Heute vor 50 Jahren feierte Jochen Rindt endlich seinen ersten Grand Prix. Der Grazer gewann den Grand Prix der USA in Watkins Glen.

Beim Wechsel zu Lotus sagte Jochen Rindt, hier kann ich Weltmeister werden oder sterben. Es ist zynisch, aber nicht einmal zwei Jahre später bestätigten sich beide Teile dieser Aussage. Der Österreicher starb im September 1970 in Monza als führender der Automobil-Weltmeisterschaft. Bis zum Saisonende gelang es keinen Piloten, vorbeizuziehen. Deshalb wurde Jochen Rindt 1970 posthum Weltmeister. Bei seinem Tod war der Grazer gerade einmal 28 Jahre alt.

Mit dem Österreicher starb der erste Popstar des Motorsports. Jochen Rindt strahlte die Leichtigkeit und Lässigkeit aus, die bis heute für den revolutionären Beat der ausgehenden 1960er-Jahre steht. Mit seinem Tod verlor der Motorsport seinen Fixstern. Wie schon bei Jim Clark 1968 oder Ayrton Senna 1994 berührte der Tod des Österreichers nicht „nur“ die Szene. Das galt besonders in seiner Heimat Österreich. Der ORF übertrug das Begräbnis auf dem Grazer Zentralfriedhof live.

Rindt verstand sich nicht nur aufs Rennfahren

Der Österreicher setzte sich auch abseits der Strecke geschickt in Szene. Bei TV-Auftritten in aller Welt warb Rindt für seine Arbeitgeber und die Marke „Jochen Rindt“. Denn der Grazer galt als extrem geschäftstüchtig, verstand es, auf und neben der Strecke Geld zu verdienen. Es gibt Zeitzeugen, die den Österreicher als Lehrmeister von Bernie Ecclestone bezeichnen. Beide waren eng befreundet, Ecclestone vertrat seinen Freund bei vielen Verhandlungen. Mit Erfolg, denn Ende der 1960er-Jahre war Jochen Rindt als Werbestar fast omnipräsent.

In Österreich moderiere der Grand Prix Star zusammen mit Gunther Philipp die TV-Sendung „Motorama“. Beeindruckend, wie sympathisch und authentisch der Österreicher bei all diesen Aktivitäten stets wirkte. Zumal der sportliche Erfolg zumindest in der Formel 1 einigen Anlauf benötigte. Denn schon 1964, mit 22 Jahren, trat der Grazer erstmals in der Königsklasse des Motorsports an. Das Debüt auf dem Flugplatz von Zeltweg endete kurz nach der Halbzeit des Rennens mit einem Defekt an der Lenkung.

In Le Mans stieg Jochen Rindt zum Star auf

Ein Jahr später gewann der Österreicher mit einem Ferrari 250LM im North American Racing Teams in Le Mans. Das Cockpit im Team von Luigi Chinetti teilt sich Rindt mit Masten Gregory und Ed Hugus. Der Erfolg war bis heute der letzte Ferrari-Erfolg beim großen französischen Sportwagen-Rennen. Ein Jahr später beendete Ford mit dem GT 40 die Serie von sieben Ferrari-Siegen in acht Jahren. Es war übrigens die Zeit, die Mitte November mit dem Spielfilm „FORD gegen Ferrari“ in Kürze eine späte Würdigung findet.

Der Erfolg in Le Mans war der internationale Durchbruch für Jochen Rindt. Mit diesem Erfolg stieg der Nachwuchsrennfahrer zum Star auf. Mit 23 Jahren war der Grazer der Liebling seiner Landsleute. Rindt setzte die Popularität erfolgreich in bare Münze um. Der Österreicher registriert, dass Briefmarkenausstellungen in Wien 20.000 Besucher anlocken. Im November 1965 findet die erste „Jochen Rindt Show“ statt. Der Wiener Messepalast ist brechend voll, sie Show ein gutes Geschäft.

Der lange Anlauf zum ersten Grand Prix Sieg

In der Formel 1 trat Rindt seit Anfang 1965 im Team von John Cooper an. Schon das war ein bemerkenswerter Aufstieg. Denn nur knapp drei Jahre zuvor verkaufte Cooper einen Formel Junior an einen unbekannten Nachwuchsfahrer aus Graz. Jetzt wechselte dieser Nachwuchsfahrer als Stammpilot in das Team ehemalige Weltmeister-Team. Für damalige Verhältnisse war das ein unglaublich rasanter Aufstieg.

Jochen Rindt beim Großen Preis der Niederlande 1970
1970 ist das Jahr von Jochen Rindt. Der Österreicher gewinnt in Monte Carlo, den Niederlanden, Frankreich, Großbritannien und Deutschland. (Foto: Evers, Joost / Anefo / neg. stroken, 1945-1989, 2.24.01.05, item number 923-6105 – Creative Commons Lizenz)

Der Anfang in der Königsklasse geriet schwierig. In vier Rennen fiel der Grazer vorzeitig aus. In Monaco verhinderten technische Probleme die Qualifikation. Auf der schwierigen Nordschleife des Nürburgrings holte der Pilot aus Graz als Vierter erstmals WM-Punkte. Dieser Achtungserfolg auf der Fahrerstrecke in der Eifel bestätigte die Annahme, dass der Pilot längst ein WM-Kandidat sei. 1966 fährt Rindt weiter für das Cooper Car Company und steigt sogar zur Nummer 1 im Team auf.

