Kürzlich blickten wir auf das Grand Meeting, die früheren Classic Days, zurück. Doch nur drei Favoriten, wie in unserem Artikel, werden dem Grand Meeting nicht gerecht. Schon in der Bildergalerie, die den Rückblick ergänzte, verbargen sich weitere interessante Autos. Der Drews DKW F93 Spyder von 1956 ist ein gutes Beispiel dafür. Fast unscheinbar stand er zwischen zwei Zelten, ohne große Menschenmenge, ohne Absperrung, ohne Hinweisschild, das nach Aufmerksamkeit schrie.
Schöne Schwester des DKW 3=6 Monza?
Wer den Wagen zum ersten Mal sieht, hält ihn leicht für einen aufgeschnittenen DKW 3=6 Monza. Und wie bei diesem steckt auch unter dem Drews DKW Spyder die Technik des DKW F93. Doch anders als beim Monza, der ein Kunststoffkleid trug, verfügt das Werk des Wuppertaler Karosseriebauers Drews über eine Leichtmetallkarosserie. Die Fertigung solcher Karosserien galt damals als Kernkompetenz der Anfang 1945 gegründeten Firma.

Hinter der Firma stand Gerhard Drews, der in Berlin das Handwerk des Karosseriebauers erlernt hatte. Später kam Drews zur Düsseldorfer Flugzeugfabrik Gottlob Espenlaub und lernte hier die Verarbeitung von Aluminiumblechen kennen. Schon 1947 bot Drews das Drews-VW Sportcabriolet an. 1951 folgte ein Coupé auf Basis des Käfers. Dieses orderten einige Kunden mit einem Porsche-Motor. Parallel dazu fertigte Drews auch Karosserien für Veritas und AFM.
War der Drews DKW Spyder Ersatz für das Sportcabriolet?
Der Rallyefahrer Walter Schlüter, im Hauptberuf Brennstoffgroßhändler im nahen Velbert, orderte 1951 bei Drews eine Karosserie für seinen Alfa Romeo 6C 2500. Bei aller Vielfalt war das Drews-VW Sportcabriolet das Rückgrat der Firma. Doch das 2+2-sitzige Cabriolet mit Leichtmetallkarosserie lag preislich deutlich über dem offiziell von VW angebotenen Käfer Cabriolet. Spätestens nach der Vorstellung des VW Karmann-Ghia Typ 14 als Coupé im Jahr 1955 wurde die Luft für Drews langsam dünn.

Gut möglich, dass Drews im DKW Spyder einen Ersatz für die schwächelnde Nachfrage des Sportcabriolets sah. Den Antrieb des offenen Zweisitzers übernahm der Dreizylinder-Zweitaktmotor des DKW F93. Mit seiner leichten Karosserie sank das Gewicht. Das versprach Fahrleistungen, die deutlich lebhafter ausfielen als beim serienmäßigen DKW. Seine neue Karosserie verlieh ihm eine Eleganz, die mehr an italienische Sportwagen als an einen deutschen Kleinwagen erinnerte.
Wenn Raritäten keine Bühne brauchen
Und so erzählt der Drews DKW Spyder von einer Zeit, in der kleine Karosseriebauer mit viel handwerklichem Geschick aus Großserientechnik individuelle Sportwagen schufen. Es war faszinierend, diesem außergewöhnlichen Automobil auf dem Grand Meeting beinahe zufällig zu begegnen. Manchmal sind eben nicht die perfekt inszenierten Stars die größte Überraschung einer Veranstaltung, sondern genau jene Autos, die am Rand darauf warten, entdeckt zu werden.
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