Es gibt durchaus gute Motorsport-Filme. „Race for Glory: Audi vs. Lancia“ gehört definitiv nicht dazu. Was als dramatische Aufarbeitung eines legendären Rallye-Kampfes angekündigt wird, entpuppt sich schnell als dröge Selbstbeweihräucherung – vor allem für Riccardo Scamarcio, der nicht nur die Hauptrolle als Cesare Fiorio spielt, sondern auch am Drehbuch mitwirkte und zu den Produzenten des Films gehört.
Bereits die ersten Szenen irritieren: Die Handlung beginnt im Januar 1983 – doch anstatt winterlicher Kälte sehen wir satte Sommerwiesen. Die Rallye-Finnland im Vorspann bietet dagegen tiefen Schnee. Offensichtlich hat die Synchronisation hier Schweden mit Finnland verwechselt. Später vermittelt eine Bergkulisse Seealpen-Charme, doch in der Handlung soll das offenbar Oberbayern sein. Das irritiert und ließ uns bereist nach wenigen Minuten verständnislos den Kopf schütteln.
Die Ausstattung überzeugt nicht – im Gegenteil: Sie wirkt billig!
Die Audi rollen auf modernen Reifen. Ok, das fällt nur detailverliebten Fans auf, macht den Film jedoch für diese unerträglich. Besonders grotesk: Bei der Abnahme der für die Homologation des Lancia 037 notwendigen Fahrzeuge zeigt der Film einfach normale Lancia Beta Montecarlo – ein anderes Auto mit anderer – zahmer – Silhouette. Wer auch nur einmal ein Gruppen-B-Fahrzeug gesehen hat, merkt sofort: Das passt vorne und hinten nicht.

Im Film entsteht der 037 erst 1983 – da war der Bolide, den Lancia vom 21. April bis zum 2. Mai 1982 auf dem Turiner Autosalon der Öffentlichkeit vorstellte, bereits seit einem Jahr homologiert. Details, Schwamm drüber, aber warum bekommt es eigentlich kein ausländischer Film hin, deutsche Kennzeichen korrekt darzustellen? Das nervte mich schon als Kind in James Bond-Filmen. Es wirkt immer, als hätte man einfach irgendein altes Schild aus der Requisite geholt – nach dem Motto: „Wird schon keiner merken.“ Doch: Merkt man. Und es nervt.
Kämpfte 1983 eigentlich David gegen Goliath?
Der Film stilisiert Lancia zum aufopferungsvollen Underdog, der sich heldenhaft gegen das übermächtige Audi-Werk stemmt. Historisch kompletter Unsinn: Hinter Lancia stand der FIAT-Konzern – also alles andere als ein Underdog. Das Budget war groß, die Strukturen professionell, und das Team bestand aus erfahrenen Motorsportlern. Diese Fakten zu ignorieren, nur um eine Dramaturgie zu konstruieren, zeigt, wie wenig Interesse der Film an echter Geschichte hat.
Und dann wäre da noch die Besetzung – oder besser gesagt: das Misscasting. Daniel Brühl, in „Rush – Alles für den Sieg“ großartig, kurbelt Roland Gumpert lieblos herunter. Volker Bruch, der im Fernsehen erfolgreich Gereon Rath verkörpert, als Walter Röhrl ist eine Fehlbesetzung. Zu klein, zu wenig bayrisch – und mit einem irritierenden Hang zu Turnschuhen. Wieder so ein Ausstattungs-Thema. Dass Röhrl, einer der größten Fahrer aller Zeiten, damals längst in echten Fahrerschuhen unterwegs war, interessiert hier offenbar niemanden. Authentizität? Fehlanzeige.
Kein Wunder, dass „Race for Glory: Audi vs. Lancia“ (praktisch) nicht in den Kinos lief!
Der Film trägt zu Beginn den Hinweis „Nach wahren Begebenheiten“. Im Abspann relativieren die Macher dies mit der Bemerkung, man wolle kein historisch genaues Abbild der Saison liefern. Warum dann überhaupt dieser doppelte Boden? Was bleibt, ist ein wirrer, lückenhafter Versuch, Geschichte zu dramatisieren – ohne Gespür für Timing, Atmosphäre oder Figuren. Immer wieder gibt es nicht fortgeführte und beendete Handlungsstränge.
Insofern ist das Fazit am Ende einfach. „Race for Glory: Audi vs. Lancia“ ist kein Rennen um Ruhm – sondern ein Stolpern durch Pappkulissen, historische Ungenauigkeiten und Eitelkeiten. Es bleibt der Eindruck eines Films, der von Rallyes so viel versteht wie ein Fiat Panda vom Driften. Das wäre ja kein Problem, wenn die Handlung überzeugen könnte. Doch auch das gelingt nicht. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, der findet „Race for Glory: Audi vs. Lancia“ zurzeit bei Amazon Prime (Werbung).
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