Fahrberichte: Volkswagen

Test VW T-Cross 1.0 TSI OPF – Mini-SUV für Einsteiger oder Bedürfnislose?

Eine Dienstreise bot mir die Gelegenheit, den VW T-Cross unter die Lupe zu nehmen. Ich war fast 1.000 Kilometer im VW T-Cross 1.0 TSI OPF mit 95 PS und Schaltgetriebe unterwegs. Das vermittelte mir ein klares Bild davon, was der kleine SUV von Volkswagen kann.

Treue Leser dieses Blogs wissen, früher lud mich Volkswagen regelmäßig zur Presse-Fahrveranstaltungen ein. Irgendwann war das nicht mehr der Fall. Wir sind nicht bei YouTube. Und die Autobauer bevorzugen die, die Autos mit bewegten Bildern vorstellen. Inzwischen ist es für uns sogar schwierig einen passenden Gesprächspartner in Wolfsburg zu finden. E-Mails bleiben oft unbeantwortet. Doch die Realität der Abrufzahlen sprechen eine andere Sprache. Unsere Tests des VW Golf 7 GTI Performance oder VW Polo lesen beispielsweise pro Woche immer noch mehrere Hundert Menschen.

Insofern gibt es da draußen offenbar immer noch Interesse an Schriftlichem über neue Autos. Insofern muss ich kreativ sein, wenn ich weiter Leser erreichen will, die sich für Modelle von Volkswagen interessieren. Eine Dienstreise nach Leipzig, wo auch während der laufenden Pandemie meine Anwesenheit erforderlich war, bot mir jetzt die passende Gelegenheit. Denn bei einer Autovermietung mietete ich einen VW T-Cross. Eigentlich hatte ich den Golf der achten Generation bestellt. Doch der war auch bei der Autovermietung zurzeit nicht verfügbar.

Mit welchen VW T-Cross war ich unterwegs?

Die Beschaffung von Testfahrzeugen über eine Autovermietung zeigt mir, in welcher irren Blase Motor-Journalisten leben. Denn Testwagen glänzen in der Regel mit absoluter Vollausstattung. Wobei das sogar nachvollziehbar ist. Denn Du kannst halt nur glaubwürdig über das schreiben, was Du selbst ausprobiert hast. Leider hat ein vollausgestattetes Auto in der Regel nur wenig mit den Fahrzeugen zu tun, die die Kunden tatsächlich kaufen. Insofern ist ein Auto vom Autovermieter vermutlich näher an der Realität, als das ein Testwagen des Herstellers ist.

Seitenansicht des VW T-Cross 1.0 TSI OPF
Der VW T-Cross 1.0 TSI OPF basiert auf dem Polo. Beide fertigt Volkswagen inzwischen auf Basis des MQB – das sorgt für Platzverhältnisse im Innenraum, die das Maß der Klasse sprengen.

Im Fall des VW T-Cross heißt das, vor mir steht die absolute Holzklasse! Denn im „Testwagen“ gibt es tatsächlich keinerlei Extras. So sieht also die Basiskonfiguration eines Autos aus! Wobei die Basiskonfiguration des T-Cross 2020 mehr bietet, als erwartet. Denn an Bord ist sogar ein Radio mit digitalen Radioempfang (DAB+) und Telefonschnittstelle. Auch bei den Fahrhilfen muss sich der kleine SUV von Volkswagen nicht schämen. Denn neben einem elektronischen Stabilitätsprogramm (ESP) mit Gegenlenkunterstützung verfügt der T-Cross auch über Notbrems- und Spurhalte-Assistenten. Das sind alles Punkte, die vor ein paar Jahren noch Aufpreis kosteten.

Holzklasse ist heute also ziemlich kommod und sicher!

Unter der Motorhaube arbeitet ein Dreizylinder mit einem Liter Hubraum. Im VW T-Cross 1.0 TSI OPF leistet der Motor 95 PS (70 kW). Ich kenne diesen Motor aus dem up! GTI, wo das Aggregat jedoch 20 PS mehr leistet. Das maximale Drehmoment liegt bei 175 Newtonmetern. Der Direkteinspritzer im Testwagen stellt diese im Drehzahlbereich von 2.000 bis 3.500 U/min zur Verfügung. Denn der Testwagen kam im Juli 2020 auf die Straße. Inzwischen überarbeitete Volkswagen den Motor des Typs EA211. Bei der seit September ausgelieferte Evolutionsversion des Motors liegt das maximale Drehmoment schon 400 Umdrehungen früher an.

