Das Diesel-Jahr 2013 ist für uns im Auto-Blog für echte Auto-Natives Anlass, in loser Folge die Geschichte des Selbstzünders aufzurollen. Im ersten Teil der Serie ging es um den Erfinder und sein grundlegendes Motorkonzept, das 1893 von der Idee zum Prototyp reifte. Anschließend haben wir uns den langen Weg ins Serienauto angesehen. Im dritten Teil der Serie blicken wir heute zurück, wie der Diesel im Pkw heimisch wurde.

Den Sprung ins Serienauto schaffte der Dieselmotor im Olympiajahr 1936, als Mercedes-Benz und Hanomag die ersten Diesel-Fahrzeuge vorstellten. Mehr als 40 Jahre waren seit der Erfindung vergangen. Doch die Produktion 260D endet 1940 kriegsbedingt. Auch Hanomag baute seinen Diesel-Pkw zunächst nur in kleinen Stückzahlen.

Das Comeback nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg bot Mercedes-Benz zunächst ausschließlich Fahrzeuge mit Ottomotoren an. Doch schon im Mai 1949 gab es bei Mercedes mit dem 170 D wieder einen Diesel. Im Fahrgestell der bereits vor dem Krieg vorgestellten Baureihe W 136 steckte mit dem OM 636 ein vollständig neu entwickelter Dieselmotor. Das intern als „Oel-Motor“ (OM) bezeichnete Aggregat erzeugte aus 1,7 Liter Hubraum zunächst 38 PS Leistung. Unter Oldtimer-Freunden heute besonders gesucht ist die Polizei-Variante 170 D OTP.

Mercedes-Benz 180 D
Produktionsrekordler: 1958 wird im Werk Sindelfingen der 100 000. Mercedes-Benz 180 D gebaut. (Foto Mercedes-Benz)

Von Anfang an bot Mercedes den Viertakt-Vorkammer-Diesel auch als Industriemotor an. Der Verkauf des Motors an Hersteller von Treckern, Strom-Generatoren, Gabelstaplern oder Booten war für Mercedes-Benz von Anfang an ein gutes Geschäft. Mehr als drei Jahrzehnte verkaufte Mercedes den Motor an Kunden in aller Welt. Seat in Spanien baute den OM 636 bis 1980 in den Taxi-Varianten des Seat 124 ein.

Auch als Mercedes seine Mittelklasse 1952 grundlegend überarbeitete blieb der Motor an Bord. Nur der Hubraum wurde für den Einsatz im Ponton-Modell der Baureihe W 120 moderat auf jetzt 1,8 Liter vergrößert. Im „neuen“ 180 D standen damit zunächst 40 Diesel-PS zur Verfügung. Drei Jahre später steigerte Mercedes die Leistung auf 43 PS. Trotz dieser aus heutiger Sicht bescheidenen Leistung ist der 180 D dank seiner großen  Wirtschaftlichkeit schnell der Liebling der Taxifahrer.

Die Nockenwelle wandert in den Zylinderkopf

Obwohl der OM 636 bei den Kunden beliebt war, trieb Mercedes-Benz die Entwicklung des Dieselmotors weiter voran. 1958 stellten die Stuttgarter im 190 D mit dem OM 615 einen Dieselmotor vor, der als erster Pkw-Diesel mit einer obenliegenden Nockenwelle bestückt war. Das ermöglichte, die Leistung auf 50 PS aus 1,9 Liter Hubraum anzuheben. Weil gar nicht alle Kunden an dieser Leistungssteigerung interessiert waren, blieb der Vorgängermotor mehr als drei Jahre als 180 D im Angebot.

Mercedes-Benz OM 636
Der Dieselmotor OM 636 VII – die Abkürzung OM geht auf den Begriff „Oelmotor“ zurück. (Foto: Mercedes-Benz)

Auch der als OM 615 bezeichnete Motor wurde bei Mercedes-Benz zu einem echten Langläufer. In vielen kleinen Schritten wurde der Motor im Laufe der Jahre immer weiter optimiert. Eine echte Neukonstruktion stellte Mercedes-Benz erst 1983 vor. In den Baby-Benz 190 D hätte das bewährte Aggregat nicht gepasst. Trotzdem wurde der Klassiker bis 1995 als Industriemotor und den Einsatz in Nutzfahrzeugen weiterproduziert.

Peugeot bringt den Diesel in den Kleinwagen

Zahlreiche andere Hersteller springen nach dem Zweiten Weltkrieg ebenfalls auf den Diesel-Trend auf. Doch selbst Größen wie Ford oder Alfa Romeo (Giulia Nuova Super Diesel!) vertrauen dabei meist auf Dieselmotoren, die sie bei Herstellern wie Perkins beziehen. Peugeot setzt im Gegensatz dazu von Anfang an auf Eigenentwicklungen. Ab 1958 ist für den Peugeot 403 auch ein selbst entwickelter Dieselmotor verfügbar.

Peugeot 204
1968 stellt Peugeot 204 mit dem zu dieser Zeit kleinsten Dieselmotor der Welt vor. (Foto: Peugeot)

Zur Vorstellung des Nachfolgemodells 404 entsteht ein einsitziger Diesel-Prototyp. Auf der Rennstrecke von Montlhéry bei Paris stellt der Peugeot 404 Diesel Record 1965 insgesamt 40 Geschwindigkeits- und Zuverlässigkeitsweltrekorde auf. Dabei legt er über 11.000 Kilometer mit dem Durchschnittstempo von 161 km/h zurück, eine bis dahin für Selbstzünder unvorstellbare Leistung.

Drei Jahre später stellen die Franzosen im Peugeot 204 den bis dahin kleinsten Diesel-Pkw der Welt vor. Der Selbstzünder verfügt „nur“ über einen Hubraum vom 1.255 ccm und wird zunächst nur im Break genannten Kombi angeboten.

Volkswagen folgt 1976 mit dem Golf. Der 50 PS starke VW Golf Diesel verfügt über eine bis dahin unbekannte Dynamik. Einen noch größeren Fortschritt bringt die Turbo-Technik. Sie hält ebenfalls in den 1970er-Jahren Einzug in Serienbau. Im vierten Teil dieser Diesel-Serie schauen wir, wie der Turbo dem Diesel Extra-Leben einhaucht.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Auch Peugeot bot im 403 ab 1958 einen Dieselmotor an. (Foto: Peugeot)

Auch Peugeot bot im 403 ab 1958 einen Dieselmotor an. (Foto: Peugeot)

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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