Vor gut einem Jahr stellte Nissan die zweite Generation des Nissan Qashqai vor. Jetzt stellte sich der SUV als Nissan Qashqai 1.6 dCi Automatik Tekna unserem Test.

Was ist das Besondere des Testwagens?

Der Japaner ist ein Brite. Denn mit dem Nissan Qashqai bietet Nissan seit 2007 einen Kompakt-SUV an, dessen Design vom Nissan Design Center Europe in London stammt und dessen Entwicklung das Nissan Technikcenter im britischen Cranfield koordiniert. Vom Band läuft der Qashqai in der Nähe von Sunderland. Seit gut einem Jahr baut Nissan dort die zweite Generation des Qashqai.

Bereits direkt nach der Vorstellung hatte ich die Gelegenheit, mir den Neuen kurz anzusehen. Jetzt stellte sich der Nissan einem Alltagstest. Dabei lag mein besonderer Blick auf dem stufenlosen Automatikgetriebe des Qashqai. Zum Einsatz kommt eine sogenannte Continuously Variable Transmission (CTV). Doch statt der Abkürzung CVT schuf Nissan die Marketingzeichnung Xtronic.

Die Stufenlose Automatik Xtronic im Nissan Qashqai

Stufenlose Getriebe haben bei Nissan eine lange Tradition. Zum Start der zweiten Qashqai-Generation haben die Entwickler das Getriebe umfassend überarbeitet. Die Spreizung der Getriebeübersetzung reicht beim Diesel-Qashqai jetzt von 2,413 bis 0,383. Der Achsantrieb ist mit 5,577 übersetzt. Damit entspricht das Getriebe des Qashqai exakt dem des ebenfalls bereits von uns gefahrenen Nissan X-Trail.

Im Vergleich zum Vorgänger haben die Techniker den Wandler des Getriebes neu abgestimmt. Im Sinne des Kraftstoffverbrauchs galt ihr Augenmerk der Minimierung der Wandlerverluste. Aus dem gleichen Grund minimierten die Techniker auch die Reibungsverluste im Getriebe. Damit nahmen sie sich gleichzeitig auch die Geräusche des Getriebes vor.

Stufenlose Automatik mit Schaltfunktion

Unverändert blieb, dass das Xtronic-Getriebe von Nissan einen „manuellen“ Modus anbietet. Wer will, kann das Getriebe in bestimmte Übersetzungsverhältnisse „zwingen“. Im Vergleich älteren Xtronic-Varianten gehen diese „Schaltvorgänge“ – also das Verschieben der Gliederkette an eine bestimmte Position – deutlich schneller als bisher vonstatten.

Ich war vor ein paar Jahren bei einer klassischen Probefahrt beim Händler von den „Schaltpausen“ so genervt, dass ich damals bald ausschließlich der Automatik vertraute. Der aktuelle Qashqai kann das besser. Seine stufenlose Automatik macht im Schaltmodus so gar etwas Spaß. Das Schalten am Lenkrad erinnert an die Playstation. Trotzdem bleibt der eigentliche Clou dieses Getriebes natürlich das unterbrechungsfreie Gleiten. Und das erledigt die Xtronic hervorragend.

Mit welchem Motor waren wir unterwegs?

Im Testwagen ist das Getriebe mit einem 1,6 Liter großen Turbo-Diesel verbunden. 320 Newtonmeter Drehmoment stellt der Vierzylinder bei moderaten 1.750 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung. Die maximale Leistung liegt bei 130 PS. Das ist – was die Daten betrifft – heute automobile Standardware.

Bitte nicht falsch verstehen. Aber die Zeiten, wo 115 oder 130 Pferdestärken für die Leistungsklasse der Sportfahrer standen, sind vorbei. Heute stehen diese Zahlen für angemessene Fahrleistungen einer – zumindest in diesem Sinne – klassenlosen Gesellschaft.

