Nach neun Jahren Laufzeit hat Volkswagen den VW Caddy umfassend überarbeitet. Ich war mit dem Caddy der vierten Generation auf Probefahrt.

Nutzfahrzeuge unterliegen anderen Modellzyklen als „normale“ Pkw. Während normale Pkw in der Regel nach vier bis sechs Jahren einen Generationswechsel durchlaufen, setzen die Hersteller bei Nutzfahrzeugen gerne auf mehr Beständigkeit. Besonders Gewerbekunden freut das. Schließlich rüsten Handwerker aller Gewerke ihre Nutzfahrzeuge gern mit einem Innenausbau für die benötigten Werkzeuge aus. Einen zu diesem Ausbau passenden Lieferwagen fast eine Dekade lang anzubieten, ist daher auch Investitionsschutz für die Kunden.

Der Erfolg gibt Volkswagen recht. Selbst nach einer Laufzeit von neun Jahren verkauften die Nutzfahrzeugtochter der Wolfsburger im vergangenen Jahr fast 150.000 VW Caddy. Etwas mehr als die Hälfte davon ging Gewerbekunden. Handwerker, Bau- und Forst-Arbeiter sowie Lieferdienste lieben ihren Caddy. Dazu hat sich der Kleintransporter als Hochdacha-Kombi auch in das Herz zahlreicher Familien gefahren. Genauso wie Handwerker schätzen auch Familien oft die seitlichen Schiebetüren. Die sparen Platz und erleichtern den Zugang in den Innenraum. Das finden Familien und Handwerker gleichsam praktisch. Alles gute Gründe, um beim Neuen keine Revolution auszurufen.

Was ist neu beim neuen VW Caddy (2015)?

Der neue VW Caddy sieht seinem Vorgänger daher sehr ähnlich. Neu sind die Kanten, die der Caddy des Jahrgangs 2015 trägt. Konservativ zu sein, kann manchmal ziemlich modern sein – habe ich neulich in der Imagebroschüre eines Unternehmens gelesen. Selten hat diese Aussage wohl so sehr gepasst, wie beim neuen Caddy. Die Designer haben im Wesentlichen die Scheinwerfer und Rücklichter verändert. Dazu gibt es auf dem Kotflügel und den vorderen Türen eine neue seitliche Kante. Diese kosmetische Operation reicht VW, um den Caddy von außen angemessen zu modernisieren.

Mehr Veränderungen gibt es unter dem Blech. Bei den Fahrzeugen für Privatkunden erfüllen jetzt alle Motoren die Euro6-Norm. Im Bereich der Gewerbefahrzeuge wird das 2016 der Fall sein. Volkswagen nutzt dabei bestehende Fristen bis zum Ende aus. Dazu gibt es ein völlig neues Cockpit. Mit ihm ziehen zahlreiche Komfort- und Assistenzsysteme des Modularen Querbaukastens (MQB) in den Caddy ein. Ohne jedoch das Konzernwerkzeug MQB selbst zu übernehmen. Denn auch der neue Caddy basiert weiter auf der Plattform des Vorgängers. Ist im Kern also dem Golf V oder dem ersten Touran näher als dem Golf VII.

Welche Motoren gibt es im VW Caddy?

Unter der Motorhaube bietet Volkswagen im Caddy seinen Kunden eine große Auswahl. Drei Benziner gibt es. Neu ist der Caddy 1.0 TSI mit dem Ein-Liter-Dreizylinder-Turbo-Benzindirekteinspritzer und 102 PS. Dazu gibt es noch einen 84 PS starken 1,2-Liter-Benziner sowie einen 1,4-Liter-Motor mit 125 PS. Damit ist der Caddy bei Bedarf 185 Kilometer pro Stunde schnell.

Caddy 1.4 TGI mit Erdgas – mehr als ein Geheimtipp

Ich war bei den Pressetestfahrten hauptsächlich mit dem Erdgas-Caddy unterwegs. Der 1,4-Liter große Turbomotor verbrennt „Compressed Natural Gas“ (CNG). Das gab es als EcoFuel bereits im Vorgänger. Doch in ihm verbrannte ein zwei Liter großer Saugmotor das Erdgas. Der kleinere Motor des Neuen verfügt dank des Turboladers über ein besseres Ansprechverhalten und ist sparsamer. Der Normverbrauch des TGI liegt jetzt bei nur 4,1 Kilogramm CNG für 100 Kilometer. Immerhin 1,7 Kilogramm weniger als im Vorgänger.

