Mick Schumacher beendet deutsche Indy-Durststrecke nach 103 Jahren
Die Liste der deutschen Piloten, die tatsächlich am legendären 500-Meilen-Rennen von Indianapolis teilgenommen haben, ist historisch extrem kurz. Das liegt zum einen an der traditionellen Fokussierung des deutschen Motorsports auf Europa und die Formel 1, zum anderen an den fundamentalen Unterschieden (und Risiken) des Oval-Racings.
Mick Schumacher stellt sich in diesen Tagen der Herausforderung des Indy 500. Der Formel-2-Meister von 2020 ist seit mehr als einem halben Jahrhundert der erste Pilot mit einem deutschen Pass, der beim wichtigsten Rennen des US-Motorsports starten wird. Denn vor Schumacher trat zuletzt Jochen Rindt 1967 und 1968 zweimal in Indianapolis an. Doch der in Mainz geborene Rindt, der bei beiden Versuchen ausfiel, startete zeitlebens mit einer österreichischen Rennlizenz. Die Statistiken des Rennens führen Rindt daher als Österreicher.
Der große Mercedes-Angriff von 1923
Wer in den Statistiken des Indy 500 nach deutschen Piloten sucht, muss sogar noch weiter zurückblättern. Denn schon 1923 schickte die Daimler-Motoren-Gesellschaft ein Werksteam mit drei aufgeladenen 2-Liter-Rennwagen über den Atlantik. Alle drei Piloten qualifizierten sich und bestritten das Rennen:
- Max Sailer erreichte das Ziel nach den vollen 200 Runden und belegte damit den 8. Platz. Dies ist bis heute das beste Ergebnis eines deutschen Piloten beim Indy 500.
- Christian Werner, der ein Jahr später die Targa Florio gewinnen sollte, spulte ebenfalls die volle Distanz ab und kam auf dem 11. Platz ins Ziel.
- Christian Lautenschlager, der schon vor dem Ersten Weltkrieg drei Grand Prix gewann und beim Start in Indianapolis 46 Jahre alt war, hatte weniger Glück. Nach einem Unfall in Runde 14 war für Lautenschlager vorzeitig Schluss.
Damit ist die Liste der deutschen Piloten, die ins traditionell 200 Runden lange Rennen gingen, abgeschlossen. Und Mick Schumacher, der in diesem Jahr bei Rahal Letterman Lanigan Racing (RLL) die volle IndyCar-Saison fährt, beendet eine 103 Jahre währende Durststrecke.
Es sollte nicht sein!
Denn auch von 1950 bis 1960, als die 500 Meilen von Indianapolis zur Automobil-WM zählten, ging dort kein deutscher Pilot an den Start. Piloten wie Karl Kling, Hans Herrmann oder Wolfgang von Trips hätten dort punkten können, reisten jedoch nie für das Oval-Rennen in die USA. Dabei wollte mit Rudolf Caracciola schon 1946 ein deutscher Pilot der Spitzenklasse in Indianapolis starten. Denn geplant war, dass Caracciola dort mit einem W165 antreten sollte.
Doch die Mercedes-Benz-Rennwagen waren nicht zu bekommen. Joel Thorne bot dem Deutschen einen seiner Thorne Engineering Specials an. Aber Caracciola verunglückte im Training schwer. Ein Vogel traf den Rennfahrer aus Remagen am Kopf. „Caratsch“ krachte mit seinem Boliden in der Südkurve hart in die Streckenbegrenzung, erlitt eine schwere Gehirnerschütterung, lag mehrere Tage im Koma.
Warum die Pokale von Rudolf Caracciola in die USA kamen!
Dass die Veranstalter in Indianapolis damals bereits Helme vorschrieben, rettete Rudolf Caracciola möglicherweise das Leben. Tony Hulman, der damalige Besitzer des Indianapolis Motor Speedway, lud Caracciola und seine Frau Alice ein, in seiner Lodge in der Nähe von Terre Haute zu bleiben, um sich vollständig zu erholen. Zum Dank vermachte Rudolf Caracciola, der nur 58 Jahre alt wurde, später seine stattliche Pokalsammlung dem Amerikaner.
Wenn es um deutsche Fahrer auf dem Oval von Indianapolis geht, darf Arnd Meier nicht fehlen. Der Hannoveraner fuhr 1997 und 1998 in der CART-Serie. Das war zu einer Zeit, als der US-Formelsport tief gespalten war. Die Indy Racing League (IRL) kontrollierte das Indy 500, während die traditionellen Teams der CART-Serie (in der Meier fuhr) das Rennen boykottierten oder nicht zugelassen waren.
2026 hat das Warten ein Ende.
Als sich die Lage zwischen den Serien 1998 leicht entspannte, versuchte Meier mit seinem Team die Qualifikation für das Indy 500. Doch der Deutsche scheiterte beim berüchtigten Bump Day. Er war also vor Ort, fuhr im Training, schaffte es aber nicht ins 33er-Starterfeld für das Rennen am Sonntag. Und so bestreitet Mick Schumacher tatsächlich als erster deutscher Pilot seit 103 Jahren wieder das Indy 500.
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