux eine feste Größe in der Motorsport-Szene. Seit Gründung des „Automobile Club de l’Ouest“ (ACO) im Jahr 1906 war Durand als Geschäftsführer des größten französischen Automobilklubs tätig. Schon 1904 spielte Durand eine wichtige Rolle bei der Durchführung des ersten Großen Preis von Frankreich, um den ebenfalls in Le Mans gerannt wurde. Nach einem Treffen auf dem Pariser Autosalon im Oktober 1922 begannen Faroux, inzwischen Herausgeber der Fachzeitschrift „La Vie Automobile“, und Durand mit der Ausarbeitung eines konkreten Regelwerks für das von ihnen geplante Langstreckenrennen.

Zunächst planten sie, das Rennen über die Distanz von acht Stunden auszuschreiben. Als Finesse sollte das Rennen in der Dunkelheit des späten Abends enden. So entstand die Startzeit um 16 Uhr, zu der bis heute das Langstreckenrennen in Le Mans gestartet wird. Auf der Suche nach Sponsoren, denn Motorsport war auch 1922 ein teures Vergnügen, bezogen die beiden Macher Emile Coquille in ihre Planungen ein. In der Diskussion mit dem Unternehmer entstand dann die Idee, die Länge des Rennens auf einen ganzen Tag auszudehnen. Coquille, unter anderem Generalvertreter des britischen Fahrrad, Motorrad- und Reifen-Herstellers Rudge-Whitworth, stiftete das Preisgeld in Höhe von 100.000 Franc.

Für die Austragung des Rennens wählte das Trio eine Strecke, die Le Mans mit den Orten Mulsanne im Süden und Arnage im Südwesten verband. Start und Ziel der ursprünglich 17,262 km langen Strecke lag in der Rue de Laigné direkt in der Innenstadt von Le Mans. Heute findet hier in der Woche vor dem Rennen die Fahrzeugpräsentation statt. Erst 1932 verkürzte man die Strecke auf 13,492 km, indem man Start und Ziel an die heutige Stelle verlegte. Als am 26. Mai 1923 um 16 Uhr die erste Ausgabe des Rennens gestartet wurde, stellten sich immerhin 33 Team mit ihren Wagen der Herausforderung auf der in weiten Teilen unbefestigten Strecke.

Zugelassen waren ausschließlich Tourenwagen, die mindestens 30 Mal gebaut sein musste. Rennen mussten sie genau so, wie sie das jeweilige Herstellerwerk verlassen hatten. Um den Einsatz im Alltag zu simulieren, mussten die Fahrzeuge für jeden freien Sitz 60 kg Ballast mitführen. Charles Faroux wachte als Renndirektor darauf, dass die Teilnehmer die Regeln einhielten. Mehr als drei Jahrzehnte, bis zu seinem Tod im Jahr Februar 1957 übte Charles Faroux dieses Amt aus, entschied meist persönlich darüber, wer an seinem Rennen teilnehmen dürfe. Das mag nicht immer jedem gefallen haben, aber zweifelsfrei war es Faroux, der das Rennen in Le Mans zum wichtigsten Langstreckenrennen des automobilen Motorsports machte.

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