In Madrid bauten Schüler au einem historischen SEAT 600 ein Elektroauto. Der Umbau von Oldtimern zum reinen Elektromobil lässt mich immer etwas ratlos zurück. Sachliche Argumente für solche Umbauten gibt es in meinen Augen nicht. Ihr Sinn reduziert sich meist auf das Bekannte „weil es geht“.

Schon vor mehr als fünf Jahren beschäftigte ich mich hier im Blog mit demVW e-Golf. Damals schrieb ich, das ein für einen Verbrenner konstruiertes Auto nachträglich unter Spannung zu setzen, bei mir gar keine Spannung erzeugt. Daran hat sich bis heute nicht geändert. Das gilt auch für den Umbau von Oldtimern. Zumal für mich Oldtimer nur dann als rollendes Denkmal eignen, wenn sie vollständig erhalten bleiben. Mit einem E-Motor verlieren Oldtimer ihre Seele.

Verantwortlich für den Umbau des SEAT 600 ist ein Industrietechnik-Kurs der San-Patricio-Schule in Madrid. Auf ihrem Lehrplan steht auch das Thema Elektroauto. Ihr Lehrer Manuel Amor ersann deshalb die Idee, einen Oldtimer zum Elektroauto umzurüsten. Die Wahl viel auf den kleinen SEAT 600. Der Lizenzbau von Fiat mobilisierte in den 1950er- und 1960er-Jahren Spanien. Mit ihm brach auch in Spanien das Zeitalter der Massenmotorisierung an. 

Der SEAT machte Spanien mobil
Der SEAT machte Spanien mobil, das bringt dem Oldtimer bis heute in Spanien viele Sympathiepunkte.

Jetzt, wo viele im E-Auto einen Heilsbringer sehen, ist die Entscheidung für diesen Kleinwagen also auch ein Statement. Denn der SEAT 600 wird dabei zum Symbol eines Neustarts. Mit etwas gutem Willen geht der Austausch des Verbrennungsmotors durch einen E-Motor auch als Symbol einer Kreislaufwirtschaft durch. Denn die Weiternutzung eines 60 Jahre alten Fahrzeugs ist zumindest nachhaltig.

Der Umbau ist einfach!

Zunächst flogen der Zweizylindermotor im Heck und der im Kofferraum verbaute Tank aus dem Auto. An die Stelle des Verbrenners trat ein Elektromotor. Dieser bezieht seine Energie aus einem Batteriesatz, den die jugendlichen Entwickler im Kofferraum über der Vorderachse verstauten. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt des Kleinwagens deutlich. Das dürfte das Fahrverhalten dramatisch verändern. Schon das ist Grund genug, um solche Umbauten zu abzulehnen.

Die Verbindung zwischen E-Motor und Batterie stellt ein neuer Kabelbaum her. Für die Steuerung verbauten die Schüler ein großes Digitaldisplay auf dem Armaturenbrett. Rund 150 Stunden benötigten die Schüler für den Umbau. Zehn Fahrzeugteile stellen sie speziell für den elektrischen Seat 600 her. Leider schreibt SEAT in seiner Pressemitteilung zum Umbau nicht, um welche Fahrzeugteile es sich dabei handelt.

Das Video, das SEAT zum Umbau veröffentlichte, gibt jedoch einen Hinweis, dass es sich dabei im Wesentlichen um Halter für den Elektromotor handelte. Auch der Anschluss des im Auto verbliebenen Getriebes erforderte speziell konstruierte Teile. Trotzdem ist das Ganze am Ende nicht mehr als eine nette Fingerübung. Sie ist gewiss geeignet, um den Schülern den Aufbau eines Elektroautos zu verdeutlichen.

Wo ist der Sinn, aus einem SEAT 600 ein Elektroauto zu machen?

Echten Nutzen – im Sinne der Mobilität – hat so ein Umbau einfach nicht. Obwohl klassische Autos in der Regel zumindest leicht sind. In diesem Punkt sind Oldtimer einem guten Elektroauto näher als modernen klassischen Autos. Ich liebe klassische Fahrzeuge und bewege sie gern. Aber mir ist klar, dass die passive Sicherheit einer Konstruktion der frühen 1950er-Jahre im heutigen Alltag sicher nicht mehr zeitgemäß ist.

Zudem ist das Elektroauto meiner Meinung nach nicht geeignet, um das Bedürfnis nach individueller Mobilität zu befriedigen. Alleine in Deutschland sind zurzeit mehr als 47 Millionen Pkw zugelassen. Sicher sind darunter Exemplare, die ihre Besitzer eigentlich nicht benötigen. Aber wir leben in einer freien Gesellschaft. Es ist das gute Recht einer pensionierten Lehrerin, pro Woche nur zehn Kilometer zu fahren, um zwei- oder dreimal zum Supermarkt zu kommen.

Dem Innenraum fügten die jugendlichen Entwickler ein großes Digitaldisplay hinzu.
Dem Innenraum fügten die jugendlichen Entwickler ein großes Digitaldisplay hinzu.

Das dogmatische Herbeireden einer Verkehrswende mit der Begründung des Klimaschutzes mißachtet die offensichtlichen Bedürfnisse der Bürger. Es ist eine unerträgliche Bevormundung unserer Beispiel-Autofahrerin ein anderes Verkehrsmittel aufzwingen zu wollen. Zudem geht die Fertigung von Batterien mit einem Raubbau an der Natur einher, der inakzeptabel ist. Alleine dieser Punkt disqualifiziert das Elektroauto bei einer ganzheitlichen Betrachtung.

Zumal wir die Klimakrise nicht auf unseren Straßen lösen. Es ist es völlig naiv, im Straßenverkehr die Lösung im Kampf gegen die globale Erwärmung zu sehen. Pkw fahren heute klima- und umweltverträglicher als jemals zu vor. Auch der zwischenzeitlich als Ergänzung in die Diskussion eingebrachte Feinstaub sank nach einer Studie des Umwelt Bundesamts von 1995 bis 2017 um 76 Prozent. Wenn wir das Klima schützen wollen, dann sind Maßnahmen abseits unser Straßen notwendig.

Deshalb bringt uns es uns nicht weiter, wenn aus einem SEAT 600 ein Elektroauto wird. Der Umbau mag lehrreich für die Schüler sein, aber er ist nicht mehr als ein Feigenblatt. Er ist nicht einmal im Ansatz geeignet, um Problem zu lösen.

Schreib einen Kommentar