Oldtimer

Mazda 323 – unterwegs im Klassiker der ersten 323-Generation!

Ich mag Oldtimer, regelmäßige Leser dieses Blogs wissen das. Passend zum Start der neuen Oldtimer-Saison hatte ich die Gelegenheit, einen Mazda 323 von 1979 auszuprobieren. Diese Probefahrt war für mich auch eine Rückkehr in die eigenen Jugend.

Mit dem Mazda 323 stieg der japanische Autobauer Mazda auch in Deutschland zu einem ernsthaften Wettbewerber für die europäische Konkurrenz auf. Denn die damals neue Baureihe ersetzte den ursprünglich 1967 vorgestellten Mazda 1000/1300. Als Mazda den Kleinwagen ab 1974 auch in Deutschland anbot, galt der in den Augen vieler Interessenten als veraltet. Mit dem Mazda 323 änderte sich das Blatt, denn die neue Baureihe war auf der Höhe der Zeit. 

Was verbindet mich mit dem Mazda 323?

Der Mazda 323 ist für mich tatsächlich ein alter Bekannter. Denn meine Mutter fuhr Ende der 1970er-Jahre einen Kombi dieser Baureihe. Schon damals faszinierte mich das Karomuster der Sitze. Das gab dem Kombi einen Hauch von Sportlichkeit. Obwohl unser 323 mit einer Leistung von 60PS sicher nie in den Verdacht geriet, ein „Hot Hatch“ zu sein. Er war eher ein Raumwunder! Und so nutzten wir den geräumigen Kombi, um mit der ganzen Familie in den Urlaub zu fahren.

Foto aus dem Familienalbum ... unser Dackel zieht meine Schwester durch die Gegend. Im Hintergrund ist der Mazda 323 meiner Mutter zu sehen.
Foto aus dem Familienalbum … unser Dackel zieht meine Schwester durch die Gegend. Im Hintergrund ist der Mazda 323 meiner Mutter zu sehen.

Es waren die Siebziger! Da reichten auch 60PS, um die Eltern, zwei Kinder, ihren Dackel und ihr Gepäck von Kiel nach Spanien und zurück zu transportieren. Später, da war ich schon 15 Jahre alt, brachte mein Großvater mir mit dem Mazda 323 das Fahren bei. Insofern denke ich, dass mich mit dem 323 jede Menge Erinnerungen verbinden. Die Pressestelle von Mazda organisierte für die Probefahrt eine Schrägheck-Limousine aus dem Bestand von Mazda Classic – Automobil Museum Frey in Augsburg.

Den 323 stellte der japanische Autobauer 1977 auf der IAA in Frankfurt am Main der europäischen Öffentlichkeit vor. Dabei landete Mazda einen echten PR-Coup. Denn einige der Ausstellungsfahrzeuge legten die 15.000 Kilometer vom Mazda-Stammsitz in Hiroschima nach Frankfurt auf eigener Achse zurück. Die 40-tägige Tour unterstrich schon zum Start die Zuverlässigkeit des neuen Modells. 1990 und 2013 wiederholte Mazda diese Aktion mit den Modellen Mazda 626 und Mazda3 übigens.

Wie fährt sich der Mazda 323?

Doch zurück in die Gegenwart – vor mir steht ein kompakter grüner 323 der ersten Generation. Wie bei jedem Testwagen umrunde ich ihn vor dem Einsteigen zunächst. Der Mazda ist 3,82 Meter lang. Damit überragt der japanische Vertreter der Kompaktklasse den damaligen Marktführer aus Wolfsburg deutlich. Denn der Golf der ersten Generation war nur 3,70 Meter lang. Beide sind jedoch interessanterweise deutlich kürzer als ein Kadett C City, der immerhin 3,92 Meter misst.

