Nach einem Fehler des Auktionshauses scheiterte vergangene Nacht die mit Spannung erwartete Auktion des Porsche Typ 64. Das angezeigte Höchstgebot gab es wohl nur im Kopf des Auktionators.

In der vergangenen Nacht war ich sicher nicht der Einzige, der mit Spannung der Auktion des Berlin-Rom-Wagens entgegenfieberte. Das Auktionshaus RM Sotheby’s bot den 1939 gebauten Sportwagen im kalifornischen Monterey an. Im Vorfeld war von einem Startgebot in Höhe 13 Millionen US-Dollar für den Porsche Typ 64 die Rede. Um so erstaunter war das Publikum, dass als erster Wert ein Preis von 30 Millionen US-Dollar auf der Anzeige neben der Bühne erschien.

Eine Minute lang sprangen die Gebote in schneller Folge nach oben!

Wobei das Video der Auktion zeigt, dass es gibt im Saal offenbar keine Bieter gab. Aber in Zeiten moderner Kommunikationssystem muss das nicht heißen. Trotzdem überrascht der – scheinbare – Verlauf der Auktion. Denn von 30 Millionen ging es zunächst hinauf auf 30.500.000, um dann direkt auf 40 Millionen zu springen. Das Spiel wiederholte sich, als das Höchstgebot in gleicher Weise zunächst auf 50, dann auf 60 und schließlich auf 70 Millionen sprang.

Bei diesem stolzen Preis, 70 Millionen US-Dollar entsprechen 63.530.00 Euro, stoppte die Flut der Gebote. Im Saal machte sich Begeisterung breit. Doch dann korrigierte sich der Auktionator. Die 70 Millionen seien ein Fehler. Das Höchstgebot läge bei 17.000.000 US-Dollar. Die tatsächliche Reihenfolge der Gebote war wohl 13.000.000, 13.500.000, 14.000.000, 14.500.000, 15.000.000, 15.500.000, 16.000.000, 16.500.000 und 17.000.000 US-Dollar – oder auch nicht!

Auch am Bildschirm blendete das Auktionshaus nun das „richtige“ Ergebnis ein. An die Stelle der Begeisterung trat Verwirrung. Einige Gäste vor Ort fühlten sich auf den Arm genommen. Was lief hier für ein Film? Schließlich sind auch 17.000.000 US-Dollar oder 15.385.000 Euro fast schon unanständig viel Geld für ein altes Auto. Die Auktion kam völlig ins Stocken. Denn was der Auktionator auch probierte, niemand war bereit, ein (höheres?) Gebot abzugeben.

Fast vier Minuten zog sich das Spektakel hin. Doch die 17.000.000 US-Dollar standen unverrückbar auf der großen Leinwand neben der Bühne fest. Verwunderung und Bestürzung gewannen Überhand. Irgendwann fiel zwar der Hammer des Auktionators, doch einen neuen Besitzer fand der Berlin-Rom-Wagen trotzdem nicht. Es blieb unklar, ob es tatsächlich Gebote gab. Gerüchte von einem Mindestpreis in Höhe von 18 Millionen Dollar, den sich der Verkäufer vorbehalten habe, machten die Runde.

Oder meinte der Verkäufer vielleicht 80.000.000 😉

Irgendwie paßt die Geschichte zu dem Auto, das RM Sotheby’s in den vergangenen Wochen noch relativ geschickt in die Auslage stellte. TV-Moderator Chris Harris durfte das Auto fahren. Viele weitere Medien berichteten über das Fahrzeug und die Auktion. Anders als in der Vergangenheit war der Typ 64 diesmal auffällig einheitlich ein Porsche.

Kenner des Fahrzeuges verweisen zwar auf den Auftraggeber und die zahlreichen Volkswagen-Teile wie den Tacho, der sogar ein VW-Logo trägt. Doch es half nichts, der Typ 64 galt als Porsche. Daran änderte auch die Zurückhaltung des Autobauers nichts. Das Porsche Museum bestritt im Vorfeld jedes Interesse. Der Gründungsmythos des Autobauers geht auf Nummer 1 zurück.

Die Gründung des Autobauers Porsche erfolgte erst fast zehn Jahre nach dem Bau des Sportwagens. Das Konstruktionsbüro der Familie, die „Dr. Ing. h. c. F. Porsche GmbH, Konstruktionen und Beratung für Motoren und Fahrzeuge“ entwarf zuvor zahlreiche Autos für Zündapp, NSU, Wanderer (Auto Union) und Mercedes-Benz oder Panzer für Henschel – bei keiner dieser Auftragsarbeiten ist heute von einem Porsche die Rede.

Warum soll dann ausgerechnet der Typ 64 ein Porsche sein?

Schreib einen Kommentar