Dank der 110 PS gibt es beim Fahren des TGI keinen großen Unterschied zu den „normalen“ Otto-Motoren. Wie schon im Seat Mii mit Erdgas-Motor fällt mir der manchmal raue Klang des TGI auf. 26 Kilogramm Gas sind an Bord. Im Caddy Maxi mit dem längeren Radstand sind es sogar 37 Kilogramm. Das reicht – bei moderater Fahrweise – im Kurzen für etwa 600 Kilometer. Der Lange schafft mit Erdgas sogar fast 900 Kilometer. Für den Notfall, wenn der CNG-Tank leer ist, gibt es einen zusätzlichen Benzin-Tank, um zur nächsten Erdgas-Tankstelle zu kommen.

Die Diesel-Motoren im neuen Caddy

Für Freunde des Selbstzünders stehen im neuen VW Caddy vier unterschiedliche Leistungsstufen zur Verfügung. Zum Einsatz kommt ein zwei Liter großer Vierzylinder mit vier Ventilen pro Zylinder und Turbolader. Er produziert wahlweise 75 PS, 102 PS, 122 PS und 150 PS. Wobei VW das 122 PS starke Aggregat nur in Verbindung mit Allradantrieb anbietet. Sparmeister ist der 102 PS starke Caddy BlueMotion. Dank einer geänderten Getriebeabstimmung und einer moderaten Tieferlegung liegt der Normverbrauch des Kombis bei 4,2 Litern Diesel. In der leichteren Gewerbevariante liegt der Verbrauch sogar unter vier Litern.

Wie fährt sich der neue VW Caddy?

Im Alltag fährt sich auch der neue Caddy wie ein Pkw. Wie der Vorgänger verfügt der Caddy hinten über eine Starrachse. Für spricht, dass die starre Achse weniger Platz als eine Einzelradaufhängung wegnimmt. Das sorgt dafür, dass auch der Caddy 2015 bei Bedarf eine Euro-Palette transportieren kann. Das ist im Alltag der meisten Caddy-Käufer wichtiger, als eine flotte Rundenzeit auf der Nordschleife des Nürburgrings.

Ich war neben dem TGI auch mit zwei Diesel-Varianten (102 PS und 122 PS) unterwegs. In allen drei Fällen war der Caddy ausreichend motorisiert. Wir reden hier schließlich von einem Fahrzeug, das überwiegend Gewerbetreibende kaufen. Sie fahren durchschnittlich weniger als 40 Kilometer am Tag. Sind dabei oft nur wenige Meter von Stop zu Stop unterwegs. Insofern sind Zuverlässigkeit und günstige Kosten für die Zielgruppe wichtiger als Spitzenleistungen.

Welche Varianten des VW Caddy gibt es?

Die Anzahl der Caddy-Modelle ist fast unüberschaubar. Als Maxi verfügt der Caddy über einen um 32 Zentimeter verlängerten Radstand. Zusammen mit dem längeren Überhang ist der Maxi sogar 47 länger als der Standard-Candy. Damit schluckt der Caddy ein Ladevolumen von bis 3.700 Liter. Dazu kommen zahlreichen Innenraum-Varianten. Vom Zweisitzer mit geschlossenem Fahrzeugkörper bis zum Siebensitzer-Kombi reicht das Programm. Zusammen mit den Motoren lassen sich mehr als 400 Caddy-Varianten zusammenstellen – teilweise auch mit Allradantrieb.

Ich war bei den Pressetestfahrten mit einem bunten Mix der Caddy-Flotte unterwegs. Neben dem Kombi bewegte ich auch ein Nutzfahrzeug mit Doppelkabine und langem Radstand sowie den coolen Caddy Beach. Alle haben übrigens im Innenraum den Charme des Nutzfahrzeugs abgelegt. Denn die Designer haben den Innenraum komplett neu gestaltet. Wo im Vorgänger bisher der Zeitgeist des ersten Turan zu Hause war, ist im neuen Caddy die Gegenwart eingezogen.