Der 1.6 dCi macht dabei eine gute Figur

Der Selbstzünder dringt genauso willig wie konstant aus dem Drehzahlkeller auch in höhere Regionen vor. Niemals klingt der Diesel dabei irgendwie nervig oder halbstark. Überholvorgänge gehen mit dem Qashqai entspannt vonstatten. Auf der Langstrecke senkt die Automatik die Drehzahlen auf ein ruhiges Komfortniveau ab, hält den Motor im optimalen Betriebsbereich des Drehmomentmaximums.

Das kommt auch dem Verbrauch zugute. In unserem Test legten wir fast 1.500 Kilometer zurück. Selbst im Stadtverkehr des verstauten Ruhrgebiets flossen pro 100 Kilometer nur knapp über fünf Liter aus dem Tank in die Brennkammern. Auf zwei zurückhaltend gefahrenen Überlandtouren schaffe ich es sogar einen Verbrauch von 4,8 Litern für 100 Kilometer. Das liegt unter dem Normverbrauch von 4,9 Litern pro 100 Kilometer.

Allerdings darf der SUV dabei „nur“ gleichmäßig rollend durch die Landschaft gleiten. Wer mit dem Qashqai auf die Tube drückt, bezahlt das mit einem höheren Verbrauch. Auf einer sehr schnell gefahrenen Autobahn-Etappe treibe ich den Verbrauch mit viel Vollgas und vielen Beschleunigungsvorgängen auf fast acht Liter hoch. Was immer noch ein sehr akzeptabler Wert ist.

Wie fährt sich der Nissan Qashqai?

Das Fahrwerk filtert (längere) Bodenwellen zuverlässig weg. Die „Chassis Control Technology“ (CTT) des Testwagens unterdrückt ein Nachwippen. Harte Schläge, wie sie durch Schlaglöcher entstehen, landen jedoch ziemlich ungefiltert im Innenraum. Wo der Lenker seinen Nissan Qashqai mit höheren Geschwindigkeiten über kurvige Straßen jagt, unterstützt das CTT mit Bremseingriffen die Spurtreue.

Die elektrische Servolenkung arbeitet zielgenau. Auch wenn ich kein Freund dieser Technik bin, die inzwischen sogar in Sportwagen einzieht. Weil mir bei elektrischen Servolenkungen bisher etwas vom direkten Feedback fehlt. Aber der Qashqai ist kein Sportwagen. Die Servounterstützung passt zum Kompakt-SUV.

Ich habe etwas nach dem passenden Stichwort gesucht, um das Fahrverhalten des Nissan Qashqai zu beschreiben. Ich entscheide mich schließlich für „komfortorientiert“. Ich denke, dass das Fahrverhalten des Qashqai insgesamt am Besten beschreibt.

Wie sitze ich im Nissan Qashqai?

Diese Frage hat deshalb eine große Bedeutung in diesem Auto-Blog, weil ich mit einer Körperlänge aufwarten kann, die die Testpuppe des 95-Prozent-Manns nicht abdeckt. Mit mehr als zwei Metern habe ich in vielen Autos Schwierigkeiten, meine langen Beine ordentlich unterzubringen. Im Nissan Qashqai gelingt das ohne Probleme. Ich stoße auch mit dem Knie nirgends an.

Auch wenn ich mir wünschen würde, das Lenkrad noch einen Zentimeter weiter ausziehen zu können. Ich könnte die Arme dann etwas mehr anwinkeln. Selbst auf der Rückbank kann ich sitzen, ohne mit dem Kopf anzustoßen. Allerdings ist dazu der Fahrer- oder der Beifahrer-Sitz in eine vordere Position zu rücken. Ich könnte also (theoretisch) nicht hinter mir selbst sitzen.

Bilder vom Nissan Qashqai 1.6 dCi

Welches Ausstattungsdetail gefällt besonders?

Die Frage nach dem Besonderen ist gar nicht einfach zu beantworten. Denn der Nissan Qashqai erweist sich in unserem Test insgesamt als zweckmäßiges Auto. Viele Details sind liebevoller gestaltet als im Vorgänger. Das wird im Innenraum deutlich, der wirkt im Vergleich zum Vorgänger wertvoller. Im ersten Qashqai war der typisch japanische Hartplastiklook Standard. Im neuen Modell dominieren stattdessen weiche Formen und Oberflächen.

