Mir gefällt der Toyota 2000GT, darüber habe ich in der Vergangenheit bereits mehrfach geschrieben. Deshalb gucke ich immer sehr genau hin, wenn mir neue Geschichten über den japanischen Sportwagen über den Weg laufen.

In einer Pressemeldung von Toyota, in der es eigentlich eine Veranstaltung des Toyota Museums ging, blieb ich deshalb am Toyota 2000GT „Speed Trial“ hängen. Der „Speed Trial“ stellte 1966 drei Geschwindigkeits-Weltrekorde für Fahrzeuge mit maximal zwei Litern Hubraum auf. Den Dauerlauf über 72 Stunden legte der Toyota mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 206,02 Kilometern pro Stunde zurück.

Dazu setzen die Toyota-Piloten auch neue Bestmarken für Dauerläufe über 15.000 Kilometer (206,04 km/h) und 10.000 Meilen (206,18 km/h). Toyota verbesserte damit die im Mai 1966 von Ford in Monza aufgestellten Bestmarken teilweise deutlich. Allerdings hatten die Rekorde nur kurze Zeit Bestand. Schon im Oktober 1967 drehten der legendäre Jo Siffert und Powerslide-Gründer Rico Steinemann in Monza mit einem Porsche 911 erneut an der Rekordschraube.

Trotzdem hatte auch Toyota mit den Rekordfahrten auf der Hochgeschwindigkeits-Teststrecke von Yatabe sein Ziel erreicht. Denn mit den Rekorden sicherte sich der japanische Autobauer die Aufmerksamkeit der Fachwelt für sein durchaus ambitioniertes Sportwagenprojekt. Zudem dokumentierte Toyota die Langstreckentauglichkeit seines neuen zwei Liter großen Reihen-Sechszylinders.

Motorsport und Rekorde sorgen für Aufmerksamkeit

Zur Premiere und Erprobung des 2000GT baute Toyota sechs Entwicklungsträger. Einige dieser Fahrzeuge verfügten über handgefertigte Aluminiumkarosserien. Die Alu-2000GT waren für den Motorsport vorgesehen. Mit einem dritten Platz beim Grand Prix von Japan, der 1966 ein Sportwagen-Rennen auf dem Fuji Speedway war, gelang ein erster Erfolg. Kurze Zeit später folgte ein Doppelsieg beim 1.000 Kilometer-Rennen von Suzuka.

Ursprünglich war geplant, mit einem dieser Rennwagen auch zu den Rekordfahrten in Yatabe anzutreten. Die Rennwagen rollten auf Rennreifen und Magnesium-Felgen von Dunlop. Magnesium ist extrem leicht, brennt aber auch gut. Prompt zerstörte ein Feuer bei Testfahrten in Fuji den für die Rekordfahrt vorbereiteten Rennwagen. Kurzentschlossen baute Toyota einen 2000GT mit Stahl-Karosserie zum späteren Rekordfahrzeug um.

Heute wird meist vermutet, dass es ich dabei um das in Tokyo präsentierte Fahrzeug handelte. Ganz genau klar ist das heute auch für die Experten bei den Speedhunters nicht. Der Yatabe-2000GT bekam eine gelb-grüne Lackierung, stärkere Scheinwerfer von Lucas sowie Nebenscheinwerfer von SEV Marchal. Aus Gewichtsgründen fehlen dem Rekordfahrzeug die Rücklichter. Zudem verfügt der Sportwagen in der langen Motorhaube über große Lüftungs- und Wartungslöcher.

Mithilfe dieser Öffnungen konnten die Mechaniker während der Rekordfahrten den Motor ohne das Öffnen der Motorhaube mit Öl oder Kühlflüssigkeit versorgen. Unter der langen Motorhaube des Sportwagens ersetzten die Techniker die serienmäßigen Mikuni-Vergaser durch drei Weber-Doppelvergaser. Damit leistete der Yatabe-2000GT rund 300 PS bei 7.200 Umdrehungen pro Minute. Im Serientrimm waren es „nur“ 150 PS.

Carroll Shelby setzte den Toyota 2000GT in den USA ein

Mit Esso und Nippondenso gewann Toyota Sponsoren für das Rekord-Projekt. Anders als die Rennwagen, die mit Dunlop-Reifen antraten, setzte Toyota bei den Rekordfahrten Reifen von Goodyear ein. Dunlop steuerte jedoch weiterhin die Magnesium-Felgen bei. An dieser Stelle werden Fans stutzig, die den heute als Toyota 2000GT „Speed Trial“ präsentierten „Rekordhalter“ sehen.

Der von Carroll Shelby eingesetzte Toyota 2000GT beim Rennen 1968 in Las Vegas.
Der von Carroll Shelby eingesetzte Toyota 2000GT beim Rennen 1968 in Las Vegas. (Foto: Toyota USA)

Denn der Rekordhalter wurde später bei Testfahrten zerstört. Der heute gezeigte Toyota 2000GT „Speed Trial“ ist ein anderer ehemaliger Rennwagen und verfügt über eine eigene durchaus interessante Geschichte. Denn 1968 gewann Toyota den großen Carroll Shelby dafür, den Toyota 2000GT bei den Sportwagen-Rennen des Sports Car Club of America (SCCA) einzusetzen.

Shelby baute drei Rennwagen für Toyota auf und setzte sie ein Jahr in den USA ein. Die Rennwagen von Shelby rollten auf Felgen von Halibrand – genau wie der heutige Toyota 2000GT „Speed Trial“. Denn nach dem Ende der SCCA-Saison 1968 übernahm Toyota einen der 2000GT von Carroll Shelby, um diesen schließlich zu einer Replika des Rekordhalters umzubauen.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Der heute als Toyota 2000GT „Speed Trial“ präsentierte Rennwagen ist eine Replika. Der originale Rennwagen wurde bei Testfahrten zerstört.

(Foto: Toyota)

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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