Tom Schwede und der Mazda 323 von 1979
Mit dem 323 schrieb Mazda ab 1977 eine echte Erfolgsgeschichte. Der Urahn des heutigen Mazda3 machte Mazda in Europa zu einem Wettbewerber für die etablierte Konkurrenz. (Foto: Mazda)

Die runden Frontscheinwerfer bezeugen, dass dieser 323 noch nicht das Facelift erhielt, mit dem Mazda die Baureihe im Sommer 1979 pflegte. Denn damit zogen eckige Scheinwerfer in die Fahrzeug-Front ein. Ich öffne endlich die Tür. Sofort fallen mir die Sitzbezüge auf. Tatsächlich, auch der Testwagen trägt Karo. Während in unserem 323 die Grundfarbe der Sitze weiß war, lacht mich im Testwagen ein freundliches Gelb an. Das ergibt in Verbindung mit dem grünen Lack eine farbenfrohe Kombination.

Sitzen war vor 40 Jahren weniger komfortabel als heute!

Ich nehme auf dem Fahrersitz Platz und stelle die Spiegel ein. Sofort wird mir klar, wie sehr sich unsere Autos gerade in der Frage des Sitzens weiterentwickelt haben. Denn obwohl der Mazda schon vor mehr als 40 Jahren über Sportsitze verfügte, sitze ich – gefühlt – sehr hoch. Zudem ist das hübsche Zweispeichen-Lenkrad mit heutigen Maßstäben betrachtet sehr groß. Deshalb muss ich meine langen Beine irgendwie um das Lenkrad herumfädeln. Das „Problem“ verschärft die relativ kurze Sitzfläche. Doch 1979 war das alles der Stand der Technik.

Sitzen war 1979 anders als heute
Tom sitzt im Mazda 323 – besonders beim Sitzen zeigt sich, wie sich unsere Autos in gut 45 Jahren verändert haben. (Foto: Mazda)

Heute würde diese Sitzhaltung für ein dickes Minus im Testprotokoll sorgen. Umso mehr beeindruckt mich, welche Strecken wir mit dem Mazda damals bewältigten. Denn die gut 2.000 Kilometer von Kiel nach Vilanova d’Escornalbou, wo meine Großeltern damals lebten, legten wir praktisch nonstop zurück. Ich starte den Motor. Wobei ich heute der Erste bin, der sich bei dieser Veranstaltung für den Mazda 323 entscheidet. Deshalb benötige ich zum Starten den Choke.

Mit dem Ziehen aktiviere ich die Starterklappe des Vergasers, um das Gemisch anzureichern. Das gefällt dem kalten Motor offensichtlich, der 1,3 Liter große Vierzylinder startet sofort. Ich lege den ersten Gang ein, lasse die Kupplung kommen und mache mich auf den Weg. Nach ein paar Kilometern im Stadtverkehr fädle ich mich auf einer gut ausgebauten Landstraße in den Verkehr ein. Der mehr als 40 Jahre alte Mazda hat mit all dem keine Probleme.

Der 323 zeigt, wie leicht Autos früher waren!

Das Fahren geht vergleichsweise leicht von der Hand. Denn der Mazda rollt auf Reifen im Format 155 R 13 – was heute fast schon winzig wirkt. Denn inzwischen stehen Vertreter der Kompaktklasse oft auf 16 oder 17 Zoll großen Felgen. Außerdem treibt der 323 die Hinterräder an. Damit bleibt die Lenkung frei von Antriebseinflüssen. So lässt sich verschmerzen, dass keine Servolenkung an Bord ist. Zudem wiegt der kompakte Japaner leer nur 813 Kilogramm.

Innenraum Mazda 323 von 1979
Das Sportlenkrad mit zwei Metallspeichen gibt dem 323 eine zusätzliche Note an Sportlichkeit. Noch heute beeindruckt die Verarbeitungsqualität. Denn im Testwagen knarzt und quietscht auch nach mehr als 40 Jahren nichts. (Foto: Mazda)

Insofern relativieren sich die 60 PS, die der Vierzylinder zur Verfügung stellt, etwas. So kann ich, ohne negativ aufzufallen, im Verkehrsfluss mitschwimmen. In einem kurvigen Abschnitt der Strecke begrenzen Straßenschilder die erlaubte Geschwindigkeit auf 80 Kilometer pro Stunde. Spontan nehme ich den Fuß vom Gas und blicke auf den Tacho. Ich bin mit einer Geschwindigkeit von 75 Kilometern pro Stunde unterwegs. Das überrascht mich, denn ich war sicher, deutlich schneller zu sein.

