AutoNatives.de bei Google bevorzugen

60 Jahre BMW-Motorräder aus Berlin

Seit 60 Jahren baut BMW in Berlin Motorräder. Doch die Geschichte Berlins als Standort des Fahrzeugbaus ist sehr viel älter. NAG baute hier Autos und Lastwagen, Ford montierte im Westhafen einst sein Model T, in Charlottenburg entstanden kleine Elektroautos und sogar der erste BMW-Pkw hatte eine Berliner Episode.

22. Oktober 2026 4 Minuten Lesezeit
f x ✉
Montage BMW R 60/2 im Jahr 1966
Montage BMW R 60/2 im Jahr 1966 in Berln (Foto: BMW)

Heute ist Berlin vor allem als Motorradstadt von BMW bekannt. Zurzeit können die rund 2.600 BMW-Mitarbeiter in Spandau bis zu 900 Motorräder und Elektroroller täglich fertigen. Vor 60 Jahren sah das noch bescheidener aus. Am 6. September 1966 rollte parallel zum Münchener Stammwerk mit einer R 60/2 das erste Berliner BMW-Motorrad vom Band. Drei Jahre später war der Umzug abgeschlossen. Rund 400 Beschäftigte bauten damals etwa 30 Motorräder am Tag.

Dabei war Berlin keineswegs ein zufällig gewählter Standort. BMW war bereits seit 1939 in Spandau vertreten, nachdem das Unternehmen die Brandenburgischen Motorenwerke (Bramo) übernahm. Nach dem Krieg musste das stark beschädigte und teilweise demontierte Werk neu anfangen. Ab 1958 verlagerte BMW im Rahmen der Berlin-Hilfe zusätzliche Arbeiten aus München nach Spandau. Dazu gehörte auch der Bau von Motorradrahmen.

Autos aus Oberschöneweide

Zu diesem Zeitpunkt hatte Berlin bereits mehr als ein halbes Jahrhundert Mobilitätsgeschichte hinter sich. Schon 1901 entstand die Neue Automobil-Gesellschaft (NAG) im Umfeld der AEG. Sie wurde später in Nationale Automobil-Gesellschaft umbenannt. Sie fertigte in Oberschöneweide Personenwagen, Lastwagen und Omnibusse. Ab 1915 erhielt NAG dort eine imposante neue Fabrik nach Plänen des berühmten Architekten Peter Behrens.

Die NAG war keineswegs allein. Gerade in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gab es in der aufstrebenden Metropole Berlin erstaunlich viele kleinere und größere Automobilhersteller. Namen wie AGA, Dinos oder Rumpler sind heute noch Oldtimerfreunden ein Begriff. Berlin war zeitweise tatsächlich eine deutsche Automobilmetropole. Und manches, was heute hochmodern klingt, gab es dort schon vor mehr als 100 Jahren.

Das Berliner Elektroauto von 1919

1919 gründeten Rudolf Slaby und Hermann Beringer in Charlottenburg die SB-Automobil-Gesellschaft. Ihr Slaby-Beringer war ein winziger elektrisch angetriebener Wagen. Die kleinen leichten Elektroautos fanden sogar Käufer in Japan. In Berlin setzte die „B.Z. am Mittag“ einen Slaby-Beringer im Kurierdienst ein. Doch bereits 1924 war das Unternehmen Geschichte. DKW-Gründer Jørgen Skafte Rasmussen übernahm die Firma. Rudolf Slaby arbeitete fortan für DKW.

Motorenmontage eines 2-Ventil Boxermotors in den 1970er Jahren

Motorenmontage eines 2-Ventil Boxermotors in den 1970er Jahren im Berliner BMW-Motorradwerk (Foto: BMW)

Am 18. August 1925 wurde die deutsche Ford Motor Company in das Berliner Handelsregister eingetragen. Sie mietete etwas später Hallen im Westhafen. Dort begann am 8. April 1926 die Montage des Ford Model T. Die Teile kamen weitgehend aus den USA. Später folgte das Model A. Insgesamt entstanden während der Berliner Ford-Zeit rund 37.000 Fahrzeuge. Erst 1931 nahm das neue Werk in Köln die Produktion auf und Berlin verlor einen seiner prominentesten Autohersteller.

Sogar der erste BMW-Pkw kam teilweise aus Berlin

1927 begann Dixi in Eisenach mit dem Lizenzbau des britischen Austin Seven als Dixi 3/15. Ende 1928 übernahm BMW das Werk und wurde damit zum Autobauer. Für den BMW 3/15 DA2 fertigte Ambi-Budd in Berlin-Johannisthal die Ganzstahlkarosserie und montierte sie ab März 1929 in Berlin auf Fahrgestelle aus Eisenach. So hat auch der erste Serien-Pkw von BMW ein Stück Berliner Geschichte. Doch bereits 1930 wanderte die Produktion nach Eisenach.

Zu den ungewöhnlichsten Berliner Fahrzeugen gehört schließlich das Amphicar. Konstrukteur Hans Trippel entwickelte den schwimmfähigen Personenwagen Ende der 1950er-Jahre. Ab 1961 wurde er bei der Deutschen Waggon- und Maschinenfabrik in Berlin-Wittenau gebaut. Das Amphicar konnte auf der Straße fahren und sich mit zwei Schrauben im Wasser fortbewegen. Ein großer Teil der Produktion ging in die USA. Der wirtschaftliche Erfolg blieb überschaubar, doch das Amphicar gehört heute zu den bekanntesten deutschen Kleinserienfahrzeugen der Nachkriegszeit. Die Produktion endete 1968.

Zu den ungewöhnlichsten Berliner Autos gehört das von Hans Trippel entwickelte Amphicar. Der schwimmfähige Personenwagen wurde ab 1961 bei der Deutschen Waggon- und Maschinenfabrik in Berlin-Wittenau gebaut und vor allem in die USA exportiert. Mit rund 110 km/h an Land und 13 km/h im Wasser war das Amphicar tatsächlich Auto und Boot zugleich. Wirtschaftlich blieb der Erfolg überschaubar, heute ist das bis 1968 gebaute Amphicar jedoch Kult.

1966 begann das Kapitel, das bis heute dauert

Als BMW in Berlin-Spandau mit der Fertigung der BMW R 60/2 startete, begann also keineswegs die Geschichte des Fahrzeugbaus in Berlin. Vielmehr setzte BMW eine Tradition fort, die damals schon mehr als sechs Jahrzehnte alt war. Der Unterschied zu NAG, Slaby-Beringer, Ford, der kurzen BMW-Autoproduktion und Amphicar ist vor allem die Dauer. BMW blieb. Wobei bis zur Wiedervereinigung die Berlin-Förderung den Standort zusätzlich attraktiv machte.

1969 konzentrierte das Unternehmen, wohl auch von diesen Förderungen motiviert, seine komplette Motorradproduktion in Spandau. Dort entstanden später Maschinen wie die R 90 S und ab 1980 die R 80 G/S. Heute bezeichnet BMW Berlin als Leitwerk seiner internationalen Motorradproduktion.


Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?

Ihre Rückmeldung hilft uns, AutoNatives weiterzuentwickeln.

Wer etwas bei Google sucht, bekommt neben normalen Ergebnissen auch aktuelle News angezeigt. Über das Hinzufügen von AutoNatives.de als bevorzugte Quelle, erscheinen unsere Artikel dann in diesen Google-Schlagzeilen häufiger.

Bei Google bevorzugen