Test: Audi SQ5 (2017) – S ist angerichtet

Gut ein halbes Jahr nach dem Debüt des Audi Q5 der zweiten Generation liefert Audi seit Kurzem in Deutschland den SQ5 aus. Der Neue verfügt über den Antriebsstrang des Audi S4 und ist erstmals auch bei uns als Benziner verfügbar. Ich war mit dem 354 PS starken Audi SQ5 TFSI bereits auf Probefahrt.

Wie viel Leistung benötigt ein SUV?

Für Sportfahrer ist die Antwort einfach: Mehr Leistung ist immer schön. Der Mainstream beurteilt diese Frage sicherlich zurückhaltender. Unabhängig davon ist Leistung immer auch ein Spiegel der Zeit. Denn beim legendären VW Golf GTI bewegte vor 40 Jahren jede Pferdestärke rund acht Kilogramm. Damit gilt der erste GTI, dessen Herz einst von Audi stammte, als Meilenstein sportlicher Kompaktlimousinen.

Beim neuen Audi SQ5 schiebt jede Pferdestärke nur noch rund 5,5 Kilogramm an. Das ist ein Leistungsgewicht, das vor ein paar Jahren allenfalls ausgewiesenen Sportwagen vorbehalten war. Insofern ist die Skepsis, mit der auch in meinem Umfeld Autofreunde auf den neuen SQ5 reagieren, verständlich. Zumal der drei Liter große Benzin-Direkteinspritzer mit Turboaufladung auch beim Drehmoment überzeugt. Freundliche 500 Newtonmeter stemmt der V6 auf seine Kurbelwelle.

In 5,4 Sekunden von 0 auf 100!

Damit beschleunigt der knapp zwei Tonnen schwere Audi SQ5 in 5,4 Sekunden aus dem Stand auf ein Tempo von 100 Kilometern pro Stunde. Anschließend klettert der Tacho ungezügelt weiter. Mir gefällt, dass das maximale Drehmoment des Motors im Drehzahlbereich von 1.370 bis 4.500 Umdrehungen zur Verfügung steht. Zudem unterbricht die elektronische Getriebesteuerung erst bei 6.400 Umdrehungen den Vortrieb, um den nächsten Gang der Achtgang-Automatik einzulegen.

Das erzeugt, auch weil die Kraft des Motors über alle vier Räder auf die Straße fließt, eine gewisse Leichtigkeit. Es beeindruckt, wie dieser Motor den SUV nach vorne schiebt. Erst jenseits der Marke von 200 Kilometern pro Stunde nimmt die Dynamik etwas ab. Wie weit der V6 den SUV beschleunigen könnte, bleibt offen. Denn bei einem Tempo von 250 Kilometern pro Stunde begrenzen die Konstrukteure den weiteren Zuwachs der Geschwindigkeit elektronisch.

Trotzdem wird auf jedem Meter meiner Probefahrt deutlich, dass das Konzept des Audi SQ5 auf seinem V6-Motor fusst. Zumindest geradeaus macht das jede Menge Spaß. In Kurven beeinträchtigt die Masse den Fahrspaß etwas. Obwohl der Testwagen dank seiner präzisen Lenkung, den adaptiven S-Luftdämpfer und dem optionalen Sport-Differenzial auch diese Aufgabe meistert. Doch ich bewege gerade ein leer knapp zwei Tonnen schweres Fahrzeug.

Was verbraucht der Audi SQ5 mit Benzinmotor?

Wer den Audi SQ5 wirklich sportlich fordert, der spürt das. Praktisch jede Sekunde wird deutlich, dass der SQ5 mehr das Doppelte des bereits genannten Golf GTI auf die Straße bringt. Das macht sich auch an der Tankstelle bemerkbar. Denn nach meiner Testfahrt durch die bayrische Provinz zeigt der Bordcomputer einen Verbrauch von etwas mehr als zehn Litern an. Wobei dabei sicher auch die ungezügelte Lust an der Beschleunigung sicherlich eine Rolle spielt.

Tom und der Audi SQ5 (2017)
Tom und der Audi SQ5 (2017) – Foto: Graeme Fordham (RIGHTLIGHTMEDIA.DE für Audi)

Mein Durchschnittsverbrauch enthält den üblichen Zuschlag, den Sportfahrer an der Tankstelle zahlen. Wer beim Fahren etwas mehr den Gasfuß zügelt, der verbraucht deutlich weniger. Im Eco-Style bewegt, erreicht der neue Audi SQ5 einen Verbrauch von weniger als neun Litern. Das liegt im Bereich des im Labor gemessenen kombinierten Verbrauchs von 8,5 Litern. Und zeigt wieder einmal, wie groß der Einfluß des Fahrverhaltens am eigenen Spritverbrauch ist.


Was bietet der SQ5 sonst noch?

Im Innenraum bietet der SQ5 allen Komfort seiner normalen Brüder. Wir gefallen die serienmäßigen Sportsitze mit Leder- und Alcantara-Bezug des Sportmodells. Sie bieten auch bei sportlicher Fahrt einen guten Seitenhalt. Fast schon selbstverständlich, dass der Testwagen über das virtuelle Cockpit verfügt. Wobei dies auch im Spitzenmodell SQ5 unverständlicherweise nicht serienmäßig an Bord ist. Wer es haben will, zahlt einen Aufpreis von 500 Euro.

