Nach dem kompakten A3 g-tron gibt es bei Audi jetzt auch einen A4 mit Erdgas-Motor. Ich war mit dem Audi A4 Avant g-tron auf Probefahrt. Wie fährt sich die umweltfreundliche Diesel-Alternative aus Ingolstadt?

Das Auto steht wegen seiner Schadstoff-Emissionen oft in der Kritik. Wobei das mit den Schadstoffen so eine Sache ist. Denn die Luft, die bei modernen Motoren aus dem Auspuff strömt, ist inzwischen oft sauberer als die Ansaugluft. Trotzdem blasen ideologisch Verwirrte weiter zur Jagd. Besonders der Diesel gilt inzwischen als Ausgeburt des Bösen. Dabei das eigentlich ein Widerspruch. Denn im Kampf gegen die globale Erwärmung führt kein Weg an der Reduzierung des CO2-Ausstoßes vorbei.

Jeder „Liter“ Kraftstoff, den wir nicht verbrennen, ist ein Schritt in die richtige Richtung, ist ein Gewinn in der Ökobilanz. Die Europäische Union drängt die Autohersteller daher zu Recht dazu, den Kraftstoffverbrauch ihrer Produkte zu senken. 2020 darf die „Flotte“ eines Herstellers nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Zumindest auf dem Prüfstand, um hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen.

Auf dem Weg zum Ziel der 95 Gramm pro Kilometer war der Diesel bisher gesetzt. Denn der Selbstzünder verbindet Leistungsfähigkeit mit Effizienz. Mit dem Zusatz von Harnstoff und einer motornahen Abgas-Nachbehandlung sind Diesel extrem sauber, halten alle Grenzwerte ein. Auf dem Prüfstand und auf der Straße. Doch die Kostenoptimierung, die die Mehrzahl der Autobauer vor dieser teuren Reinigungstechnik zurückschrecken ließ, führte geradewegs in den Dieselskandal.

Nun ist guter Rat teuer – und Erdgas soll es richten

Denn Erdgas hat mehrere Vorteile. Der CO2-Ausstoß liegt rund 25 Prozent unter vergleichbaren Benzinern. Doch das ist nur die Ouvertüre des CO2-Sparkonzerts. Denn Erdgas lässt sich synthetisch erzeugen. Dabei spalten zunächst Elektrolyseure Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff. Anschließend darf der Wasserstoff mit CO2 reagieren. Bei diesem Prozess entsteht synthetisches Methan. Das bindet genau die Menge an CO2, die das Auto später bei der Verbrennung emittiert.

Mit solch synthetischem Erdgas ist daher ein klimaschonender Betrieb des Erdgas-Motors möglich. Übrigens selbst bei Beirücksichtung der bei Produktion und Bereitstellung anfallenden CO2-Emissionen. Denn selbst dann kommt der Audi A4 Avant g-tron rechnerisch nur auf einen CO2-Ausstoß von gut 20 Gramm pro Kilometer. Da kommen auch die viel gelobten Elektrofahrzeuge nicht mit. Und das selbst dann, wenn Ihr Strom aus erneuerbaren Energiequellen stammt.

Alles zusammen sorgt dafür, dass Compressed Natural Gas (CNG), wie Erdgas an der Tankstelle heißt, schon länger als umweltfreundlicher Hoffnungsträger der Motorenbauer gilt. Passenderweise verlängerte der Gesetzgeber kürzlich die Subvention des Kraftstoffs bis 2026. Bei Berücksichtigung des Heizwerts liegt der Preisvorteil von Erdgas bei gut 50 Prozent. Ein Kilogramm kostet zur Zeit etwas mehr als ein Euro.

Henne-Ei-Problem Erdgas-Tankstelle

Der Preisvorteil macht Erdgas zumindest theoretisch auch für Vielfahrer interessant. Bisher waren die Fuhrparks der Unternehmen Dieselflotten. Angesichts des schlechten Rufs des Diesel ist der Zeitpunkt, einen Audi A4 Avant g-tron anzubieten, gut. Inzwischen gibt es erste Anzeichen, dass Firmen den Diesel meiden. Das sorgt dafür, dass die Chancen für einen Erdgas-Durchbruch so gut wie nie sind. Wenn da nicht das Problem mit den Tankstellen wäre.

Aktuell gibt es in Deutschland nur rund 900 Erdgas-Tankstellen. Das sorgt für ein Henne-Ei-Problem. Schon seit einigen Jahren kündigen Energieversorger und Autoindustrie an, dass es bald 2.000 Erdgas-Tankstellen gäbe. Ich beobachte das Thema Erdgas schon etwas länger. Der Audi A4 Avant g-tron ist das dritte Erdgas-Auto, das ich teste. Schon beim Test des Seat Mii 1.0 Ecofuel Start & Stop vor mehr als drei Jahren rund schrieb ich von rund 900 CNG-Tankstellen.

Wie fährt sich der Audi A4 Avant g-tron?

In diesem Test geht es mir ausschließlich um den Erdgas-Antrieb. Die Qualitäten der aktuellen Generation des A4 sowie des Audi A4 Avant haben wir in diesem Auto-Blog bereits ausführlich beschrieben. Zuletzt testete ich den Audi A4 allroad quattro 2.0 TFSI. Insofern ist der Audi A4 ein „alter“ Bekannter. Insofern fühle ich mich nach dem Einsteigen in den g-tron am Münchener Flughafen sofort wie zu Hause.

