Peugeot und Kleinwagen, das ist für viele Autofreunde eine feste Einheit. Bereits 1911 mit dem Bébé genannten BP1 begründeten die Franzosen diese Tradition. Vor 40 Jahren setzten sie mit dem Peugeot 104 den damals „kürzesten Viertürer Europas“ in die Welt. Der gerade einmal 3,58 Meter messende 104 gilt heute als modisch-schicker Kleinwagen der frühen 1970er-Jahre, der auch bei Peugeot ein neues Automobil-Zeitalter anbrechen lies.

Denn ganz dem Zeitgeist entsprechend stellte Peugeot im Herbst 1972 mit dem Peugeot 104 einen modernen Frontantriebs-Kleinwagen mit kantigen und entsprechend klaren Konturen vor. Damit folgten die Löwen den Beispielen von Autobianchi, Fiat und Renault, die zuvor bereits ähnliche Kleinwagen auf den Markt gebracht hatten. Den Stein ins Rollen brachte 1969 die Fiat-Tochter Autobianchi mit der Präsentation des A112. Die Turiner nutzen die 1967 vollständig übernommene Marke Autobianchi, um die neue Technik des Frontantriebs mit Quermotor am Markt auszuprobieren, ohne den Ruf der Marke Fiat zu gefährden.

Erst nachdem der A112 am Markt wie eine Bombe einschlug, reichte Fiat im Frühjahr 1971 mit dem Fiat 127 den Halbbruder des A112 unter eigener Flagge nach. Doch so fortschrittlich die Formgebung der Italiener war, unter dem Blech setzte man bei Fiat auf Bewährtes. Im Motorraum der engen Verwandten schlug das bekannte Herz des Fiat 600 mit dreifach gelagerter Kurbelwelle und untenliegender Nockenwelle. Zentrales Element des Fahrwerks war eine querliegende Zweiblattfeder an der Hinterachse.

Peugeot hat es leichter

Schon im Frühjahr 1972 folgte Renault dem Trend mit dem R5. Doch ebenso wie Fiat steckte auch im R5 eine Menge Bewährtes. Bei der Konstruktion des Renault R5 griff man in Boulogne-Billancourt an vielen Stellen aus Kostengründen auf Teile aus dem 10 Jahre alten R4 und aus dem 1968 vorgestellten R6 zurück. Peugeot dagegen konnte den 104 ohne solche Zwänge entwickeln. Der 1965 vorgestellte Peugeot 204 verfügte zwar ebenfalls bereits über Frontantrieb, war jedoch ein deutliches Stück größer als der neue Kleinwagen und damit nur sehr bedingt als Teilespender geeignet.

So entstand bei Peugeot ein völlig neues Fahrzeug, das bei seiner Vorstellung dem aktuellen Stand der Technik entsprach. Mit einem Radstand von 2,42 Metern gelang den Entwicklern die Konstruktion eines geräumigen Kleinwagens. Den A112 überragt der Peugeot A112 in dieser Disziplin um satte 40 Zentimeter, den Fiat 127 immerhin noch um 20 Zentimeter. So konnte Peugeot dem Kleinwagen von Anfang an vier Türen gönnen und mit einem Alleinstellungsmerkmal in den Wettbewerb einsteigen.


Mit Einzelradaufhängungen vorn und hinten verfügt der Peugeot 104 auch über das fortschrittlichste Fahrwerk seiner Klasse. Und weiß mit seinem Komfort und seiner Fahrsicherheit nicht nur im Stadtverkehr, sondern auch auf langen Strecken zu überzeugen. Dazu trägt auch der extra für den Peugeot 104 entwickelte Leichtmetall-Motor mit fünffach gelagerter Kurbelwelle bei. In der Basis-Version mit 954 ccm Hubraum leistet das quer eingebaute und um 72 Grad nach hinten geneigte Triebwerk im Peugeot 104 45 PS. Mit 1.124 ccm leistet der Motor 53 PS. Später reicht Peugeot sogar eine 1.360 ccm große Spielarten des Motors nach, die mit bis zu 80 PS eine sehr sportliche Gangart ermöglicht.

