Passage du Gois – eine Straße im Meer
Die Passage du Gois ist nur wenige Stunden am Tag passierbar. Das macht sie zu einem ultimativen Straßentipp. (Foto: Tom Schwede)

Passage du Gois – eine Straße im Meer

Die Passage du Gois an der französischen Atlantikküste ist nur wenige Stunden am Tag befahrbar. Bei Flut verschwindet die 4,5 Kilometer lange Straße vollständig unter dem Meer.

Tom Schwede
Von Tom Schwede
08. September 2014 3 Minuten Lesezeit

Die 4,5 Kilometer lange Passage du Gois verbindet im Westen Frankreichs die Île de Noirmoutier mit dem Küstenort Beauvoir-sur-Mer. Dabei führt sie direkt durchs Watt. Das macht sie zu einer der ungewöhnlichsten Straßen der Welt. Denn wer die Departementsstraße D 948 befahren will, muss den richtigen Zeitpunkt kennen.

Schließlich ist die Straße nur bei Ebbe für wenige Stunden am Tag passierbar. Bei Hochwasser steht das Meer zwei bis drei Meter über der Straße. Das Fenster, in dem die Strasse passierbar ist, verschiebt jeden Tag etwas. Als Pendlerstraße ist sie damit wohl nur sehr bedingt geeignet.

Die Passage du Gois ist ein Paradies für Muschelsucher!

Befahrbar ist die Strecke rund eineinhalb Stunden vor und nach dem Niedrigwasse. Pro Tag kommen so rund sechs Stunden zusammen, in denen Autofahrer die Straße unter die Räder nehmen können. Besonders Nachmittags kommt es vor dem Öffnen der Straße zum Stau.

Passage du Gois

Jeden Nachmittag ist die Passage du Gois ein Paradies für Muschelsammler.

Denn die in der Vendée lebenden Franzosen nutzen die Straße gern, um im Watt nach Muscheln zu suchen. Es ist bequem, auf der Straße mit dem Auto ins Watt zu fahren. Das geht an der französischen Westküste nirgendwo sonst so einfach.

Woraus besteht die Passage du Gois?

Nur die Rampen, die die Straße mit dem Land verbinden, sind asphaltiert. Die Straße selbst besteht aus Pflastersteinen. Das hat sich inzwischen über Jahrzehnte bewährt. Denn die Passage du Gois wurde bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts erstmals erwähnt.

Vermutlich nutzten Küstenbewohner die Verbindung jedoch schon wesentlich früher. In den 1920er-Jahren wurde aus dem Weg eine befestigte Straße. In Spitzenzeiten passierten mehr als 900.000 Autos die Strecke. Daher entschloss sich die französische Regierung Anfang der 1970er-Jahre zum Bau einer festen Alternativverbindung.

Die Brücke nahm der Passage du Gois den Verkehr

Nach dem Bau der Brücke ging der Verkehr auf der Straße im Meer deutlich zurück. Seit 1983 gibt es zwar keine offiziellen Zahlen zur Nutzung mehr. Trotzdem gehen Beobachter davon aus, dass auch heute noch mehr als 200.000 Autos pro Jahr die Passage nutzen.

Und falls einer der Muschelsammler den richtigen Zeitpunkt zur Rückkehr an Land verpasst, gibt es entlang der Strecke in regelmäßigen Abständen künstliche Rettungsinseln mit Rettungskörben. Sollte sich das Wasser zu schnell der Küste nähern, können sich Reisende dort in Sicherheit bringen.

Passage du Gois
Vor dem Öffnen der Passage du Gois kommt es regelmäßig zum Stau.
Pflastersteine am Rand der Passage du Gois
Die Pflastersteine als Straßenbelag haben sich bewährt. Sie halten besser als jede Asphaltdecke dem Meer Stand
Rettungskörbe an der Passage du Gois
Rettungskörbe entlang der Passage du Gois – wer die Körbe sieht, der ahnt, wie hoch das Wasser steigen kann.

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?

Ihre Rückmeldung hilft uns, AutoNatives weiterzuentwickeln.