So kannst Du Dich täuschen, denke ich!

Ich frage mich, warum ich mich so verschätze. Es ist wohl die Kombination unterschiedlicher Fakten. Die Geräuschkulisse ist höher als bei einem modernen Fahrzeug. Der Vierzylinder ist deutlich zu hören. Zudem verfügt der Testwagen nur über vier Gänge. Auch das erhöht das Geräuschniveau. Heute gibt es das so nicht. Schließlich verrichten die Motoren in modernen Autos ihren Dienst in einem gedämmten Motorenraum. Das gab es 1979 nicht. Als ich nach meiner Tour die Motorhaube öffne, blicke ich auf viel Blech und genieße freie Sicht auf den Vierzylinder.

Tom unterwegs im Mazda 323
Die Fahrt macht Spaß – auf dem Weg geht es deutlich lauter zu als bei einem modernen Auto. Kein Wunder, findet der Wind doch an Details wie der an der A-Säule montierten Antenne jede Menge Angriffsfläche. (Foto: Mazda)

Auch die Windgeräusche sind lauter als bei einem modernen Auto. Denn in modernen Autos glänzen diese durch Abwesenheit. Doch wer beispielsweise die auf der A-Säule montierte Antenne des 323 sieht, der weiß, warum das vor gut 40 Jahren anders war! Nach gut 30 Kilometern kehre ich zum Ausgangspunkt zurück, stelle den Mazda rückwärts in eine Parklücke. Dabei fällt mir auf, wie groß die Glasflächen des Oldies sind. Bei der Rundumsicht lässt der Klassiker jedes moderne Auto alt aussehen. Insgesamt zeigt der Ausflug eindrucksvoll, warum Kunden damals zu diesem Mazda griffen.

Fazit zur Probefahrt mit dem Mazda 323 von 1979:

Denn der Mazda 323 war bei seiner Vorstellung ein modernes Auto. Selbst nach mehr als 40 Jahren beeindruckt mich noch die Verarbeitungsqualität. Denn hier im Museumsfahrzeug aus dem Mazda-Museum der Familie Frey knarzt oder quietscht selbst heute nichts. Ungewöhnlich war, dass Mazda sich beim Debüt des 323 für Hinterradantrieb entschied. Denn damals stieg der Frontantrieb bei den europäischen Wettbewerbern gerade zum Standard in der Kompaktklasse auf. Nur Opel blieb dem Heckantrieb damals im Kadett noch einige Zeit treu.

Trotz der damaligen Verkaufserfolge, ist ein 323 der ersten Generation heute nur noch selten auf unseren Straßen anzutreffen. Wahrscheinlich war es bei den meisten, wie beim 323 meiner Mutter. Denn den raffte nach gut acht Jahren die braune Pest dahin. Umso schöner, dass ich dieses wunderbare Museumsfahrzeug ausprobieren konnte. Danke an Mazda Deutschland und Mazda Classic – Automobil Museum Frey für diese Gelegenheit!

Technische Daten zum Mazda 323 von 1979:

  • Typ: Mazda 323
  • Grundpreis: 8.490 DM (1977/1978 für den Mazda 323 mit 1.000)
  • Motor: Vierzylinder Otto-Motor mit 1.272 ccm Hubraum, 60 PS (51kW) Leistung bei 5.500 Umdrehungen pro Minute
  • Getriebe: Schaltgetriebe mit vier Gängen
  • 0-100 km/h: 9,8 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit: 140 km/h
  • Maße: 3,82 Meter lang, 1,595 Meter breit und 1,375 Meter hoch
  • Leergewicht: 812 Kilogramm

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