Das richtige Auto seiner Zeit

Doch schon als „Brot und Butter“ Version mit 45 PS erreicht der 104 fast die Fahrleistungen seines älteren Bruders 204. Und ist mit einem deutlich besseren Benzinverbrauch genau das richtige Auto, als die Ölkrise 1973/74 die westliche Welt erschüttert. Dazu trägt auch das Leergewicht von gerade einmal 750 kg bei. Mit diesen Anlagen wird der Peugeot 104 ein Millionenerfolg und zu einem fast zeitlosen Longseller.

In schließlich in 16 Jahren Produktionszeit verkauft man insgesamt mehr als 1,6 Millionen Exemplare und stellt nebenbei im Laufe der Zeit eine ganze Familie auf die Räder – obwohl eine Stufenheck-Version und ein Kombi nie über den Status von Prototypen hinauskommen. Zwei Jahre nach der Markteinführung der Limousine erscheint ein als City-Coupé bezeichneter kurzer Dreitürer, dessen große und tief heruntergezogene Heckklappe bald auch als Extra für den Viertürer verfügbar ist.

In Verbindung mit einer umklappbaren Rückbank bietet der Innenraum nun mit fast 700 Liter Stauraum sogar genug Platz für sperriges Gepäck. 1976 sorgt der kleinste Peugeot in Form einer aufregenden Roadster-Studie von Pininfarina für Furore: Die Peugette genannte minimalistische Sportwagen mit kräftigem Überrollbügel. Doch während der Peugette eine Studie blieb, hielten bei den Händlern auch die Standardmodelle die Kunden bei der Stange.

Badge-Engineering bei Peugeot

Besonders das modisch-schicke City-Coupé mit seiner hochwertigen Lifestyle-Ausstattung wusste über die gesamte Bauzeit zu gefallen. Es ist aus heutiger Sicht ein Urvater vieler Edel-Minis. Mit dem 80 PS kräftigen 104 ZS Rallye, der mit Spoilern und Kotflügelverbreiterungen ein typisches Kind seiner Zeit ist, schuf Peugeot gleichzeitig den Traumwagen vieler junger Männer der ausgehenden 1970er-Jahre.

Als Peugeot 1974/75 Citroën kaufte, gab es den Dreitürer auch als Citroën LN zu kaufen. Dabei fand unter der Motorhaube dieses Citroën der Zweizylinder-Boxermotor aus der Dyane Verwendung. Der Viertürer mutierte 1978 zum Citroën Visa, der in weiten Teilen auf der Plattform des Peugeot 104 basierte. Nach der Übernahme der europäischen Chrysler-Werke bot man den 104 ab 1981 auch als Talbot Samba an. Wobei mit dem Label Talbot vom 104 sogar ein von Pininfarina gefertigtes Cabrio erhältlich war.

Als Oldtimer ist der Peugeot 104 fast in Vergessenheit geraten

Anders als für seine ehemaligen Kontrahenten aus Turin oder Boulogne-Billancourt gibt es keine Clubs oder Interessengemeinschaften, die sich exklusiv dem Peugeot 104 widmen. Bei den großen Gebrauchtwagenbörsen des Internets ist das Angebot an Peugeot 104 recht überschaubar. Mehr als 10 Exemplare sind selten im Angebot. Offensichtlich sit ein Peugeot 104 als Oldtimer sehr selten, dafür aber zu erstaunlich moderaten Preisen verfügbar. Für einen gepflegten Oldtimer mit H-Zulassung muss man rund 4.000€ investieren.

2 Kommentare

  1. Oh, schreckliches Auto! Hat meine Frau früher gefahren, allerdings als Citroën. Das war eine ganz schreckliche Rumpelkiste

  2. An die Studie erinnere ich mich. Sehr eckig. Wäre wohl unverkäuflich gewesen. Deshalb gabs die dann wohl auch nicht!

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