Die Assistenzsysteme im neuen Caddy:

Der Einzug der Gegenwart ist grundsätzlich auch den im Caddy teilweise ganz neuen Assistenz- und Komfortsystemen geschuldet. Wer will kann seinen Caddy jetzt mit mehreren Brems-Assistenten, einer Geschwindigkeitsregelanlage, einer automatischen Distanzregelung, einem Fernlicht-Assistenten sowie einer Müdigkeitserkennung ausrüsten. In den Testfahrzeugen, die ich bisher bewegen konnte, hat mir besonders die Rückfahrtkamera gefallen. Mit ihrem scharfen Bild macht sie millimetergenaues Rangieren möglich. Ein Extra, das ich sehr empfehlenswert finde.

Wie sitze ich im neuen VW Caddy?

Gut gefällt mir auch das Sitzsystem des Caddy. Denn trotz meiner überdurchschnittlichen Länge finde ich sofort eine angenehme Reiseposition. Übrigens sowohl in der ersten als auch der zweiten Reihe. An Lenkrad sitzt es sich im Caddy fast wie auf einen Stuhl. Für meine langen Oberschenkel ist die Sitzfläche allerdings ein Stück zu kurz. Trotzdem kann auch ich im Caddy längere Strecken ermüdungsfrei zurücklegen. Gut gefällt mir auch die Rücksitzbank, deren Sitzelemente einzeln umklappbar sind. Das sorgt – auch in Verbindung mit dem umklappbaren Frontsitz – für maximale Variabilität im Innenraum.

Der Caddy für den Hippster – Caddy Beach:

Besonders interessant finde ich den Caddy Beach. Mit ihm bietet Volkswagen auf Basis des Caddy ein kleines Wohnmobil Schlafmobil an. Der Beach verfügt über ein Bett, auf dem auch zwei Erwachsene schlafen können. Zudem gibt es zusätzliche Ablagemöglichkeiten und eine Kühlbox. Und natürlich das praktische „Vorzelt“, das den Caddy als Extra stationär im Fahrerlager oder auf der Hundeausstellung um zusätzlichen Wohnraum verlängert. Cool auch, dass ich dabei unter der Heckklappe, die dann Bestandteil des „Vorzelts“ wird, stehen kann.

Wer kauft den neuen VW Caddy?

55 Prozent der Caddy gingen bisher an Gewerbetreibende. Mit der vierten Generation wird der Caddy mehr als bisher zum PKW. Damit rückt Volkswagen stärker als bisher Familien in den Fokus. Das wird auch beim Sondermodell „Generation Four“ deutlich, das VW zum Start des neuen Caddy anbietet. Die „Generation Four“ ist ein stylisher Hochdach-Kombi, der mit seinen 17 Zoll Felgen, der dunklen Verglasung und der Innenraumgestaltung kaum Wünsche offen lässt.

Was hat mir nicht gefallen?

Die Sitze des Caddy lassen sich ausbauen. Allerdings sind sie erstaunlich schwer. Der Ausbau erfordert zwei Personen und ist nichts für zwischendurch. Zudem sitzt das Navigationssystem für meinen Geschmack etwas zu tief. Wer sich auf der Landkarte orientieren will, muss den Kopf weit senken. Ich fände es besser, wenn das Navigationssystem und das Bedienelement der Klimaanlage ihre Positionen tauschen.

Navigationssystem im VW Caddy
Navigationssystem mit Rückfahrtkamera im VW Caddy: Gutes Bild, aber etwas zu tief positioniert.

Welcher Caddy ist mein Favorit?

Die Antwort ist gar nicht einfach. Vermutlich würde ich mich für einen langen Lieferwagen mit Doppelkabine entscheiden. Dessen Ladefläche ist lang genug, um – oberhalb der Radkästen – das Kart von Max zu transportieren. Als Alternative kommt für mich auch der Beach infrage. Mit ihm könnte der Kart-Ausflug – eine Anhängerkupplung vorausgesetzt – dank des Betts auch mal länger ausfallen.

Auch beim Antrieb sehe ich für uns zwei Alternativen. Neben dem Diesel mit 122 PS hat mir auch der 1,4 Liter große Erdgas-Motor gefallen. Allerdings fahren Karla und ich seit fast 20 Jahren mehrmals im Jahr nach Frankreich. Dort sind Erdgas-Tankenstellen weitestgehend unbekannt. Gleichzeitig ist der Diesel-Kraftstoff dort deutlich günstiger als in Deutschland. Am Ende ganz persönliche Argumente, die bei uns wohl das Pendel für den TDI ausschlagen lassen würden. Wären wir nur in Deutschland unterwegs, sähe die Entscheidung definitiv anders aus. Denn dann wäre der TGI unsere erste Wahl.

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