Rindt fährt mit Cooper ins Tief

Denn der bisherige Team-Kollege Bruce McLaren zieht es vor, ein eigenes Team zu gründen. Rindt nutzt die Chance, um mit dem Cooper-Maserati T81 dreimal auf das Podium zu fahren. Das reicht auch ohne Grand-Prix-Sieg zum dritten Platz in der Weltmeisterschaft. Doch im Sommer überwarf sich John Surtees mit Enzo Ferrari. John Cooper verpflichtet den Weltmeister von 1964 sofort. Das degradiert Jochen Rindt zur Nummer zwei, denn Surtees wird Vizeweltmeister und gewinnt das Saisonfinale in Mexiko.

Doch der Brite zog nach nicht einmal einem Jahr bei Cooper weiter zu Honda. Rindt bleibt bei Cooper. Doch 1967 ist zu einer F1-Saison zum Vergessen. Cooper setzt drei Fahrzeuge ein, die alle nicht konkurrenzfähig sind. Zwei vierten Plätzen stehen in elf Saisonläufen satte acht Ausfälle gegenüber. Beim Saisonfinale in Mexiko tritt der Jochen Rindt frustriert gar nicht mehr an. 1968 steigt der Österreicher in einen Brabham und kommt vom Regen in die Traufe.

Colin Chapman und Jochen Rindt
Colin Chapman verpflichtet Jochen Rindt 1969. Ein Jahr später dominiert Rindt im Team des Briten die Formel-1-Weltmeisterschaft. (Foto: Evers, Joost / Anefo / neg. stroken, 1945-1989, 2.24.01.05, item number 923-6045 – Creative Commons Lizenz)

Denn Brabham verpasste nach zwei WM-Titeln den Anschluss. Der australische Repco V8-Motor stammt von einem Serienmotor ab und ist nicht mehr konkurrenzfähig. Das Problem verschärft, weil das Team bei den Typen Brabham BT24 und BT26 auf klassische Gitterrohrrahmen vertraut. Die Konkurrenz war einen Schritt weiter und setzt inzwischen durchweg auf steifere Monocoque aus Leichtmetall.

Erst bei Lotus sitzt Jochen Rindt in einem Spitzenfahrzeug

Nach nur einem Jahr bei Brabham zieht Jochen Rindt zu Lotus weiter. Colin Chapman lockt mit einer Gage von 53.000 britischen Pfund. Für einen Piloten ohne Grand-Prix-Sieg ist das viel Geld. Beim zweiten Saisonlauf auf dem Circuit de Montjuïc im Herzen von Barcelona stellt Rindt den Lotus prompt auf den besten Startplatz. Doch im Rennen kollabiert der Heckflügel. Rindt zieht sich beim Unfall einen Nasenbeinbruch und eine Gehirnerschütterung zu.

Das Rennen in Monte Carlo muss der Österreicher auslassen. Doch schon beim Comeback in Zandvoort stellt der Pilot seinen Lotus wieder auf dem besten Startplatz. Das Gleiche gelingt in Silverstone und Monza. In Italien fährt Rindt vom Startplatz als Zweiter erstmals mit einem Lotus aufs Podium. In Kanada gelingt dem Piloten erneut als Dritter ein Platz auf dem Podest. Jochen Rindt ist schnell, daran gibt es keine Zweifel. Doch der erste Grand-Prix-Sieg will einfach nicht gelingen.

Am 5. Oktober 1969 platzt endlich der Knoten

Beim Großen Preis der USA steigt Jochen Rindt im 49. Anlauf endlich zum Grand Prix Sieger auf. Passend zum Sieger ist das Rennen in Watkins Glen mit einer Sieg-Prämie von 50.000 US-$ das lukrativste Rennen der Saison. Der Sieg ist der Dammbruch. Nach dem Sieg in den USA fährt Jochen Rindt noch zehn Grand Prix, gewinnt die Hälfte dieser Rennen. Damit steigt der Österreicher endgültig zum Superstar der Szene auf.

Schreib einen Kommentar

Mit dem Absenden des Kommentars übermittelten Sie uns Ihren Namen, Ihre E-Mail-Adresse, Ihre IP-Adresse, Ihre URL (sofern angegeben) und Ihren Kommentartext. Gleichzeitig stimmen Sie ausdrücklich der Speicherung und der Veröffentlichung des Kommentars zu. Die Veröffentlichung erfolgt ohne E-Mail- und IP-Adresse. Diese Daten dienen dem Schutz vor Missbrauch der Kommentarfunktion (SPAM) und werden anschließend automatisch gelöscht. Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen nicht zu veröffentlichen oder die Links zu entfernen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung des Kommentars besteht nicht.