Heute ist Volkswagen mit einer breiten Modellpalette auf allen wichtigen Automärkten vertreten und bietet vom Kleinwagen bis zum Luxusmobil Fahrzeuge jeder Größe an. Vor 60 Jahren war Volkswagen hauptsächlich der Käfer. Unter dem schlichten Titel „Entwicklungsauftrag 48“ machte man sich in Wolfsburg bereits Anfang der 1950er-Jahre daran, die Monokultur zu beenden. Doch trotz einiger bahnbrechender Ideen, die ihrer Zeit weit voraus waren, entschied man sich schließlich gegen eine Serienproduktion.

Wer heute die Gelegenheit hat, sich den „Entwicklungsauftrag 48“ einmal im Detail anzusehen, der entdeckt in den Prototypen jede Menge innovative Details. Der EA 48 überrascht mit einem in den 1950er Jahren revolutionären Technik-Package. Unter Leitung der Entwicklungsingenieure Heinrich Seibt und Gustav Mayer, der später zum Chef-Entwickler der Volkswagen Transporter aufstieg, entstand ein Fahrzeug, das kompakte Abmessungen mit vier Sitzen und Frontantrieb verband. Merkmale, die heute in den Fahrzeugen der sog. Kompaktklasse selbstverständlich sind.

Vier Jahre nach dem Volkswagen EA 48 machte Alec Issigonis im Mini eine ähnliche Lösung serienreif.

Die selbsttragende Pontonkarosserie des Kleinwagens verfügt mit ihrem Schrägheck über ein Gestaltungsmerkmal, das sich erst in den 1970er Jahren endgültig durchsetzten sollte. Die Gestaltung wurde auch möglich, weil es Gustav Mayer gelang, im EA 48 das platzsparende McPherson-Prinzip mit Frontantrieb und dessen Lenkmechanismus zu kombinieren. Diese Kombination aus Schraubenfeder, Stoßdämpfer und Querlenker steckt heute in nahezu allen Fahrzeugen mit Frontantrieb.

Beim Motor verließ man sich auf Bewährtes!

Damit stellt der EA 48 das Gegenteil des Käfer-Layouts mit Heckmotor und Heckantrieb dar.
Der vorn eingebaute Zweizylinder-Boxer erweist sich auf den ersten Blick als halbiertes Käfer-Herz. Seine Leistung wurde in den Testprotokollen als absolut ausreichend bezeichnet. Die Fahreigenschaften des relativ leichtgewichtigen EA 48 beurteilten die Testfahrer als sportlich, das Handling erhielt gute Noten. Ein Ergebnis, das auch auf die Arbeit des Entwicklungspartners Continental zurückgeht. Denn der Reifenhersteller unterstütze die Entwicklung des EA 48 mit 13-Zoll-Rädern, die speziell für den Prototyp angefertigt wurden.

Unscheinbarer Revolutionär: Der Volkswagen Prototyp EA 48 trumpfte 1955 mit zahlreichen innovativen Details auf

Obwohl der Käfer bereits seinen Siegeszug angetreten hatte, wollte Volkswagen mit dem EA 48 den Markt auch unterhalb des Bestsellers bedienen. Doch als der EA 48 Produktionsreif war, schätzte man in Wolfsburg schätze die Marktchancen des ersten vollständig in Eigenregie entwickelten Volkswagens als zu gering ein. Zudem wollte man die vorhandenen Produktionskapazitäten ausschließlich für den auch im Export immer erfolgreicheren Käfer verwenden.

Daher ging der EA 48 trotz der zum Teil revolutionären Details nicht in Serie. Vielleicht war das eine verpasste Chance, denn der EA 48 hatte durchaus das Zeug zum Bestseller der 1950er-Jahre. So bedienten in den 1950er-Jahren Rollermobile wie das Goggomobil, der Messerschmitt Kabinenroller oder die Isetta den Markt unterhalb des Käfers. Mehr zum EA 48 können Sie jetzt bei den Kollegen von Volkswagen Classic online lesen.

5 Kommentare

  1. Schade, das wäre heute sicherlich ein ganz, ganz gesuchter Oldtimer. Denn mit dem offenen Querträger hätten die noch schneller rostet als die Minis

  2. Der 2 Zylinder Boxer mit 600ccm und dem Lüfterrad auf der Kurbelwelle erinnert mich stark an die Motoren des Citroen 2cv (Ente). Dort wurde die selbe Konstruktion verwendet und bewährte sich millionenfach.

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