Lass die Sonne in Deinen Qashqai!

Die Ausstattung des Testwagens ist luxuriös. Die Ausstattungsvariante Tekna ist Nissans Top-Angebot. Zu ihr gehört das große Panoramaglasdach des Testwagens. Ein Ausstattungsdetail, das mir schon vor beim ersten Test extrem positiv auffiel. Auch nach dem längeren Test finde ich an dem Dach gefallen. Für die heißen Sonnentage gibt es ein Innenrollo. Dazu bewährt sich die Klimaanlage. Sie schafft es im Test zuverlässig, die Temperaturen auf das gewünschte Maß herunterzukühlen.

Serienmäßig stattet Nissan alle Qashqai mit einer elektronischen Parkbremse (e-PKB) aus. Sie erkennt das Anfahren und deaktiviert sich automatisch. Dazu gibt es – dem Normverbrauch im Auge – in allen Modellen eine verbrauchsenkende Start/Stop-Automatik. Ebenfalls serienmäßig ist der Bordcomputer mit 5″ großem Farbdisplay. Von der Außentemperatur über den Verbrauch und die noch mögliche Distanz bis zu Infos über den Reifendruck und der aktuellen Geschwindigkeit zeigen alle Qashqai zahlreiche Infos hier serienmäßig an.

Wichtig ist Nissan die Fahrerunterstützung

Zur Ausstattungslinie Tekna gehört ein umfangreiches Fahrerassistenz-Paket. Es umfasst einen Fernlicht-Assistenten, einen autonomen Notbrems-Assistenten, eine Verkehrszeichenerkennung, einen Spurhalte-Assistenten sowie einen automatisch abblendenden Innenspiegel. Im Alltag am meisten bewährt sich die Verkehrszeichenerkennung. Sie erkennt auch bei Dunkelheit am Straßenrand stehende Verkehrszeichen zuverlässig.

Dazu gibt es im Testwagen auch einen Totwinkel-Warner, eine Müdigkeitserkennung und einen Einpark-Assistenten. Mit diesen drei Helfern hat Nissan seinem Testfahrzeug ein weiteres Zusatzpaket spendiert. Beim Nissan-Händler kostet das rund 700 Euro. Der Einpark-Assistent ist eine Hilfe, dank der Übersichtlichkeit des SUV aber ein Luxus, der nach meinem Geschmack nicht zwingend notwendig ist.

Fazit zum Nissan Qashqai 1.6 dCI Tekna

Der Test hat deutlich unterstrichen, warum der 1.6 dCI der Motor ist, für den sich die meisten Qashqai-Kunden entscheiden. Wer sich einen Qashqai kauft, der erwartet keinen Sportwagen. Stattdessen wünscht er sich ein Auto, das zu seiner Individualität passt. Der Japaner mit britischen Wurzeln ist nicht das Auto, das Autofahrer kaufen, wenn sie den Nachbarn imponieren wollen. Aber er ist ein Auto, das viele Nachbarn neugierig macht.

Eine weitere Zielgruppe des Qashqai sind sicherlich auch junge Familien. Auch ihre Anforderungen erfüllt der Qashqai weiter mit Leichtigkeit. Zumal Nissan den Qashqai zu attraktiven Preisen anbietet. Schon die Ausstattung des Basismodells kann sich sehen lassen. Und auch bei den Unterhaltskosten bleibt der Nissan Qashqai kalkulierbar.

Mission Complete … Der Nissan Qashqai der zweiten Generation hat das Zeug, den Verkaufserfolg des Vorgängers zu übertrumpfen. Denn Nissan hat den SUV konsequent weiterentwickelt. Der Qashqai ist auf der höhe der Zeit und erfüllt die Anforderungen vieler Großstadt-Menschen souverän.

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