Als „A4-Kenner“ fällt mir im Cockpit des g-tron sofort die zweite Tankuhr ins Auge. Denn der dieser A4 zeigt den Kraftstoffvorrat von Benzin und Gas an. Neben den vier Gastanks, die 19 Kilogramm CNG fassen, ist auch ein Benzintank an Bord. Der fasst 25 Liter und versteht sich als Notvorrat, wenn keine CNG-Tankstelle in der Nähe ist. Das hält den A4 g-tron auch im Ausland mobil. Denn dort ist Autogas weit verbreiterter als Erdgas.

Ich starte den Audi A4 Avant g-tron und bin positiv überrascht. Zur Verbrennung von Erdgas gehört ein recht rauer Klang. Diese Tonlage ist das Ergebnis des hohen Wirkungsgrads des Erdgasmotors. Sie ist der Sound einer im Vergleich zu Benzin sauberen Verbrennung. Beim Mittelklasse-Vertreter A4 kann ich das nicht hören. Zu gut ist der A4 gedämmt. Für die Insassen ist also zumindest beim Klang kein Unterschied wahrnehmbar.


Mehr zum Audi A4 Avant g-tron in anderen Auto-Blogs

  • Für Arild ist das Fazit zum A4 Avant g-tron einfach. Spar Dich glücklich!
  • Auch die Gas-Profis von gibgas.de testeten den g-tron.

Auch beim Fahren ist es schwierig, einen Unterschied zu fühlen. Im Prinzip entspricht der Vierzylinder des Audi A4 Avant g-tron dem 2,0-Liter-TFSI-Aggregat. Für den Einsatz im g-tron modifizierten die Techniker die Kolben. Zudem passten sie die Einspritzanlage und die Verdichtung an die geänderte Verbrennung an. Doch die Unterschiede sind eher marginal. Denn der Ottomotor läuft – wie beschrieben – im Notfall auch als Benziner.

Mit 170 PS Leistung und einem maximalen Drehmoment von 270 Newtonmetern ist der Audi A4 Avant g-tron mehr als ausreichend motorisiert. Den Sprint aus dem Stand auf ein Tempo von 100 Kilometern pro Stunde bewältigt der „Öko-A4“ in 8,4 Sekunden. Sicherlich, moderne Turbo-Diesel und vergleichbare Benziner sind dynamischer und fixer. Aber ihr CO2-Ausstoß liegt dabei höher. Insofern ist es die Vernunft, die diesen Audi an seinen Kontrahenten vorbeiziehen lässt.

Fazit zum Audi A4 Avant g-tron

Die Chancen für Erdgas waren noch nie so gut. Insbesondere wer synthetisches Gas tankt, ist mit einem echten Klimaschoner unterwegs. Angenehm, dass das weitestgehend ohne Verzicht und Askese beim Fahrspaß einhergeht. Der Audi A4 Avant g-tron erreicht mit seinen Fahrleistungen gute 9,2 Punkte. Wobei der Kombi allerdings davon profitiert, dass wir unsere Öko-Skala für den g-tron nutzen.

Auch bei den Systemen der Bereiche Sicherheit- und Assistenz gibt sich der Audi A4 Avant g-tron keine Blöße. Im A4 ist vieles verfügbar, was noch vor kurzer Zeit der Oberklasse vorbehalten war. Allerdings sorgen der vergleichsweise hohe Grundpreis sowie die Aufpreisgestaltung, dass wir in der Kategorie Preis- und Leistung nur auf 8,3 Punkte kommen. Der Blick in die Preisliste zeigt warum. Als Benziner ist ein vergleichbarer A4 Avant bereits für gute 38.000 Euro zu haben.

Mit dem Erdgas-Motor unter der Motorhabe liegt der Einstiegspreis bei knapp über 40.000 Euro. Zudem kosten bei Audi auch Klassenstandards wie ein Licht- oder Regensensor extra. Daher verpasst der Audi A4 Avant g-tron im Bereich Preis- und Leistung ein besseres Ergebnis. Die Möglichkeit, diesen Kombi klimaschonend zu betreiben, honoriere ich in unserer völlig subjektiven Kategorie „Drivers Choice“ mit der Maximalpunktzahl.


Technische Daten zum Testwagen:

  • Typ: Audi A4 Avant g-tron 2.0 TFSI S tronic
  • Grundpreis: 42.600 Euro (bzw. 40.300 Euro mit manuellem 6-Gang-Schaltgebtriebe (12/2017)
  • Motor: Reihen-Vierzylinder-Ottomotor mit Direkteinspritzung und Abgasturbolader
  • Emissionsklasse: EU6
  • Getriebe: 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
  • Hubraum: 1.984 ccm
  • max. Leistung: 170 PS bei 4.450 bis 6.000 1/min
  • max. Drehmoment: 270 Nm bei 1.650 bis 4.400 1/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
  • Kraftstoffverbrauch auf 100 km (kombiniert): CNG 4,1 bis 3,8 kg/100km | Benzin 6,0 bis 5,5 /100km
  • CO2-Emission (kombiniert): CNG 111 bis 102 g/km | Benzin 137 bis 126 g/km

Die Angaben zum Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen sind Abhängig vom verwendeten Reifen-/Rädersatz.


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