Gemäß der Zulassungsbescheinigung des Testwagens liegt der CO2-Ausstoß des Testwagens bei 136 g/km. In den Papieren müssen die Autobauer inzwischen die Werte auf Grundlage des „Worldwide Harmonized Light Vehikels Test Procedure“ (WLTP) angeben. In der Werbung ist diese Angabe, die auch für die Steuerbemessung den Ausschlag gibt, bisher nicht zwingend vorgeschrieben. Denn in der Werbung sind immer noch NEFZ-Angaben vorgeschrieben. Die WLTP-Angabe ist freiwillig. Volkswagen verzichtet bis heute darauf und nennt in seinen Presseunterlagen nur den – immer geringeren – NEFZ-Wert. Transparent ist das nicht! Doch die Minuspunkte, die ich dafür gedanklich vergebe, kann ich dem Auto nicht anlasten.

Wie fährt sich der VW T-Cross 1.0 TSI OPF?

Vor dem Fahren steht das Finden der richtigen Sitzposition. Stammleser wissen, ich schlage mich mit einem mehr als zwei Meter langen Körper herum. Gutes und ermüdungsfreies Sitzen ist da keine Selbstverständlichkeit. Es gelingt mir im T-Cross jedoch erstaunlich gut. Allenfalls die Kopffreiheit lässt etwas zu wünschen übrig. Insofern bleibt die Frage, ob 95 PS im Alltag reichen, um sich mit einem Auto von A nach B fortzubewegen. Immerhin reden wir hier von einem Auto, dessen Leergewicht bei 1.267 Kilogramm liegt. Mit mir und meinem Gepäck sind hier also mindestens 1,4 Tonnen in Fahrt zu bringen und zu halten.

Tom Schwede am Steuer des VW T-Cross 1.0 TSI OPF
Trotz meiner Länge kann ich im VW T-Cross 1.0 TSI OPF auch auf längeren Strecken gut sitzen. Nur die Kopffreiheit ist – naturgemäß – etwas beschränkt.

Der VW T-Cross 1.0 TSI OPF schafft das – Spaß macht das jedoch nicht. Laut Datenblatt bewältigt der T-Cross den Sprint aus dem Stand auf ein Tempo von 100 Kilometer pro Stunde in 10,8 Sekunden. Tatsächlich genehmige ich mir wohl eher nochmal die Hälfte länger, bis ich das Landstraßen-Tempo erreiche. Theoretisch ist der T-Cross 180 Kilometer pro Stunde schnell. Ich beschränke mich auf ein Tempo von maximal 140 bis 150 Kilometern pro Stunde. Denn oberhalb dieser Marke wird es nicht nur zäh, es wird im Auto auch relativ laut. Der Dreizylinder klingt angestrengt. Ich entscheide mich, dem T-Cross das nicht zu lange zuzumuten und reduziere mein Tempo.

Fazit zum VW T-Cross 1.0 TSI OPF im Test:

Mein Nutzungsszenario entspricht sicher nicht dem, was im Lastenheft der T-Cross Entwickler stand. Zielgruppe des Fahrzeugs sind Stadtmenschen. Sie bewegen sich mit ihrem Auto überwiegend im Dreieck zwischen ihrem zu Hause, den Arbeitsplatz und den Supermärkten am Stadtrand. Ein großer Teil der verkauften T-Cross legt dazwischen sicher auch Abstecher zur Schule oder den Sportplätzen des Nachwuchses ein. Ich fuhr mit dem kleinen SUV von VW vom Ruhrgebiet nach Leipzig und zurück. Immerhin war ich in Leipzig längere Strecken im Stadtverkehr unterwegs. Das rettet den Test.

Kofferraum des VW T-Cross 1.0 TSI OPF
Ich reise, wenn ich nur zwei Tage unterwegs bin, mit kleinem Gepäck. Das verpackt auch der T-Cross ohne Probleme. Theoretisch kann ich 455 Liter Volumen zuladen.

Insgesamt ist mein Fazit positiv. Denn im Stadtverkehr schlug sich der T-Cross gut. Ich schwamm ohne Probleme im Verkehrsfluss mit, fühlte mich nicht als Verkehrshindernis. Zudem punktet der kleine SUV beim Fahren mit einer guten Rundumsicht. Hier in seiner Kerndomäne kann der T-Cross also durchaus glänzen. Zumindest wenn wir bei der Bewertung nur heranziehen, wo die Kunden den Mini-SUV sehen. Insofern dokumentiert der VW T-Cross 1.0 TSI OPF wieder eindrucksvoll: Volkswagen kennt die Bedürfnisse seiner Kunden und versteht sehr viel vom Autobau. Und der VW T-Cross 1.0 TSI OPF ist sicher kein SUV für Bedürfnislose. Er bietet genauso so viel Auto, wie viel Menschen benötigen. Das macht den T-Cross mit 95 PS zum Auto für Sparsame!

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