Spartanisch, leicht und verhältnismäßig klein – kaum ein anderer Sportwagen vereinigt diese Merkmale so konsequent wie der Lotus Seven. Der 1957 vorgestellte Rennwagen für die Straße erfreut bis heute seine Fans und gilt als das Vermächtnis des Leichtbau-Fans Colin Chapman.

Colin Chapman begann seine Unternehmer-Karriere bereits 1947 als Student. Mit dem Lotus Mk1 bot der junge Chapman einen – heute würde man vielleicht sagen – gepimpten Austin 7 an. Es folgten Rennwagen für die damalige „750 Formula“, einer in Großbritannien beliebten Einsteigerrennklasse. Im Laufe der Zeit entwickelte sich dieser Feierabend-Geschäftsbetrieb zu einem richtigen Unternehmen. Chapman kündigte seinen Job und gründete am 1. Januar 1952 die Firma Lotus Engineering.

Noch im gleichen Jahr bot Chapman mit dem Lotus 6 erstmals ein vollständig von Lotus konstruiertes Strassenfahrzeug an, das in den nächsten fünf Jahren rund 100 Käufer finden sollte. Wobei der Lotus 6 ausschließlich als Bausatz erworben werden konnte. Denn das britische Steuersystem ermöglichte den Vertrieb eines Bausatz ohne den Steueraufschlag, der beim Vertrieb eines vollständigen Fahrzeugs angefallen wäre. Die Vorgabe des Gesetzgebers, dass den Bausätzen keine Bauanleitung beigelegt werden durfte, hebelte Chapman kreativ aus. Er lieferte seinen Kunden eine Demontageanleitung, die zur Montage des Fahrzeugs einfach in umgekehrter Reihenfolge befolgt werden mussten.

Lotus 7 Vorderachse
Vorderradaufhängung des Lotus Seven
(Foto: Wikipedia)

Chapman entwickelte das Konzept des Lotus 6 weiter und bot ab 1956/7 den Lotus Seven an – ebenfalls als Bausatz-Fahrzeug. Im Vergleich zum Vorgänger hatte Chapman den Schwerpunkt des Seven deutlich abgesenkt. Zudem wurde das Fahrwerk umfassend überarbeitet. An der Vorderachse sorgten nun doppelte Querlenker und ein Stabilisator für eine extrem gute Dirigierbarkeit des offenen Sportwagens, der weiter vollständig aus Aluminium gefertigt wurde. Die meisten Lotus Seven wurden mit dem 1172 ccm großen Motor aus dem Ford 10 motorisiert. Dazu war ein 948 ccm großer Motor aus dem Hause BMC verfügbar. Beide Maschinen sorgten in Verbindung mit dem nur rund 500 Kg schweren Lotus Seven für ordentliche Fahrleistungen.

Mit dem „Feuerspritzenmotor“ zum begehrten Sportwagen

Doch insbesondere die Rennsportkunden vertrauten primär auf einen Antrieb von Coventry-Climax. Denn der Hersteller von Gabelstablern und Feuerwehrspritzen hatten mit dem „Typ FW“ einen Motor im Programm, der optimal zum Lotus Seven passen sollte. Eigentlich hatten die Konstrukteure Walter Hassan und Harry Mundy den Motor für mobile Feuerwehrpumpen entworfen. Entsprechend hatten sie bei der Konstruktion des Motors extrem auf das Gewicht geachtet, schließlich werden Feuerwehrpumpen häufig mit Muskelkraft zum Einsatzort gebracht. Das Leichtgewicht war Mitte / Ende der 1950er-Jahre in zahlreichen Sportwagen im Einsatz. Die „FWA“ genannte Rennversion erzeugte aus einem Hubraum von 1098 ccm stattliche 75 PS. Damit war der Motor wie geschaffen für den Lotus Seven. Passte der Sportwagen so schließlich optimal in die damals beliebte Hubraumklasse bis 1.100 ccm.

Lotus Seven S1
Lotus Seven S1 (Foto: Brian Snelson)

Bis 1960 wurden etwa 250 Exemplare der ersten Serie des Lotus Seven verkauft. Ab 1960 fertigte man die Karosserie überwiegend aus Kunststoff und der Lotus Leven ging etwas in die Breite, um das Fahrverhalten zu optimieren. Dazu wurden weitere Motoren angeboten. Bis zum 100PS waren jetzt verfügbar. Der kleine Lotus wurde damit zum Super Seven und bis 1970 wurden rund 1.600 weitere originale Lotus Seven der Serien 2 und 3 verkauft. Wobei der Lotus Seven im Programm der Firma Lotus stets eine gewisse Exotenstellung einnahm. Bis heute beginnen die Namen der Lotus-Strassenfahrzeuge mit einem „E“, während die Rennwagen einfach mit einer fortlaufenden Nummer versehen wurden. Nur der Lotus Seven weicht von diesem Schema ab. Wohl weil der ein Straßenfahrzeug ist, das als Rennwagen konstruiert wurde.

Komfort für den Rennwagen

1970 veränderte Lotus das Design des Seven deutlich. Erstmals bot man mit der Serie 4 auch etwas Komfort. So zog serienmäßig ein Heizgebläse in den Seven ein. Dazu gab es den aus dem Elan bekannten Lotus Twin Cam Motor (125 PS aus 1558 ccm) nun auch im Seven. Doch auch wenn man bis 1973 weitere 660 Exemplare des nun Seven S4 genannten Fahrzeugs verkaufen konnte, blieben die Verkaufszahlen deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Von der Bastler-Bude zur Manufaktur

Nach dem Beitritt des Vereinigten Königreichs zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) am 1. Januar 1973 änderte die britische Regierung ihr Steuersystem und führte wie im restlichen Europa eine Mehrwertsteuer ein. Damit verloren die Kit-Cars ihre Steuervorteile. Gleichzeitig entschied Lotus das „Bastler-Image“ abzulegen und sich auf das Angebot limitierter Renn- und Sportwagen zu konzentrieren. So verkaufte Lotus die Produktionsrechte des Seven an Caterham Cars, die den Seven – basierend auf dem Lotus Seven S3 – bis zum heutigen Tage im Angebot haben. Und auch wenn Caterham das Fahrzeug in den vergangenen 36 Jahren kontinuierlich weiterentwickelt hat, lassen sich alle Caterham Seven auf ihren Urahnen Lotus Seven zurückführen.

Und auch andere Anbieter leben die Idee eines kleinen und leichten Sportwagens bis heute weiter. Mit Irmscher aus Deutschland, Westfield aus Großbritanien oder Donkervoort aus den Niederlanden nehmen gleich mehrere Hersteller mit ihren Produkten mehr oder minder stark Bezug auf den Lotus Seven.

Der Lotus Seven heute

Die rund 2.500 originalen Lotus Seven sind heute begehrte Sammlerstücke. Ein echter Lotus, bei dem sich die Historie sauber belegen lässt, erzielt stets gute Preise – wenn er dann einmal auf den Markt kommt. Für ein gepflegtes Fahrzeug der ersten Serie muss man mit einem Preis von deutlich über 40.000€ rechnen. Fahrzeuge der Serien 2 bis 4 werden kaum unter 35.000€ angeboten.

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