Audi typisch ist der Qualitätseindruck. Im Testwagen klappert selbst, als ich den SQ5 über einen Feldweg jage, nichts. Alles macht einen hochwertigen Eindruck. Allerdings sorgt ein falsch justierter Sensor dafür, dass der Testwagen Phantome sieht. Beim Wenden piept plötzlich die Rangierhilfe. Seitlich neben dem Auto sei ein Hindernis. Ich steige extra aus, um das zu kontrollieren. Mein Eindruck hat mich nicht getrübt, neben dem Auto ist nichts – nobody’s perfect.

Was kostet der Audi SQ5 (2017)?

Die Preisgestaltung von Audi ist selbstbewusst. Der Grundpreis des SQ5 liegt bei 64.900 Euro. Damit ist der Audi teurer als ein Jaguar F-Pace 35t (340 PS – ab 60.160 Euro) oder ein Mercedes-AMG GLC 43 (367 PS – ab 61.761 Euro). Die Grundausstattung des ausschließlich mit permanentem Allradantrieb lieferbaren SQ5 ist gut. Zu ihr gehören LED-Scheinwerfer und eine S-spezifische Dämpferregelung.

Auch die Achtstufen-tiptronic, Sportsitze in Alcantara/Leder sowie ein Multifunktions-Lederlenkrad mit drei Speichen gehören zur Serienausstattung. Doch mehr geht immer. Wer die serienmäßigen 20-Zoll-Aluminium-Guss-Räder im 5-Doppelspeichen-Stern-Design durch modische 21-Zöller ersetzt und seinen SQ5 mit Infotainment- und Assistenzsystemen auf das Niveau des Testwagens bringt, der landet bei einem Preis von fast 80.000 Euro.

Fazit zum neuen Audi SQ5 (2017)

Ich bin bei Autos konservativ. Manche nennen mich sogar einen Dinosaurier. Doch für mich ist klar, der Star des neuen Audi SQ5 ist sein drei Liter großer V6-Motor. Der Benziner-Direkteinspritzer mit Abgasturboaufladung verfügt über eine Leistung von 354 PS und ein maximales Drehmoment von 500 Newtonmetern. Das gefällt einem Petrolhead wie mir. Wie dieser Motor den SUV antreibt, das ist durchaus ein Erlebnis.

Trotzdem ist der SQ5 kein Krawallbruder. Selbst mit den etwas schärferen Schürzen, den größeren Lufteinlässen und dem Diffusor bleibt der SUV dezent. Das geht so weit, dass die Auspuffblenden am Heck Attrappen sind. Tatsächlich bläst der SQ5 nicht wie ein Motorsportler seine Abgase in den Diffusor. Die richtigen Endrohre versteckt Audi – wie bereits beim normalen Audi Q5 – unter dem Wagen.

Audi SQ5 (2017) Heck
Die Auspuffblenden am Heck des Audi SQ5 (2017) sind Attrappen. Tatsächlich enden die Auspuffrohre unser dem SUV. (Foto: Audi)

Doch das ist nur ein Detail. Die wahre Stärke des SQ5 ist nicht die Show. Der Sport-SUV verbindet Komfort und Sportlichkeit. Denn im Alltag des Stadtverkehrs ist auch der sportliche Q5 ein sanfter Gleiter. Er bringt seine Insassen bequem und mit einigem Luxus von A nach B. Doch wenn man ihn lässt, dann kann der SQ5 auch anders. Dann wird aus dem Gleiter vielleicht kein Sportgerät, aber immerhin ein sehr sportliches Auto.

Das gefällt selbst einem Dino wie mir. Und das ist meiner Meinung nach das Beste, was es in dieser Klasse zurzeit gibt. Der Jaguar F-Face mag umwerfender sein. Der Mercedes-AMG GLC 43 mag dank seiner Antriebsverteilung (31:69) agiler sein. Der Alfa-Romeo Stelvio mag stärker sein. Aber besser als Audi bringt zurzeit niemand Qualität, Performance, Agilität, Sound und Komfort in einem sportlichen SUV nicht zusammen.

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Ein Beitrag von:

Als Kind der 1970er-Jahre hatte Tom das große Vergnügen, in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Das war der optimale Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Denn Tom Schwede moderiert seit 2010 bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland. So ist Tom unter anderem bei den Classic Days (früher Schloß Dyck, heute in Düsseldorf) oder dem 1.000 Kilometer-Rennen am Nürburgring zu hören. Wenn Sie also einen Moderator oder Streckensprecher für Ihre Oldtimer-Rallye oder Ihr Oldtimer-Treffen suchen, dann sind Sie bei Tom definitiv richtig!

2 Kommentare

  1. Tom
    12. Juni 2018

    Danke für den Bericht. Allerdings kann ich nicht ganz nachvollziehen wie Sie dieses Auto sportlich mit 10,x liter/100 gefahren sind. Ich fahre einen S4 mit dem selben Motor und im sportlichen Modus geht hier nichts unter 14-15/100. Würde mich über eine Antwort freuen.

    • Tom Schwede
      20. Juni 2018

      Naja, möglicherweise interpretieren wir „Sportlichkeit“ etwas unterschiedlich … ich beschleunige gern rasant und lasse dann „Laufen“ …

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